Bloggerkolumne : Twitter zerstreut die Demokratie

In Ägypten wurde gewählt, die Twitter-Revolution ist zu Ende. Die Sozialen Netzwerke haben geholfen, das alte Regime zu stürzen. Jetzt nützt es den Ägyptern nur noch wenig.

Mercedes Bunz
Foto: privat
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Als diese Woche in Ägypten gewählt wurde, ging offiziell eine Twitter-Revolution zu Ende. Die junge Stimme, die sich in den sozialen Medien erhoben und schnell ein ganzes Land mit sich gerissen hatte, spielte dabei keine Rolle mehr. Was überrascht: Twitter und Facebook machten sicher keine Revolution, hatten sich aber doch als extrem nützlich erwiesen. Auf sozialen Medien hatte man sich erst unter dem Stichwort „#25“ zur Revolte verabredet und die Netzwerke dann als alternative Nachrichtenkanäle benutzt, mit denen man eine wachsame internationale Öffentlichkeit hinzuschaltete. Die Facebook-Seite „We are all Kahled Said“, gewidmet dem jungen Ägypter, der in Polizeigewahrsam ums Leben kam, ist heute noch ein Mahnmal dieser Tage – Technologie kann Politik nicht ersetzen, hilft aber bei der Organisation ungemein. Nur: Damals war man viele. Jetzt stehen unter den sechs Kandidaten zwei zur Wahl, die schon unter Mubarak Positionen innehatten. Da fragt man sich: Was ist falsch gelaufen und lag das auch an der Technologie?

Eine Organisationshilfe, bei der man erst einmal sieht, was die Freunde alles Interessantes machen, ist für die tägliche politische Arbeit denkbar ungeeignet. Soziale Medien verstreuen, sie führen nicht dauerhaft zusammen. Und gegen verkrustete Strukturen hat man ohne eigene keine Chance. Dass 50 Millionen Ägypter dennoch hoffnungsvoll auf eine offene Wahl blicken können, verdanken sie auch den sozialen Medien. Damit die Stimme nicht noch einmal verstummt, gilt es diese nun weiterzuentwickeln. Eine Aufgabe fürs Auswärtige Amt?

Die Autorin war Online-Chefin des Tagesspiegels. Sie lebt heute in London und bloggt unter www.mercedes-bunz.de.

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