Biografien : Marjans Mosaiksteine

In der ARD suchen Prominente ihre Spuren. Die Familiengeschichte von Mutter Beimer - Marie-Luise Marjan - aber auch die des Sängers Peter Maffay wird beleuchtet.

Thilo Wydra

Wo die eigenen Wurzeln liegen und wer die Familie wirklich ist, das sind Fragen, die viele Menschen beschäftigen und antreiben dürften. Wer sich dann auf Spurensuche begibt, braucht Mut und Kraft. Schließlich weiß man vorher nicht, wem man begegnen wird, was man plötzlich erfährt – nicht zuletzt über sich selbst. Die ARD startet nun montags eine neue vierteilige Dokumentarreihe, in der vier sehr unterschiedliche prominente Menschen das Wagnis eingehen, vor laufender Kamera ihre bisher ungeklärte Herkunft zu ergründen. Wie schwer das ist, wird in diesen Filmen deutlich, wenn die Kamera die sehr privaten Begegnungen einfängt.

So etwa in der Auftakt-Folge (Regie und Buch: Heiko Schäfer) mit Marie-Luise Marjan, die in der „Lindenstraße“ Mutter Beimer spielte. Mit 67 Jahren erfährt Marjan plötzlich, dass sie einen Bruder hat. Sie will ihn treffen. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, ihre Mutter gab sie in ein Waisenhaus und erst mit 16 Jahren lernte Marjan sie kennen – eine seltsames Schicksal, schließlich gilt Marjan nach Inge Meysel als zweite „Mutter der Nation“ .

Marjans Spurensuche führt quer durch Deutschland, nach Köln, Kempten, Würzburg. Es sind die Stationen ihrer Familie, die sie nun Jahrzehnte nach ihnen bereist. Die Orte sind Marjan fremd, gleichzeitig aber auch vertraut. Als sie in einem Hotelrestaurant auf ihren Bruder wartet, der im Allgäu lebt - einem eher einfachen Mann, wie er denn auch selbst sagt - ist Marjan sichtlich aufgeregt. Da sehen sich zwei über 60-Jährige zum ersten Mal in ihrem Leben, zwei Geschwister, denen ihre Mutter nichts voneinander erzählte. Eine schmerzhafte Begegnung, die beide trifft. Zugleich freuen sie sich aber auch über dieses späte Kennenlernen, das nicht zu spät ist.

Marjan verbirgt ihre nervös-intuitive Emotionalität nicht – wenngleich die ungelenk und lieblos geführte Kamera für diese sehr persönliche Reise ebenso wenig zuträglich wirkt wie die Musik, die effekthascherisch und reißerisch daherkommt. Das tut dem Film leider gehörigen Abbruch und mutet teils wie eine Produktion der Privaten an. Mehr Zurückhaltung und Liebe zum Detail wäre besser gewesen.

Trotzdem: Der Inhalt bleibt interessant. War die Biographie des Porträtierten zunächst von Lücken behaftet, setzt sie sich während des Films allmählich zusammen aus den noch fehlenden Mosaiksteinchen des Lebens.

Die weiteren Dokumentationen gehen den familiären Spuren des Schauspielers Armin Rohde (7. April), der Schauspielerin Christine Neubauer (14. April) und des Sängers Peter Maffay (28. April) nach.

„Das Geheimnis meiner Familie“, ARD, 21 Uhr

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