Medien : „Breitband ausbauen“

Merkel will mehr Geld in schnelles Internet investieren

Kurt Sagatz

Multimedia- und Internet-Nächte haben im Ludwig-Erhard-Haus der CDU in Berlin schon seit langem Tradition, am Dienstag aber hat die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sich direkt an den dahinter stehenden Wirtschaftszweig gewandt. „Wir brauchen ein stärkeres Investment in die Medien- und IT-Branche“, sagte die künftige CDU-Kanzlerkandidatin gestern zur Eröffnung des Deutschen Multimedia Kongresses 2005 (DMMK) in Berlin. „Die Bundesregierung wird ihr Ziel, bis Ende des Jahres 75 Prozent der Deutschen ans Internet zu bringen, nicht erreichen. Wir haben also noch ausreichend Potenzial.“ Einer der Hauptpunkte nach einer gewonnenen Bundestagswahl könnte nach Merkels Worten im zügigen Ausbau der Internet-Breitbandverbindungen liegen, sagte sie zu den politischen Rahmenbedingungen in diesem Bereich. „In den neuen Bundesländern reicht diese Technik längst nicht bis zu jedem Haushalt. Breitband wird zudem nicht nur in den Ballungszentren benötigt, sondern genauso zur Entwicklung des ländlichen Raums“, sagte Merkel, „vor allem, weil gerade dort die Infrastruktur in anderen Bereichen immer weiter abgebaut wird“.

In der Multimedia-Branche wird diese Einschätzung durchaus geteilt. Arndt Groth, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), sprach sich wie Merkel für den Abbau bürokratischer Hemmnisse aus. „Derzeit sieht sich die Multimedia-Branche einer regelrechten Regulierungswut ausgesetzt, zum Beispiel durch das Anti-Diskriminierungsgesetz, den Datenschutz oder das Urheberrecht“, sagte er am Rande der Veranstaltung dem Tagesspiegel. Auch sehe sich die Branche gegenüber Wettbewerbern in den USA und Asien durch eine zu geringe Förderung der Technologie sowie der Forschung benachteiligt. Dabei befänden sich die Unternehmen inzwischen in einer stabilen Aufwärtsphase, die es auszubauen gelte. Inzwischen arbeiten über eine Million Menschen in der Medien- und IT-Branche, sagte Groth, der es als eine der wichtigsten Herausforderungen ansieht, die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich zu verbessern. Das Wachstum kommt unter anderem dadurch zustande, dass viele Unternehmen der Bereiche Auto, Reise und Finanzen nach Jahren der Zurückhaltung wieder mehr Geld in Internet-Engagements investierten.

Doch nicht nur die Rahmenbedingungen sollten sich nach Ansicht der Multimedia-Firmen verbessern, auch bei den eigenen Ansätzen müsse weitergearbeitet werden. Dazu gehöre, vor allem auch die – ältere – Generation der sogenannten „Silver Surfer“ besser über das Internet anzusprechen. „Diese Generation hat die nötige Zeit für das Internet und ist zudem zahlungskräftig“, sagte Roth. Auf dem Multimedia-Kongress wird unter anderem darüber beraten, wie man die Internet-Auftritte durch eine bessere Navigation speziell für diese Zielgruppe verbessern kann. Aber auch das Thema Vertrauen spielt eine große Rolle. So könnten geprüfte und zertifizierte Internet-Shops der Verunsicherung der Nutzer entgegenwirken.

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