Medien : Bitte recht deutlich

Fotos oder bewegte Bilder, oder beides in Kombigeräten? Was man beim Kauf von Digitalkameras beachten sollte

Kai Kolwitz

Digitale Foto- und Videogeräte – beide haben ihre Vorteile. Einerseits lassen sich mit Aufnahmen aus dem Camcorder ansehnliche Urlaubsfilme produzieren und bei Bier und Chips vorführen – etwas Zeit und ein brauchbares Videoschnittsystem für den Computer vorausgesetzt. Andererseits ist das Fotografieren mit deutlich weniger Aufwand verbunden als das Filmen – sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Nachbearbeitung. Und einen Stapel Fotos kann man einfach mit ins Büro oder in die Kneipe nehmen. Ob die Kollegen den Nerv haben, sich die Mittagspause mit einem einstündigen Videofilm vom Laptop versüßen zu lassen, ist eher fraglich. Allerdings: Wer im Urlaub sowohl foto- als auch videotechnisch aktiv sein will, muss stets zwei Geräte dabei haben, inclusive Netzteil, Ersatzakku und Speichermedium. Viel Aufwand. Gut, dass es diverse Geräte zu kaufen gibt, die beides können, zumindest laut Werbung . Aber funktionieren solche Kombigeräte? Oder ist es doch besser, sich für Kameras mit weniger Funktionen zu entscheiden?

KOMBIGERÄTE

Was ist von den Kombigeräten zu halten? „Die meisten Digitalkameras schaffen heutzutage auch Videoaufnahmen, und mit fast allen Camcordern können Sie Fotos machen", sagt Markus Bautsch, Digitalfoto- und –video-Experte bei der Stiftung Warentest. Aber: „Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.“ Wer beides mit einem Gerät erledigen will, muss sich also überlegen, wo er den Schwerpunkt setzen will. „In der Regel kann man mit einer digitalen Fotokamera nicht zoomen, wenn man filmt. Auch der Ton ist meistens grausig“, sagt Bautsch. Mehr als kurze Clips bescheidener Qualität sind also in der Regel nicht drin.

Mit manchen Camcordern lassen sich dagegen durchaus ansprechende Fotos machen. Aber noch lange nicht mit allen: „Bei unserem letzten Test haben wir reihenweise mangelhafte Camcorder-Fotos gehabt – matschig, mit ganz wenig Kontrast“, erklärt der Experte. In der Regel liegt das daran, dass die digitalen Videokameras die Fotos in viel zu geringer Auflösung produzieren. Als Regel gilt: Zwei Megapixel sind mindestens nötig, um brauchbare Fotos zu erzielen, gute Camcorder schaffen im Fotobereich auch drei – während eine moderne Digitalkamera in der Regel auf sechs bis acht Megapixel kommt.

VORTEILE, NACHTEILE: TECHNIKFRAGEN

Wo liegen die technischen Unterschiede zwischen Foto- und Videokameras? „Die Chips von Camcordern haben weniger Pixel, sind dafür aber lichtstärker“, sagt der Warentester. Das liegt daran, dass ein Video aus 25 Einzelbildern pro Sekunde besteht – bei der kurzen Betrachtungsdauer pro Bild kommt es weniger auf jeden einzelnen Bildpunkt an als bei einem Foto, das für sich selbst steht und viel länger angesehen wird. Logischerweise ist damit auch die Belichtungszeit pro Einzelbild beim Camcorder viel kürzer – deshalb die helligkeitsempfindlicheren Chips. Die geringere Auflösung im Videobereich hat den Vorteil, dass sich viele Zusatzfunktionen preiswerter und mit weniger Aufwand realisieren lassen, weil es schlicht nicht so sehr auf Präzision ankommt. So sind 20-fache optische Zooms bei Camcordern nicht ungewöhnlich – allerdings haben die Warentester festgestellt, dass die Standbilder von Camcorder mit mehr als zehnfachem Zoom stark zu wünschen übrig lassen: „Oft sind die Fotos in den Ecken dunkler als in der Mitte, oder die Linien sind gebogen.“ Ein weiterer Unterschied: Camcorder haben oft digitale Bildstabilisatoren, die auf einen reibungslosen Übergang von Einzelbild zu Einzelbild angelegt sind, auch wenn die Hand des Filmers wackelt. Gute Digitalkameras haben optische Stabilisatoren, die bei längeren Belichtungszeiten das Verwackeln verhindern sollen.

NICHT AM FALSCHEN ENDE SPAREN

Kann man mit einem Kombigerät Geld sparen? In der Regel lautet die Antwort leider: nein. „Für einen Camcorder, der auch gute Fotos machen kann, müssen sie mindestens 800 bis 1000 Euro rechnen. Ähnlich gute Fotos erhalten Sie aber auch schon mit einer Digitalkamera für rund 200 Euro. Und wenn man auf die Fotofunktion verzichtet, kann man mit einem Camcorder für 600 bis 700 Euro durchaus glücklich werden“, sagt der Warentester Markus Bautsch. So gesehen, reduziert sich der Vorteil von Kombigeräten schlussendlich darauf, dass für Video- und Fotoaufnahmen nur ein einziges Gerät mitgenommen werden muss.

KAMERAS AUSPROBIEREN

Worauf ist nun beim Kauf zu achten? Auch wenn es banal klingt: Wegen der großen Qualitätsunterschiede der Camcorder-Fotos sollte man Vergleichstests studieren, die neben der Stiftung Warentest auch Foto-, Video- und Computerzeitschriften anbieten. Und: die Geräte unbedingt ausprobieren! Denn neben der technischen Qualität von Fotos und Videos zählt auch die Bedienungsfreundlichkeit. Und da sind Camcorder eben vor allem für Videoaufnahmen optimiert – Fotofunktionen wie Blende, Verschlusszeit oder Blitz müssen, wenn überhaupt vorhanden, oft fummelig in Untermenüs eingestellt werden.

ERSATZ IM URLAUB

Empfehlenswert sind, gerade für den Urlaub, auch ein Ersatzakku, sowie Speichermedien in ausreichender Größe – oft sind die mit den Geräten gelieferten Speichermedien zu klein für den sinnvollen Einsatz. Die Mini-DVDs mancher Camcorder sind in höchster Video-Qualität bereits nach 20 Minuten voll. Speicherkarten gibt es inzwischen bis vier, bald bis acht Gigabyte. Das entspricht einer beziehungsweise zwei „großen“ DVDs.

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