Medien : Boulevard Maischberger

Die n-tv-Moderatorin übernimmt die Nachfolge von Alfred Biolek

Barbara Nolte

Sie wird es also doch: Sandra Maischberger, 36, zurzeit n-tv-Moderatorin und Gewinnerin so ziemlich jedes Preises, den das deutsche Fernsehen zu vergeben hat (Hanns-Joachim-Friedrich-Preis, Deutscher Fernsehpreis), übernimmt vom Herbst kommenden Jahres an die Nachfolge von Alfred Biolek.

Das Gerücht kursierte schon lange: Das Erste plane auf seinem exponiertesten Talkshow-Platz den Generationswechsel. Doch in die Rente drängen wollte die ARD Biolek, ihren Meister des Plauderns, nun auch wieder nicht. Im August kündigte Biolek selbst seinen Rücktritt an, für den Sommer 2003. ARD-Programmchef Günter Struve sagte damals, er suche für die Nachfolge ausdrücklich eine Frau. Aus der Formulierung konnte man rauslesen, dass die ARD da schon kräftig um Sandra Maischberger warb. Welche Frau wäre sonst in Frage gekommen?

Jetzt ist der Vertrag also unterschrieben: für eine ARD-Dienstagstalkshow, wöchentlicher Rhythmus, beginnend am 2. September 2003 um 23 Uhr. „Sandra Maischberger und die ARD sind ein starkes Team“, sagte WDR-Intendant Fritz Pleitgen am Mittwoch, „weil wir beide das Gleiche wollen: Qualität.“ Und was sagt Sandra Maischberger? Einen einzigen Satz: Es sei eine reizvolle Aufgabe, „sich mit einer anspruchsvollen Talkshow im Ersten zu etablieren“.

Bis zum September müssen sich die Redakteure der Firma Pro GmbH, die die neue Talkshow produzieren wird– die übrigens auch „Boulevard Bio“ produziert und Alfred Biolek gehört –, ausdenken, wie genau die Sendung aussehen soll. Sie wird in der Tradition von „Bio“ stehen, dafür werden die Mitarbeiter hinter den Kulissen sorgen. „Ein solider Kern der Redakteure bleibt“, sagt der verantwortliche WDR-Redakteur, Klaus Michael Heinz; auch Heinz arbeitet bereits seit sieben Jahren für Biolek. Doch soll das neue Format mehr werden als ein „Boulevard Maischberger“. „Wir planen etwas Originelles“, sagt Heinz. „Sandra Maischbergers Qualitäten geben die inhaltliche Richtung vor: ihre solide Vorbereitung, ihr Charme und Esprit.“ Eine Veränderung steht jetzt schon fest. Die Sendung zieht zu ihrer Präsentatorin: nach Berlin.

In Berlin moderiert Maischberger wochentags, also auch dienstags, ihre Interview-Sendung auf n-tv. Das will sie bis Ende 2003 weiter machen. Solange läuft ihr Vertrag. n-tv- Chef Helmut Brandstätter hofft, sie noch länger zu halten. „Im Mai kommenden Jahres werden wir über eine Verlängerung verhandeln“, sagt er. Maischberger ist eine der wenigen Trümpfe von n-tv. Seine aktuelle Berichterstattung muss der Sender stark einschränken: Gebeutelt von der Werbeflaute, müssen 130 Mitarbeiter gehen. Den Exklusiv-Vertrag für Sandra Maischberger musste n-tv bereits diesen Herbst aufgeben. Im Wahlkampf moderierte sie schon für RTL, bald also für die ARD. Brandstätter sieht das positiv: „Über die ARD-Sendung bekommt Sandra Maischberger eine hohe Präsenz“, sagt er, „trotzdem ist und bleibt sie ein n-tv-Gesicht. Das wird sich quotenmäßig gut für uns auswirken.“ Und dann fügt Brandstätter noch hinzu, dass er „guten Mutes“ den Vertragsverhandlungen mit seinem Star entgegen sehe.

Doch er hat einen großen Konkurrenten: die ARD. Weitere Projekte mit Maischberger, heißt es dort, seien schon „in der Diskussion“.

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