Biografie : Die doppelte Romy

Von den vielen Filmprojekten zur Schauspielerin Romy Schneider sind zwei übrig geblieben. Das eine fürs Kino, das andere für die ARD.

Thilo Wydra
Romy Schneider
Romy Schneider. -Foto: Cinetext

„Ich kann nichts im Leben – aber alles auf der Leinwand“, hat sie einmal gesagt. Zerrissen wie sie war, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Wenig davon, was sie beruflich wie privat tat, ist verborgen geblieben. Weder zu Lebzeiten noch nach ihrem Tod. Als die Schauspielerin am Pfingstsamstag des 29. Mai 1982 frühmorgens um fünf Uhr in Paris im Alter von nur 43 Jahren starb, hörte „Die Ausbeutung der Romy Schneider“, wie etwa der „Stern“ wenige Monate nach ihrem Tod titelte und selbige damit nur weiter betrieb, nicht auf. Nun, da sich am 23. September 2008 ihr Geburtstag zum 70. Mal jährt, waren bis vor kurzem nicht weniger als vier bis fünf Filmprojekte über einen der wenigen deutschsprachigen weiblichen Weltstars in Vorbereitung. Noch nie gab es einen Spielfilm über Romy Schneider, nur Dokumentarisches. Bisher. Doch wer soll all diese Romys spielen?!

Mit einer im Februar in Berlin abgehaltenen Pressekonferenz der Macher eines dieser avisierten Projekte, des geplanten Kinofilms „Eine Frau wie Romy“, hat sich die Sachlage des nicht nur in der Rechtesituation schwierigen Falls abrupt verändert. So zog etwa die Ufa unter Federführung von Produzent Norbert Sauer ihr langjähriges Vorhaben vorerst zurück, die Schneidersche Biografie unter der Regie von Vivian Naefe zu verfilmen. Und zuvor schon ließ auch Produzent Nico Hofmann von der Ufa-Firma Teamworx von einem im Sommer 2007 bereits angekündigten Projekt wieder ab. Es wären einfach zu viele Romys geworden.

Zumal bereitet die Berliner Ufa-Tochter Phoenix Film unter Produzent Markus Brunnemann seit längerem einen Romy-Fernsehfilm vor, für die ARD, unter der Ägide von Carl Bergengruen, Spielfilmchef des Südwestrundfunks (SWR). Die ersten beiden Drehbuch-Fassungen des Münchner Autors Benedikt Röskau („Das Wunder von Lengede“, „Contergan“) sind fertiggestellt. Frei ist nach dem Weggang von Jo Baier der Platz auf dem Regiestuhl, wenngleich der Name von Torsten C. Fischer („Der Kriminalist“, „Der Liebeswunsch“) häufig fällt, und, mit ihm verbunden, jener von Jessica Schwarz, einer der möglichen Hauptdarstellerinnen. Es dürfte sich bei dem schlicht „Romy“ benannten ARD-Fernsehfilm denn auch um das einzige neben dem Kinofilm weiterhin bestehende seriöse Schneider-Projekt handeln. Alles andere wäre gewissermaßen Ufa-hausinterne, also absurde und obsolete Konkurrenz. Das haben in Berlin inzwischen alle eingesehen.

Über das Dokumentarfilm-Unterfangen seitens der Geschichtsredaktion des ZDF ist nichts mehr zu vernehmen. Gibt es im Dokumentarischen im Grunde schon genug, um sich über Romy ein Bild, ein leider nur selten seriös-verlässliches zumal, zu machen. Etwa mit Michael Strauvens 1998 anlässlich ihres 60. Geburtstags entstandenem „Legenden“-Porträt, das das meistgesehene überhaupt der inzwischen gut 40-teiligen ARD-Reihe ist.

