Bloggerkolumne : Google baut seine Macht aus

Google hat mal wieder eine ganze Reihe von Neuerungen vorgestellt. Wie immer fragt man sich: Ist der Suchmaschinen-Gigant noch Anakin Skywalker - oder schon Darth Vader?

Richard Gutjahr
Richard Gutjahr ist Fernsehjournalist und bloggt unter www.gutjahr.biz.
Richard Gutjahr ist Fernsehjournalist und bloggt unter www.gutjahr.biz.Foto: promo

Gibt man bei Google die Frage ein: Was ist der Sinn des Lebens, antwortet die Suchmaschine mit einer Zahl: 42. Eine verspielte Referenz an den britischen Autor Douglas Adams, der Anfang der 80er mit seinem satirisch-apokalyptischen Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ das Lebensgefühl einer ganzen Generation getroffen hat. Die Erde und all ihre Bewohner, ein organischer Computer, allein dazu erschaffen, um eine komplexe Rechenaufgabe zu lösen, nämlich: Wie lautet der Sinn des Lebens.

Noch ist Google nicht in der Lage, eine Frage solchen Kalibers befriedigend zu beantworten, und doch gab sich der Internetkonzern zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco optimistisch, bald die Mysterien der Menschheit zu entschlüsseln: Wer sind wir? Woher kommen wir? Und wohin gehen wir ... heute Abend?

Bis Google so weit ist, gibt es als Vorspeise ein paar neue Webdienste: ein Google-Musikstreamingangebot, personalisierte Karten. Auch will Google demnächst unsere Fragen erraten, noch bevor wir diese überhaupt eingetippt, respektive ins Mikrofon gesprochen haben.

Am Ende der Präsentation beantwortet Firmengründer Larry Page selbst Fragen. Wie sein Unternehmen helfen kann, um Demokratien zu stärken, will jemand aus dem Publikum wissen. Ob es nicht gefährlich sei, wenn Google seine Angebote immer weiter auf die persönlichen Vorlieben seiner User zuschneide, weil man so den Blick auf das große Ganze verliere. „Good question“, antwortet Page jedes Mal, bevor er sich in Allgemeinplätzen verliert, bei denen Google natürlich stets die Antwort ist, nie das Problem.

Der Konzernchef in seiner Google-Uniform (T-Shirt und Turnschuhe) wirkt unscheinbar und verloren, hinter ihm gewaltige Leinwände, die das Universum und eine rotierende, der Sonne abgewandte Erdkugel zeigen. Ein Bild wie aus „Krieg der Sterne“. Seine Stimme ist sanft und leise, erst vor kurzem hat Page öffentlich gemacht, dass er an einer schweren Stimmbanderkrankung leidet. Steht hier der heldenhafte Anakin Skywalker, der von der dunklen Seite der Macht verführt wird und sich in den düsteren Darth Vader verwandelt? „Don’t be evil“ – Sei nicht böse, so das inoffizielle und zugleich vielsagende Motto von Google.

Richard Gutjahr ist Fernsehjournalist und bloggt unter www.gutjahr.biz.

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