Medien : Boomender Radiomarkt: Berlin-Brandenburg bevorzugt Privatfunk

Joachim Huber

Der Radiomarkt in Berlin und Brandenburg bleibt auch 2000 fest in der Hand der privaten Hörfunk-Anbieter (siehe nebenstehende Grafik). Nach den Zahlen der aktuellen Media-Analyse (MA) rangieren auf den ersten vier Plätzen Privatradios, ehe mit Antenne Brandenburg die erste öffentlich-rechtliche Welle auftaucht. Wollte man aus den nicht eindeutig vergleichbaren Nutzer-Tableaus der MA 1999 zur MA 2000 (zur unterschiedlichen Erhebungsmethode siehe unten) längerfristige Trends herauslesen, dann stehen bei den werbetragenden Programme drei Tendenzen fest. Erstens: Die Verschiebungen bei der jeweiligen Nachfrage zeigen einen Markt in heftiger Bewegung. Der Radiomarkt kann offensichtlich stärker bewegt werden als andere Medienmärkte wie Print oder TV. Immer mehr Hörer haben mehr als eine Lieblingsstation. Radio wird in der Region mittlerweile "gezappt".

Nimmt man zweitens den Tagessieger 94,3 r.s.2 zum Beleg, dann weisen seine 120 000 Hörer in Berlin und seine 110 000 Hörer in Brandenburg einen zusammengehörigen "Regionalmarkt" aus. Was die Länder politisch und auf anderen Feldern nicht erreicht haben, das ist beim Hörfunk erreicht: ein einig Radioland. Die schon länger anhaltende Erschließung der Mark durch eigentlich Berliner Stationen hat den früheren Marktführer, die Antenne Brandenburg des ORB, nach hinten durchgereicht, umgekehrt konnte das Brandenburger BB Radio in der Hauptstadt Fuß fassen.

Zum dritten: die absoluten Nutzerzahlen stärken das Medium Radio in der Region. Bis auf Antenne Brandenburg und Hundert,6 verzeichnen alle werbetragenden Programme deutliche bis sehr deutliche Zugewinne. Dieser Sog bringt auch vier weitere Zielgruppen-Programme in die MA 2000: 87,9 Rock Star FM, Radio Paradiso, JazzRadio und Radio Eins. Der Erfolg von Radio Eins wird ORB-Chef Hansjürgen Rosenbauer erfreuen, umgekehrt die Verluste bei Antenne Brandenburg ihn grübeln lassen. Der Erfolg von Inforadio gerade in Brandenburg dürfte Rosenbauer nachdenklich machen, denn er will beim bisher noch von SFB und ORB gemeinsam veranstalteten Programm aussteigen. In der Summe hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk - siehe Fritz oder 88 Acht - wacker geschlagen.

Im bundesdeutschen Maßstab haben die öffentlich-rechtlichen Programme ihre Spitzenposition knapp behauptet, die Privatsender konnten weiter aufholen. Nach der MA-Kategorie "Hörer gestern" erreichen alle ARD-Sender täglich 32,93 Millionen Hörer, die privaten 30,39 Millionen Hörer. Meist gehörter Sender in Deutschland ist mit 4,14 Millionen Hörern der Privatsender radio NRW. Dabei handelt es sich um einen Mantelanbieter in Nordrhein-Westfalen, unter dessen Dach 44 Lokalradios senden. Deren Hörerzahlen wurden addiert. Auf Rang zwei folgt das öffentlich-rechtliche Programm WDR 4 (2,97 Millionen). Danach kommt die Jugendwelle des WDR, Eins live, mit 2,58 Millionen Hörern. Allerdings haben die rund 180 Privatsender die Nase vorn bei den Werbung ausstrahlenden Programmen. Diese erreichen 10,45 Millionen Hörer pro Stunde, die 36 Werbung enthaltenden Radiowellen der ARD nur 8,73 Millionen.

Die ARD ihrerseits hob einen "bemerkenswerten Zuwachs" der Kultur- und Informationsprogramme hervor. Sie werden von 4,32 Millionen je Durchschnittstag genutzt. Deutschlandradio meldet für Deutschlandfunk 71 000 tägliche Hörer in Berlin und für Deutschlandradio Berlin 50 000 Hörer. Radio Kultur (ORB/SFB) kommt in der Hauptstadt täglich auf 19 000, Radio 3 (ORB/SFB/NDR) auf 24 000 Hörer.

Radio gilt laut MA 2000 als das meist genutzte Medium. Täglich schalten 81,1 Prozent der Bevölkerung ein. Im Schnitt läuft der Apparat 273 Minuten. Dabei liegen Männer vor Frauen, Ostdeutsche vor Westdeutschen. Die längste Verweildauer mit täglich 307 Minuten findet sich bei den 30- bis 39-Jährigen.

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