"Block B" bei RTL : Zugedröhnt im Frauenknast

Mit "Hinter Gittern" erzielte RTL einst wahre Traumquoten, jetzt hebt der Sender eine neue Frauenknast-Soap ins Programm. "Block B" ist, das muss man leider sagen, ein TV-Desaster randvoll mit Klischees.

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Die Schauspielerin Gisa Zach als Bea Kröger in der neuen RTL-Serie "Block B"
Die Schauspielerin Gisa Zach als Bea Kröger in der neuen RTL-Serie "Block B"Foto: dpa

Ein Blowjob für eine Stande Zigaretten. Im Transportbus, direkt vor dem Gefängnistor. Eingeritzte Brust-Haut. Mit einem scharfen Löffel. Die Anstaltsleiterin, blutüberströmt. Das lange Messer steckt nur ein paar Zentimeter im Oberkörper. Wo kommt da nur das ganze Blut her? „Block B – Unter Arrest“ ist alles andere als besinnlich-beschauliche Donnerstagabend-Unterhaltung.

Die neue Drama-Serie von RTL ist eine Adaption einer australischen Frauen-Knast-Soap. Down Under sorgt „Wentworth“ für gigantische Zuschauererfolge. Die kann RTL auch dringend brauchen. Von 1997 bis 2007 hatte der Kölner Sender schon mal eine Gefängnis-Serie im Programm. „Hinter Gittern – der Frauenknast“, mit Einschaltquoten um die fünf Millionen und Marktanteilen bis zu 19 Prozent.

Das Wunder will RTL wiederholen. Natürlich ist „Block B“ dem Zeitgeist entsprechend ordentlich aufgedonnert. Bewegte Kamera, eine Menge Nah-Einstellungen. Zeitlupe. Tonverfremdungen. Viel edles Licht. Effektvolle Schatten und Farben, satt und leuchtend. So "Vogue"-Like sah noch kein Knast im deutschen Fernsehen aus.

Der Inhalt ist dagegen ganz weit weg vom schicken und gestylten Oberflächenglanz. Die Geschichte steckt voller Klischees und Banalitäten. Bea, Friseuse und Hauptperson, wird als Untersuchungshäftling in die JVA Tempelhof eingeliefert. Irgendwann erfährt  man durch Flashbacks, dass sie versucht hat, ihren Mann Holger zu töten. Eine deutsche Serie mutet Zuschauern nicht die Ambivalenz einer schuldigen Hauptdarstellerin zu. Also wird Holger als Macho-Arsch gezeigt. Er quält, schlägt und vergewaltigt Bea. Schon ist der versuchte Totschlag entschuldbar. Und das Publikum im moralisch sicheren Hafen.

"Block B" bei RTL: Banalitäten und falsches Pathos

Die Anstaltsleiterin Petra Weissner ist streng, ungerecht und arrogant. Und hat eine Bettgeschichte mit einem Untergebenen. Vera Böhme ist gut, sympathisch und einfühlsam. Eine Gefängniswächterin aus dem Bilderbuch. Nach der Ermordung von Weissner wird sie deren Nachfolgerin. Und natürlich ist die liebe, gute Seele vom Tempelhof von der knallharten Knast-Serien-Realität mehr als überfordert.

Knacki Janina steckt zusammen mit ihrem Kind hinter Gittern. Gute Möglichkeit, die harten Mädels auch von ihrer weichen Mutterseite zu zeigen. Natürlich hält man dieses klaustrophobische Eingesperrtsein nur mit Drogen aus. Also wird kräftige gedealt und geschmuggelt. Eine Haft-Schwester kommt sogar völlig zugedröhnt zum Mittagessen. Die Wachmannschaft merkt nichts. Warum auch?

Medienerzeugnisse mit Schauplatz Frauengefängnis – immer ein guter Grund, lesbische Liebe oder lesbischen Sex zu zeigen. RTL wäre nicht RTL, wenn es sich das entgehen lassen würde. Deshalb wird in dieser JVA kräftig unter der Gefängnisdecke gejodelt.

Auch die Mutter aller Gefängnis-Klischees, der Topdog darf nicht fehlen. In diesem Fall eine weibliche Machtkämpferin. Etwas alt, aber mit allen Machiavelli-Wassern gewaschen. Eine Königin Lear, vom schnöden Knast-Nachwuchs bedroht, aber nicht zum Aufgeben bereit. Katrin Sass, ehemalige DEFA-Schauspielerin, in jüngster Zeit eher als keifende Moralapostelin im Bewusstsein, spielt Rita Plattner. Eine Mischung aus Kittchen-Duse und Kerker-Flickenschildt. Mit riesiger Sonnenbrille und übertriebener Staats-Schauspiel-Diktion. Eine Trash-Queen auf Freiheitsentzug.

Das falsche Pathos der Sass. Die Unterforderung der restlichen Schauspieler-Crew. Die Resterampe dramaturgischer Binsenwahrheiten. Fertig ist das Serien-Desaster. Da hat ja selbst „Um Himmels Willen“ noch einen Grimme-Preis verdient.

Insgesamt wollten denn auch nur 2,46 Millionen Zuschauer den Auftakt der neuen RTL-Serie sehen, ein Marktanteil von bescheidenen 8,0 Prozent.

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