Medien : Bremen überholt Berlin

Fast 70 Prozent der Deutschen sind online Besonders die Generation 60 plus holt kräftig auf

Kurt Sagatz
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„Sind Sie ,drin‘, nicht ,drin‘ oder wollen Sie sich in den nächsten zwölf Monaten einen Internetanschluss zulegen?“ Zum neunten Mal wurde den Deutschen diese Frage gestellt, und man darf sich fragen, welche Antwort interessanter ist: dass inzwischen fast 70 Prozent der Deutschen – also rund 46 Millionen Bundesbürger – zumindest gelegentlich ins Internet gehen, was einem Zuwachs um vier Prozentpunkte gegenüber 2008 entspricht. Oder dass fast jeder vierte Befragte noch immer kein Interesse am World Wide Web hat, weil er darin keine relevante Bereicherung seines Lebens erkennen kann, wie es im „(N)Onliner Atlas 2009“ steht, der am Dienstag in Berlin von der Wirtschaftsvereinigung D21 zusammen mit den Marktforschern von TNS Infratest vorgestellt wurde. Oder deutet der Umstand, dass in diesem Jahr weniger Menschen den Gang ins Netz planen, auf erste Sättigungstendenzen hin? Nein, sagt TNS-Infratest-Geschäftsführer Robert Wieland, „die Dynamik hält unvermindert an, vor allem die bislang unterrepräsentierten Gruppen holen auf“.

Kräftig zugelegt im regionalen Vergleich hat jedenfalls Bremen. Im Stadtstaat an der Weser verfügen inzwischen 74,2 Prozent der Menschen über einen Internetzugang. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch um 8,1 Prozentpunkte niedriger. Mit diesem Wachstum haben sich die Bremer vom siebten auf den ersten Platz katapultiert und zogen dabei sogar an Berlin vorbei (73,3 Prozent, plus drei Prozentpunkte). Der digitale Graben verläuft indes nach wie vor zwischen Ost und West. Die neuen Schlusslichter heißen Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hofft aber auch dort auf erhebliche Verbesserungen bis zum nächsten (N)Onliner Atlas. 100 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II seien für Investitionen in den Ausbau der Breitband-Infrastruktur vorgesehen, sagte der Staatssekretär. Der wichtigste Wachstumsmotor für das schnelle Internet heißt nach wie vor DSL, aber auch die Kabelnetze spielen inzwischen eine wichtigere Rolle. Eine bessere Infrastruktur ist jedoch nur ein Mittel, die Internetnutzung voranzubringen. Ein anderes sind gezielte Fördermaßnahmen, um die Kompetenz der Internetnutzer zu verbessern, sagte Pfaffenbach mit Verweis auf die gerade gestartete Initiative „Internet erfahren“.

Die stärksten Veränderungen in der Internetnutzung wurden dort sichtbar, wo das Web bislang eine geringere Rolle spielte: Vor allem die Generation 60 plus holte kräftig auf. In dieser Gruppe legte die Internetquote insgesamt von 41,6 auf 48,5 Prozent zu, allerdings mit deutlichen Abstrichen bei Menschen mit formal einfacherer Bildung und geringem Haushaltseinkommen. Von den über 70-Jährigen nutzt nicht einmal jeder fünfte das Netz.

Einen Einfluss der aktuellen Wirtschaftskrise auf die Internetnutzung sieht Infratest-Chef Wieland nicht. Dieses Kriterium wurde zwar nicht ausdrücklich abgefragt, vieles spreche jedoch dafür, dass Techniken wie zum Beispiel Videokonferenzen in der Krise eher stärker eingesetzt würden. Unübersehbar ist hingegen der Faktor Job. Von den Berufstätigen sind 83 Prozent im Netz, bei den Menschen ohne Arbeit nur 53 Prozent. Männer (76,1 Prozent) sind weiterhin stärker online als Frauen (62,4), daran hat sich auch 2009 nichts geändert. Die Differenz zwischen den Geschlechtern liegt seit der ersten Studie von 2001 nahezu unverändert bei nun 13,7 Prozent. Kurt Sagatz

www.nonliner-atlas.de

www.internet-erfahren.de

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