Medien : Böll und Bohlen

Günter Schröder und sein Team entwerfen die Quiz-Fragen für „Wer wird Millionär?“

Achim Graf

Ob es hierzulande jemand schafft, richtig reich zu werden, kann von vielen Umständen abhängen: Von seiner Herkunft, einer guten Geschäftsidee, vom Fleiß, vom Glück - oder von Günter Schröder. Kaum jemand kennt den 39-Jährigen, doch der Mann macht Millionäre. Ab und an wenigstens. Am vergangenen Freitag war es erstmals seit der Währungs-Umstellung soweit: Der 24-Jährige Student Gerhard Krammer räumte bei Günther Jauch als erster Kandidat die Euro-Million ab. Was Günter Schröder damit zu tun hat? Er ist der Herr der Fragen. Schröder ist Chef von „mind the company", jener Firma, die Deutschlands erfolgreichste Quizshow, „Wer wird Millionär?", mit kniffligem Material versorgt.

Er bestimmt damit nicht nur, welche der von ihm und seinen zehn Mitarbeitern entwickelten Fragen in der Show aufgerufen werden, auch wieviel Geld die korrekte Antwort jeweils wert ist, liegt in seiner Hand. „Wir stimmen das im Team ab, und ich entscheide", sagt Schröder und lacht. Eine besondere Verantwortung verspürt er dabei aber nicht. Für ihn ist und bleibt das Ganze ein Spiel.

Ein Spiel, bei dem auch Glück dazugehört. Die Schwierigkeit einer Frage hänge nämlich von vielen Faktoren ab, meint der studierte Diplom-Bibliothekar. „Wie alt ist ein Kandidat, ist er männlich oder weiblich, wo lebt er, wo macht er Urlaub?" Nicht der klassische Bildungsbürger ist gefragt, sondern die moderne Intelligenz, die Böll und Bohlen in ihr Weltbild zu integrieren weiß. So musste Gerhard Krammer für die Million nicht nur wissen, welcher berühmte Schriftsteller als diplomierter Architekt ein Freibad in Zürich erbaute (Max Frisch), auch auf wen sich der Name der Achtziger-Jahre-Popband „Frankie goes to Hollywood" bezieht (Frank Sinatra) war gefragt. Für Günter Schröder ist es kein Zufall, dass zu D-Mark-Zeiten neben einem Professor auch eine Hausfrau die Million gewonnen hat - mit Mut zum Risiko.

Neben diesem Hang zum Zocken sollte ein Kandidat möglichst versuchen, sich in den Autor der Frage hineinzuversetzen, rät der Quizprofi. „Was denkt er sich bei dieser Frage?" In der Entwicklung der drei falschen Antworten liege der eigentliche Kreativprozess. Die naheliegende Antwort ist gerade in höheren Gewinnregionen eben selten die richtige. Die Christus-Statue von Rio de Janeiro steht nun mal nicht auf dem Zuckerhut, und Sydney ist nicht die Hauptstadt von Australien. Ob die korrekten Anworten Corcovado und Canberra 32 000 oder eine halbe Million Euro wert sind, das entscheidet sich meist erst zum Schluss. „Man setzt sich nicht an den PC und sagt: Ich denke mir jetzt was für 125 000 Euro aus", so Günter Schröder. Man arbeite assoziativ, schaue fern, surfe im Internet oder habe plötzlich im Flugzeug eine Idee.

1999 hat sich Günter Schröder mit „mind the company" in Köln selbständig gemacht. Nun beliefert man als redaktioneller Dienstleister eine Reihe von TV-Formaten, von der „SKL-Show" bis zu „Einer gegen 100". Der Schwerpunkt liegt jedoch klar auf „Wer wird Millionär?", dem Aushängeschild der Firma.

Und da ist Einiges zu tun: Auf über 15 000 Fragen hat das Team bislang Antworten gesucht und gefunden.

Mindestens zwei Quellen müssen dabei unabhängig voneinander zum selben Ergebnis kommen, bevor eine Antwort als gesichert gelten kann. Jede Frage wird dann noch von einem anderen Autor geprüft. Fehler dürfen sich die Quizmacher nicht erlauben. Man stehe unter extremer öffentlicher Beobachtung, sagt Günter Schröder. Es geht um viel Geld.

Sicherheit ist daher oberstes Gebot. Die Fragen liegen mehrfach geschützt ausschließlich in den Räumen von „mind the company". Die Autoren haben sich zur Verschwiegenheit verpflichtet, Vorschläge von Zuschauern dürfen nicht berücksichtigt werden. Selbst Moderator Günter Jauch sieht die vom Computer per Zufallsprinzip ausgewählten Fragen bei der Sendungsaufzeichnung zum ersten Mal - zunächst ohne die richtigen Antworten.

Seinen besonderen Reiz zieht der Publikumsrenner „Wer wird Millionär?" nämlich vor allem aus der Interaktion zwischen Kandidat und Moderator. Während das Format in einigen Ländern bereits wieder abgesetzt wurde, startete Günther Jauch auch nach der Sommerpause wieder mit Spitzenquoten. Dessen Mischung aus Süffisanz und Charme kommt beim deutschen Publikum offensichtlich weiterhin gut an.

Auch für Quiz-Autor Schröder ist es immer wieder faszinierend zu erleben, wie die Kandidaten im Zwiegespräch „ihrem Ziel nahe kommen oder in ihr Verderben rennen." Ein wenig stolz ist er auch: Was in „Wer wird Millionär?" Erwähnung finde, werde mittlerweile dem allgemeinen Bildungskanon zugeordnet.

Und dass Günther Jauch jüngst zum klügsten Deutschen gewählt wurde, das findet Schröder lustig: „Es gibt ja noch immer Leute, die glauben, dass Jauch sich die Fragen selber ausdenkt."

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