Medien : Bitte anketten!

Matthias Kalle

Berlin Mitte über Integration – ZDF. In was für einem Land leben wir eigentlich? In diesem jedenfalls nicht: In einer fiktiven Talkshow sitzen Jutta Ditfurth, Udo Lindenberg, Heiner Geißler, ein türkischstämmiger Kioskbesitzer aus Berlin, Kardinal Ratzinger und Roberto Blanco, es moderiert Lea Rosh, alle rauchen, schreien sich an und am Ende schüttet Jutta Ditfurth Heiner Geißler ein Glas Wasser über das Jackett und Lindenberg singt ein Duett mit Blanco. Zwischendurch stürmen Studenten das Studio und ketten sich an Roshs Stuhl. Und am nächsten Tag auf der Arbeit reden alle über Ausländer, Integration und darüber, ob die multikulturelle Gesellschaft da ist, kommt, bleibt, oder geht.

Am Donnerstagabend hatte Maybrit Illner bei „Berlin Mitte“ folgende Gäste: Jörg Schönbohm, Innenminister Brandenburgs; Marieluise Beck, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung; Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland; Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister Berlin- Neukölln und Henryk M. Broder, Publizist. Niemand schüttete mit Wasser, angekettet wurde sich auch nicht und keiner schrie, außer vielleicht Frau Beck, aber nur ein bisschen. Ein Duett gab es aber doch – Schönbohm und Broder schienen sich heimlich Witze zu erzählen, so gut verstanden sich die beiden.

Natürlich was das Thema die multikulturelle Gesellschaft, natürlich lautete die Frage, ob sie gescheitert sei, nach Holland, nach dem Mord an Theo van Gogh. Heinz Buschkowsky sprach von Parallelgesellschaften, Broder von der deutschen Verweigerung der Wirklichkeit und Schönbohm sagte, davon habe er ja schon länger gesprochen, nur damals wollte das keiner hören. Beck wollte es auch diesmal nicht hören, sie übernahm die Rolle, die sonst Claudia Roth bis zur Selbstaufgabe spielt. Ihr Heilmittel: Sprachenlernen. Broder schüttelte den Kopf. Ihr Gegenvorschlag: „Man müsse auch über Erfolge reden.“ Broders Antwort: „Ein Arzt spricht auch nicht über Gesunde, sondern über die Kranken.“ Beck plädiert für Integration. Buschkowsky sagte: „Ich kann nichts mehr integrieren. Wo denn? Wen denn?“

Am Ende sagte Jörg Schönbohm, dass vor fünf, sechs Jahren so eine Diskussion nicht möglich gewesen sei. Wann sie aber tatsächlich einmal möglich ist und im deutschen Fernsehen gezeigt wird, das sagte er nicht.

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