Bloggerkolumne : Die sozialen Netzwerke gehen ins verflixte siebte Jahr

16.06.2012 00:00 UhrVon Richard Gutjahr
Richard Gutjahr ist Fernsehjournalist und Blogger. Für den BR macht er die interaktive Politainment-Sendung „Rundshow“. promo
Richard Gutjahr ist Fernsehjournalist und Blogger. Für den BR macht er die interaktive Politainment-Sendung „Rundshow“. - promo

Eine Freundschaftsanfrage? So what. Unser Autor ist Facebook-müde. Und das nicht aus politischen Gründen.

Ich bin müde. Facebook-müde. Keine Bange, ich gehöre nicht zu Polit-Posern wie unsere Verbraucherschutzministerin, die demonstrativ aus Facebook ausgetreten ist, um sich als Jeanne d’Arc des Datenschutzes feiern zu lassen: „Nimm das, Zuckerberg!“ – Nein, darum geht es nicht. Ich stelle fest: Mir wird Facebook zunehmend egaler. Eine neue Freundschaftsanfrage? Kann warten. Ich bin irgendwo markiert worden? So what, da will ich jetzt nicht rangehen.

Soziale Netzwerke kommen und gehen. Second Life, MySpace, Lokalisten, anyone? Der deutsche Facebook-Klon StudiVZ hat nach knapp sieben Jahren fertig, will im Herbst als Lernplattform Idpool.

de seine Wiederauferstehung feiern. Guten Flug. Google Plus ist vor einem Jahr gestartet, will bis heute über 100 Millionen Nutzer gewonnen haben. Augenwischerei, wenn man bedenkt, dass der Web-Gigant die User neuerdings dazu zwingt, einen Plus-Account anzulegen, will man Services wie Google-Mail oder Google-Docs nutzen.

Für Soziale Netzwerke gilt Wachstum um jeden Preis. Was aber, wenn man mit bald einer Milliarde Nutzer den Markt leergefischt hat? Fluch und Segen der Betreiber: Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt. Sollte EU-Kommissarin Viviane Reding ihre Forderung durchsetzen, persönliche Daten exportierbar zu machen, dürfte sich der Druck auf die Platzhirsche erhöhen. User könnten dann leichter zwischen den Plattformen wechseln und ihre Daten mitnehmen, ähnlich wie man seine Telefonnummer beim Wechsel einer Telefongesellschaft behalten kann. Gleichzeitig wächst unter den Nutzern das Bewusstsein dafür, nicht zwingend überall alles von sich preisgeben zu müssen, nur weil es geht.

Wir befinden uns im verflixten siebten Jahr der Social Networks, die Flitterwochen sind vorbei, Facebook & Co sind in unserem Alltag angekommen. Vielleicht kehrt jetzt endlich Ruhe ein in die mitunter hysterisch geführten Diskussionen um sog. Facebook-Partys, -Morde oder -Revolutionen (Unzutreffendes bitte streichen). Das Leben ist ‚social’, das Netz nur ein Werkzeug und wir sind alle Teil davon. Richard Gutjahr gefällt das.

Der Autor ist Fernsehjournalist und Blogger. Für den BR macht er die interaktive Politainment-Sendung „Rundshow“.

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