Auf dem Podium besagter PR-Konferenz versammelten sich im Februar interessanterweise nicht nur die beiden Produzenten Douglas Welbat („7 Zwerge“) von der Hamburger Moviecompany und Raymond Danon von Lira Films aus Paris – Letzterer hat mehrere Filme mit Romy Schneider unter der Regie von Claude Sautet produziert –, sondern auch Warner-Bros.-Chef Willi Geike, Regisseur Josef Rusnak und, ja, da war noch ein freier Stuhl. Erst wollte man meinen, dieser würde von dem angekündigten Ex-Ehemann Romy Schneiders, des recht umstrittenen Daniel Biasini, dem Vater der gemeinsamen, heute 30-jährigen Tochter Sarah Biasini, eingenommen. Doch Biasini hielt sich im Nebenraum auf, und man ließ vom Podium nicht wirklich überzeugend verkünden, er habe Angst vor der Presse, sei „scheu und schüchtern“. Ambivalente Worte, ist mit Biasini in Romys Vita doch alles verbunden, nur nicht, dass er Scheu an den Tag legte. Der freie Platz wurde schließlich bekanntermaßen von jener Schauspielerin eingenommen, die neben Marie Bäumer und unlängst auch Hannah Herzsprung sowie eben Jessica Schwarz lange schon als potenzielle Romy-Anwärterin gehandelt wurde: Yvonne Catterfeld. Die 28 Jahre junge Erfurterin ist vor allem aus der RTL-Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt. Eine Wahl, die sofort nach Bekanntgabe landauf, landab in den Medien bekrittelt und belobigt wurde. Ob es Catterfeld mit Romy so ergehen wird wie einst zeitlebens Romy mit „Sissi“?! Es wird spekuliert, wie weit der ehemalige nationale Soap-Star den internationalen Schauspiel-Star überhaupt verkörpern kann. Catterfeld selbst, ganz in Schwarz gekleidet und mit zurückgestecktem Haar Romy durchaus ähnlich, sagte: „Ich werde mein Bestes geben und Romy alles zur Verfügung stellen, was ich habe. Ich will keinen Mythos zerstören und keine Kopie sein.“

Regisseur Josef Rusnak ist bis dato vor allem durch den US-Film „The 13th Floor“ (1999) hervorgetreten. Nun also ein emotionales, einfühlsam erzähltes Biopic über eine hochsensible und fragile Schauspielerin? Romy Schneiders gesamtes Leben werde behandelt, so Rusnak, von den 40er Jahren auf „Mariengrund“ in Berchtesgaden, über die ambivalent goldene „Sissi“-Zeit der 50er, die Pariser Jahre mit Alain Delon in den 60ern, ihre großen französischen Filme in den 70ern bis hin zu den frühen 80ern, dem tragischen Tod ihres 14-jährigen Sohnes David 1981 und ihrem eigenen Tod. Man wolle „alles abdecken“. Eine Herausforderung, ein Wagnis. Die deutsch-französische Koproduktion „Eine Frau wie Romy“, ausgestattet mit dem erstaunlich hohen Budget von 23 Millionen Euro, hat am 23. Juli Drehbeginn, Drehorte sind unter anderem Paris und Südfrankreich, Berlin und Berchtesgaden am Königssee. Der Film soll im Herbst 2009 in die Kinos kommen. Dann wird sich schließlich auch zeigen, was Yvonne Catterfeld auf der Leinwand kann.

Und auch Ufa-Tochter Phoenix Film plant derweil – ob nun mit Jessica Schwarz oder einer anderen Aktrice – im Spätsommer den auf circa fünf Millionen Euro budgetierten Fernsehfilm „Romy“ zu drehen, um ihn möglicherweise schon gegen Jahresende 2008 in der ARD zu senden. Ein 20-Uhr-15-Primetime-Highlight, zweifelsohne. Und: Damit wären sie freilich die Ersten im knappen Romy-Rennen.

Thilo Wydra ist Autor der gerade erschienenen Biografie „Romy Schneider - Leben, Werk, Wirkung“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2008. 160 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-518-18230-7.

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