Medien : „Brauchte Zeit, meine Rolle zu mögen“

Moderatorin Bettina Böttinger über den „Kölner Treff“, Talkshow-Tourismus und Eva Herman

Markus Ehrenberg

Frau Böttinger, gibt es so etwas wie die ideale Talkshow-Frage?

Keine Ahnung. Es gibt jedenfalls nichts Schlimmeres als Fragen gestellt zu bekommen, bei denen man merkt, dass sie dem Fragenden eigentlich egal sind. Das hat was von Demütigung.

Apropos, wochenlang wurde über die Nachfolge von „Sabine Christiansen“ diskutiert – Sie wurden nicht gefragt.

Ich nehme Ihren Hinweis als Kompliment. Er kommt ja nicht von ungefähr. Ich habe auch immer gern politische Interviews geführt. Glücklicherweise sagt man mir nach, beides zu können: eine gute Unterhalterin zu sein und hart nachzufragen. Im Übrigen wollte ich mich nie auf die Rolle der Moderatorin beschränken. Mit meiner Firma Encanto produziere ich neben dem „Kölner Treff“ zum Beispiel diverse Doku-Formate.

Das klingt ein bisschen nach Ausflucht. Vielleicht ist Bettina Böttinger, die manchmal Unbequeme, die seriöse Moderatorin, die beim „Kölner Treff“ beweist, dass sie gut unterhalten kann, für die große Chance im Ersten nicht vernetzt genug.

Ich würde es so formulieren: Ich bin in all den Jahren mit meinem Haussender, dem WDR, gut klargekommen, auch wenn ich nicht immer verwöhnt worden bin. Meinen Status habe ich mir erarbeitet, manchmal auch gegen Widerstände. Kurz: Ich fühle mich beim „Kölner Treff“ sehr wohl. Darüber hinaus mache ich neuerdings noch die Kulturgesprächsrunde „west.art am sonntag“ im WDR-Fernsehen. Und es ist auch nicht so, dass ich sonntags nicht mal gerne frei hätte und in meinem Haus in der Eifel wäre.

Wenn aber Frank Plasberg bald mit „Hart aber fair“ ins Erste geht, wird am Mittwoch im Dritten in der Primetime noch ein guter Platz für ein Polit-Format frei.

Ich muss ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich in diese Richtung auch schon nachgedacht habe, vor allem, als es anfangs im „Kölner Treff“ nicht so lief. Das hat sich jetzt zum Glück geändert. Aber klar, natürlich würde mich ein politisches Format noch mal reizen.

Eigentlich müssten Sie sowieso schon Zulage vom WDR erhalten.

Wieso?

Bei der Talkshow-Flut im Dritten am Freitagabend kommt der „Kölner Treff“ als einzige Sendung jede Woche, mit nur einer Moderatorin für fünf Gäste.

Tatsächlich erfordert das mehr Vorbereitung. Aber Sie werden lachen: Die Kunst ist es, in der Sendung die Karteikarten Karteikarten sein zu lassen, damit das Gespräch mit den Gästen lebendig bleibt. Auf die Gefahr hin, dass man auch mal eine kluge Frage vergisst.

Lässt Sie die neue WDR-Intendantin Monika Piel öfters vor den Bildschirm?

Die Intendantin ist nicht die Fernsehdirektorin – die heißt Verena Kulenkampff. Die Zeichen im WDR stehen insgesamt auf Neuanfang.

Der „Kölner Treff“ läuft sehr gut...

…nach anfänglichen Schwierigkeiten, ja. Wir erreichen mittlerweile bis zu neun Prozent Marktanteil. Die Marke „Kölner Treff“ gibt es seit über 20 Jahren, damals noch mit Alfred Biolek. Nach dem Relaunch im März 2006 war plötzlich alles anders. Das Konzept sollte sein: zwei Moderatoren, ein Sofa, große Industriehalle, eine schnelle Talkshow, jeweils ein Gast, Interview rauf aufs Sofa, runter vom Sofa : und ich hatte das Gefühl, dass ich durch die Talks galoppiere.

Vielleicht moderieren Sie lieber alleine, wie bei „B. trifft…“

Das war es nicht. Ich wollte nach den Jahren mit „B. trifft…“ gerne mal was zu zweit machen. Mein Co-Moderator Achim Winter verließ den „Kölner Treff“ im letzten Sommer aus freien Stücken. Dann wurde glücklicherweise das Konzept geändert. Ich bin die alleinige Gastgeberin, für die Gespräche ist mehr Zeit angesetzt, und das Ganze wird live gesendet. Das Ergebnis: Die Zuschauer stehen vor dem Studio Schlange.

Und haben vorm Fernseher freitag- abends die Qual der Wahl. Am Freitag läuft neben dem „Kölner Treff“ parallel die „NDR Talk Show“, das „Nachtcafé im SWR mit Wieland Backes…

…und im MDR „Unter uns“ .

Da hat man als Talkshow-Gucker öfters ein Déjà-vu: Werden die Promis von Show zu Show weitergereicht? Wie schaffen Sie es jedes Mal eine überraschende Runde hinzubekommen?

Ich bin da immer noch sehr aufklärerisch unterwegs. Ich glaube, dass man Leute dazu bringen kann, Menschen nur wegen ihrer Geschichte zuzuhören, wie neulich Elke Görsch, die sich mit über 60 für die Kampagne „Pro Age“ ausgezogen hat. Ich denke, das ist eine Spezialität des „Kölner Treff“: einen Gast pro Sendung zu haben, der nicht prominent ist, aber eine gute Geschichte hat. Den zu finden, ist schwieriger als alles andere. Ansonsten sind wir angewiesen auf Prominente – und da telefoniert man mit den anderen Redaktionen. Außer vielleicht mit „Herman & Tietjen“, nachdem ich mich mit Eva Herman über ihr Buch gefetzt habe. Seitdem spricht sie nicht mehr mit mir.

Dennoch, der „Kölner Treff“ ist nicht unbedingt typisch Böttinger. Sie waren bekannt dafür, intensive, ernste Einzelgespräche zu führen. Funktioniert Talkshow nur noch als Schmusekurs?

Ich brauchte jedenfalls etwas Zeit, meine neue Rolle in der Runde zu mögen. Und zu erkennen, dass eine gute Talkshow nicht nur mit guten Fragen und hochkarätigen Gästen zu tun hat. Wichtig ist auch die Gesamtatmosphäre, wichtig ist, wie die Sendung gebaut ist.

Deutschlands Talker sind selbst hochkarätige TV-Stars, nicht nur in den Dritten. Wie ist das Verhältnis unter den Kollegen?

Respektvoll, würde ich sagen. Ich schätze Maybrit Illner sehr. Wen noch? Den Kollegen Kerner, allerdings nicht die „Kernerisierung“ des ZDF. Und Wieland Backes im SWR, der als Journalist unaufgeregt mit seinen Gästen umgeht.

Sie machen seit 14 Jahren Talk, waren öfters für den Grimmepreis nominiert…

…habe ihn aber nie bekommen. Kein einziger Preis in all den Jahren. Es geht aber auch so. Ich mache meine Arbeit und habe mir in der Zeit als Moderatorin einen sehr guten Ruf erarbeitet. Mir ist wichtig, dass meine Gäste aus der Show rausgehen und denken, da ist etwas passiert, das war überraschend, da war eine Gastgeberin, die gefordert hat. (überlegt) Und was die Preise betrifft, vielleicht muss man einfach mal mit diesem oder jenem wichtigen Menschen essen gehen.

Das Gespräch führte

Markus Ehrenberg

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