Bloggerkolumne : Kostenlose Werbefläche

Die CSU wollte endlich einmal modern sein und hat eine Facebook-Party veranstaltet. Unser Autor fragt sich, ob dieses Jahr das Sommerloch vorverlegt wird.

Markus Beckedahl
Foto: Mario Sixtus
Foto: Mario Sixtus

Im vergangenen Sommerloch hysterisierte die deutsche Politik kurz über sogenannte Facebook-Partys: Wie schon früher gibt es auch im Zeitalter von sozialen Medien Partys, auf denen ungebetene Gäste in großer Zahl auftauchen. Überraschung! Ganz vorn auf der Empörungswelle surfte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, CSU. Er forderte ein Verbot von Partys, zu denen man über das Internet einlädt.

Fast ein Jahr später wollte die CSU endlich mal modern erscheinen. In München kam man auf die schlaue Idee, die Fans von Horst Seehofer in eine Promi-Disco einzuladen. Wahrscheinlich scheitern viele CSU-Funktionäre normalerweise an den Türstehern und wollten da trotzdem mal rein. Verkauft wurde das als erste „Facebook-Party“ einer Partei. Das funktionierte komischerweise, dabei dürfte mittlerweile jeder Ortsverein soziale Medien zur Einladung zu Veranstaltungen nutzen. 2500 Plätze wurden auf Facebook angeboten, die Gästeliste war schnell voll. Nicht vorstellen konnte sich offenbar die CSU, dass viele Menschen sich nur zum Spaß anmelden – kostet ja nichts – aber ganz woanders wohnen. Die Medien spielten verrückt. Ein Ministerpräsident. Lädt zur Party. Über das Internet! Um mit dem Bürger zu sprechen. Zukunft! Nur: Es fehlten die Reisebusse, um Seehofer-Fans aus ganz Deutschland zur Party des Jahres zu fahren. Dafür reiste fast jede größere Redaktion in Deutschland an, um per Liveticker zu berichten. Das Sommerloch wurde vorverlegt.

Die Party selbst war dann ernüchternd. Nur 500 Personen kamen, die Tanzfläche der Großraumdisco blieb ziemlich leer. Mangels Bürgern interviewten sich die Journalisten notgedrungen gegenseitig. Während Seehofer auf Facebook verkündete: „Ihr habt euch in die Geschichtsbücher eingeschrieben“, hagelte es Spott und Häme im Netz und bei den enttäuschten Journalisten. Aus Sicht der CSU dürfte die Aktion trotzdem ein Erfolg gewesen sein: Die Facebook-Fans von Horst Seehofer haben sich mehr als verdoppelt, und so viel Berichterstattung gab es seit langem nicht mehr. Die große Frage bleibt: Warum macht ein Ministerpräsident eigentlich so massiv Werbung für ein US-Unternehmen, das hiesige Datenschutzstandards missachtet?

Der Autor ist Mitbegründer der digitalen Gesellschaft und bloggt unter Netzpolitik.org.

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