Medien : Bobbys Welt

Barbara Nolte

Es ist eine wahre, anrührende Geschichte. Sie handelt von Rolf Brederlow, einem lustigen, offenen Jungen, der es trotz Down-Syndrom schafft, Schauspieler zu werden. In der Serie "Liebe und andere Katastrophen" spielte er den Sohn von Senta Berger: Bobby.

Vor ein paar Jahren ist erst der Vater von Rolf Brederlow gestorben und kurz darauf die Mutter. Das gehört auch zur wahren Geschichte. Sein Bruder wollte ihn aufnehmen. Aber die Behörden, die das Sorgerecht vergeben sollten, stellten sich quer. Denn der Bruder lebt in einer homosexuellen Beziehung. Die Behörden wollten Rolf Brederlow zur Schwester schicken, die eine " normale" Familie hat - mit Mann und Kindern. Doch der Mann der Schwester war nur auf das Geld für den Unterhalt des behinderten Schwagers aus. Die Behörden hätten Rolf Brederlow sogar in ein Heim geschickt - Hauptsache, nicht zum schwulen Bruder.

Nach einem langen Kampf kamen die beiden dann doch zusammen.

Rolf Brederlow, der Schauspieler, kennt viele Leute vom Film. Da liegt es nahe, seine Geschichte zum Filmstoff zu machen. Nico Hofmann ("Sandmann"), hat den Film produziert. Gabriela Sperl schrieb das Drehbuch. Und Veronica Ferres, die mit Rolf Brederlow seit zwölf Jahren befreundet ist, hat die Rolle der herzensguten Behörden-Mitarbeiterin übernommen. "Bobby" ist der Titel, so, wie Rolf Brederlow als Senta Bergers Filmsohn hieß und er sich auch selbst nennt. Dass der Film "Bobby" (ARD, 20Uhr15) über weite Strecken wie eine Fortsetzung der Serie erscheint, wie eine schlechtere Fortsetzung, leider, liegt nicht nur am Titel.

"Liebe und andere Katastrophen", das war gute Unterhaltung, wollte auch nicht mehr sein, mit Rollen, die Senta Berger und Friedrich von Thun auf den Leib geschrieben waren. "Bobby" dagegen trägt einen schweren Anspruch vor sich her: Der Film will aufklären - darüber, dass ein schwules Paar hierzulande immer noch mit Vorurteilen kämpfen muss. Der Film will anklagen - dass deutsche Behörden spießig und unmenschlich sind. Das ist alles nicht neu, aber dennoch verdienstvoll. Das Problem: Der Film kennt keine Zwischentöne. Die Bösen - die Beamten in der Behörde und der Schwager - sehen hässlich aus, sind dumpf und gemein. Die Guten - die Schwulen und Veronica Ferres - sind hübsch und sympathisch. Natürlich ist da noch Rolf Brederlow, der in "Bobby" wieder so lustig und lebendig spielt wie in "Liebe und andere Katastrophen".

Doch seine wahre anrührende Geschichte ist in "Bobby" zum Sozialkitsch geraten.

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