Blog-Affäre : Neven DuMont will in den Aufsichtsrat

Nach der Blog-Affäre: Konstantin Neven DuMont will vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln.

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Silvester vergangenen Jahres veröffentlichte Konstantin Neven DuMont, 40 und Vorstandsmitglied des Verlags M. DuMont Schauberg (MDS) im Blog von Medienjournalist Stefan Niggemeier seine Agenda für 2010: „Liebe stärker zuzulassen und mir aus polemisch vorgetragenen Anfeindungen nichts mehr zu machen“, listete er unter anderem auf.

Zumindest das letzte Ziel scheint Neven DuMont nicht ganz verwirklichen zu können. Offenbar will er sich aus dem Vorstand des viertgrößten deutschen Verlags, zu dem unter anderem der „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Berliner Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“ gehören, zurückziehen und in den Aufsichtsrat wechseln. So kündigte es Konstantin Neven DuMont im aktuellen „Spiegel“ an. Offiziell begründet er den Schritt damit, „doch mehr auf der kreativen Seite“ zu Hause, und nicht so sehr „Verwalter“ zu sein – nicht ganz unbedeutend für den Rückzug dürfte jedoch eine Blog-Affäre sein, in die Neven DuMont verwickelt sein soll.

Der Manager soll Niggemeiers Blog in den vergangenen Wochen unter verschiedenen Pseudonymen wie „Hans Wurrst“, „Himmlischer Friede“ oder „Kopf Schüttel“ mit hunderten Kommentaren und Beschimpfungen überschwemmt haben. Neven DuMont streitet das ab. Zwei anonyme Kommentatoren, die Zugang zu seinem Rechner gehabt haben, hätten diese Posts veröffentlicht, sagt er. Allerdings: alle Kommentatoren haben nach Niggemeiers Angaben Neven DuMonts E-Mail-Adresse verwendet und auch ihre Formulierungen ähnelten stark denen, die Neven DuMont zuvor unter seinem eigenen Namen verwendet hatte.

Bereits zum Jahreswechsel war in der Branche über Neven DuMont spekuliert worden. Er habe in dem Blog einen „Sandkasten“ gefunden, in dem er sich austoben könne. Tagelang hatte er damals Niggemeiers Blog zugepostet, ließ sich auf eine absurde Diskussion über seine Qualifikation ein und trug damit nicht gerade dazu bei, als Verlagsmanager ernst genommen zu werden.

Die aktuelle Affäre hat das Fass wohl zum Überlaufen gebracht – der Wechsel in den Aufsichtsrat ist offensichtlich der einzige Weg, das Ausmaß der Irritationen noch einzudämmen.

Konstantin NevenDuMont war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er am Samstag: „Laut Vorstandsbeschluss darf ich mich über eine sehr skurrile Geschichte zur Zeit nicht äußern.“ Ein Maulkorb für den Manager, der im Verlagsvorstand für „Unternehmensstrategie und Kommunikation“ zuständig ist?

Auch sein Vater Alfred Neven DuMont, 83, will sich zum möglichen Wechsel seines Sohnes und seinem möglichen Nachfolger nicht äußern. Er handele sich um „Gerüchte“, die ihm selbst nicht bekannt seien, heißt es im „Spiegel“.

2009 hatte sich Alfred Neven DuMont vom Vorstand in den Vorsitz des Aufsichtsrates zurückgezogen und einen Generationenwechsel in dem Familienunternehmen eingeleitet. Die Führung überließ er aber nicht seinem Sohn allein. Auch sein Neffe Christian DuMont Schütte, 53, wurde Vorstandsmitglied in dem vierköpfigen Gremium, zu dem auch Eberhard Klein und Franz Sommerfeld gehören.

Die Chance, sich zunächst woanders zu beweisen, bevor er in die Fußstapfen seines Vaters tritt, hat Konstantin Neven DuMont nicht wahrgenommen. Mit 25, direkt nach seinem Studium der Journalistik an der Universität im amerikanischen Oregon, ist er in das Unternehmen eingestiegen. Offenbar sind die Fußstapfen zu groß gewesen.

Das Unternehmen teilte am Montag mit, sich mit den in der Öffentlichkeit aufgeworfenen Fragen zu beschäftigen und zu gegebener Zeit über mögliche Folgerungen zu informieren. Am morgigen Mittwoch soll es eine Sitzung im Hause DuMont geben, sagte Konstantin Neven DuMont am Montag der „Bild“.

Wechselt Konstantin Neven DuMont nun vom Vorstand in den Aufsichtsrat, bekommt er vielleicht die Gelegenheit, seine „kreative Seite“ ausleben zu können – und damit die Möglichkeit, immerhin eines seiner anderen Ziele für 2010 stärker zu verfolgen: Im Netz einen Videoblog zu starten, und dort politische Lieder und Liebeslieder zum Besten zu geben. Sonja Pohlmann

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