Blogverkauf : Robert Basic: Unter dem Deckmantel der Bescheidenheit

Die einen halten ihn für einen Profi im Egomarketing, die anderen für einen selbstgefälligen Schwätzer. Heute Abend kommt das Blog von Deutschlands wohl bekanntestem Blogger, Robert Basic, bei Ebay unter den Hammer.

Nadine Lantzsch

Das eigene Blog zu verkaufen ist keine Netzrevolution, doch selten hat das so hohe Wellen geschlagen wie bei Robert Basic. Seiner lapidaren Überlegung am 6. Januar folgte ein paar Stunden später der reine Tisch, ein Raunen und Staunen ging durch die deutsche Blogosphäre, bei Twitter wurde selten ein Thema so kontrovers diskutiert. Die Aufmerksamkeit erreichte nicht nur nahezu alle deutschen Medien, sondern schwappte sogar in die USA.

Basic: Geld verdienen mit dem eigenen Namen

Während der Auktionsdauer überschlugen sich die Anzahl der Blogeinträge zum Thema Basic: Mutmaßungen, wieviel er denn letztendlich für sein Weblog bekäme, warum er das überhaupt mache, bis hin zu neuerlichen Auslassungen zu seiner Person. Basic ließ sich durch die Medien reichen, gab geduldig Antworten auf drängende Fragen. Doch eines dürfte klar sein: Ein Verkauf bei Ebay, die Pläne, seine Themen auf ein rein privates und rein technisches Blog zu splitten, die sind Basic wohl nicht in einer Laune gekommen. Denn was der gebürtige Kroate in seiner Karriere als Blogger gelernt und perfektioniert hat, ist, wie man mit der eigenen Person Geld verdienen kann.

Bis heute gestaltet sich die Monetarisierung für privat betriebene deutsche Weblogs schwierig bis unmöglich. Gekaufte Blogeinträge über Dienste wie Trigami oder "Klickgeld" aus Google Adsense machen das Hobby selten zur Haupteinnahmequelle. Das liegt zum einen an der geringen Reichweite solcher Blogs, zum anderen fehlt der Web2.0-Welt noch die nötige Reputation, damit potenzielle Kunden Bloggern ihre Marke anvertrauen. Blogger haben also noch ein bis mehrere Standbeine nebenher - Don Dahlmann ist erfolgreich als freier Autor und Berater tätig, Stefan Niggemeier durchlief lange vor seiner Blogzeit eine klassische journalistische Ausbildung und ist diesem Berufsfeld bis heute treu geblieben.

Robert Basic hingegen konnte sich auf die Funktionsweise der Netzwelt verlassen. Als der Hype um Blogs im Jahr 2004 begann, war er sich als einer der Ersten vieler Leser sicher. Durch zahlreiche Verlinkungen, zwischenzeitlich waren es fast 3000 Links, die auf sein Blog führten, strandeten zusätzliche User bei ihm. Wer in die Blogwelt einstieg, ob als Leser, Kommentator, Blogger oder alles in Personalunion, der las zwangsweise Basic. Im Internet funktioniert es wie "draußen": Der Mainstream folgt zuerst dem Produkt, von dem angenommen werden kann, das es ein Verkaufsschlager ist. Dem anfänglichen Trend folgt der Hype und am Ende geht es weniger um die inhaltliche Auseinandersetzung als um das Mitreden können.

Basic: "Ich bin nicht käuflich"

Die Leser blieben, denn Basic enttäuschte sie nicht: ein heterogenes Themenblog, was er selbst als "IT-Blog" bezeichnet, mit Trends aus der Netzwelt, Social Networks, Web-Startups, das der 42-Jährige auch immer wieder mit privaten Anekdoten füllte, befriedigte die breite Masse. Und lockte Werbekunden an: im vergangenen Jahr brachte ihm Basicthinking.de nach eigenen Angaben Bruttowerbeeinnahmen von 37.000 Euro. Ein Jahresgehalt, auf das sicher einige, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, neidisch sind.

Nun ist Basic seinem Blog überdrüssig geworden. "Zeit, dass sich was dreht" überschrieb er seinen Blogeintrag zur Verkaufsabsicht. Wohl eher sollte sich für ihn die Geldmaschine weiterdrehen. Noch im April 2007 hat er die Frage, ob er sich einen Verkauf seines Blogs vorstellen könne, klar verneint. Er sei nicht käuflich und damit auch nicht sein Blog. Eher scherzhaft fügte er voran: "Es sei denn, du blätterst 1 Mio. Euro hin". Ob Basic mit dieser Summe bei seiner Ebayauktion gerechnet hat, bleibt wohl sein eigenes Geheimnis.

Fest steht, dass er gegen 20 Uhr um mehrere zehntausend Euro reicher ist. Seine Leserschaft wird ihm bei seinen neuen Projekten RobertBasic.de und Buzzriders.com die Stange halten. Ein Blogumzug lässt einen nicht bei Null anfangen, da kann Basic noch so bescheiden sein. Ob der klaren inhaltlichen Trennung ist es sogar möglich, dass seine Anhängerschaft noch wächst. Und Robert Basic wäre nicht Robert Basic, wenn er nicht genau diese Effekte nutzen würde, um demnächst zwei Blogs zu vermarkten. Strategisch gut durchdacht und unternehmerisch gerissen.

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