BRENDER-NACHFOLGE : Die Lerchenberg-Rolle

Peter Frey soll ZDF-Chefredakteur werden, Bettina Schausten das Hauptstadtstudio leiten.

Joachim Huber

Am 27. November ist ZDF-Intendant Markus Schächter gescheitert. Da hat er Nikolaus Brender für eine weitere Amtszeit als Chefredakteur des Mainzer Fernsehsenders vorgeschlagen, das hat die Unionsmehrheit im ZDF-Verwaltungsrat um Hessens Ministerpräsident Roland Koch abgelehnt. Noch vor dem Jahreswechsel will Schächter dem Gremium einen Nachfolger für Brender vorschlagen, dessen Vertrag am 31. März 2010 endet. Die Querelen um den ZDF-Chefredakteur und die laute öffentliche Kritik daran bringen das dahinter liegende System bei der Besetzung von Spitzenpositionen in der öffentlich-rechtlichen Anstalt nicht ins Wanken. Also wird Schächter einen Vorschlag machen, den er mit den Sozialdemokraten abgestimmt hat. Der SPD steht nach der inoffiziellen, gleichwohl gültigen Links-Rechts-Lehre der Chefredakteursposten zu. Markus Schächter weiß das, respektiert das und will nach Informationen aus dem Sender wie der SPD Peter Frey vorschlagen. Der Journalist leitet seit 2001 das ZDF-Hauptstadtstudio. Obwohl Frey die Ablösung Brenders durch das Unionslager deutlich kritisiert hat, wird das seine Wahlchancen keineswegs schwächen. Anderenfalls würden die Konservativen den Systempartner SPD und den ZDF-Chef düpieren. Scheitert Schächter zwei Mal, ist er ein gescheiterter Intendant.

Freys Wahl wäre Teil eines größeren Personal-Deals. Für ihn würde Bettina Schausten an die Spitze des ZDF-Hauptstadtstudios rücken, die Journalistin leitet seit 2003 die Hauptredaktion „Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik“, moderiert unter anderem Wahlsendungen und das „ZDF-Politbarometer“.

Peter Frey, ist zu hören, tut sich schwer mit seiner Entscheidung, ob er von Berlin nach Mainz wechseln will. Das hat private Gründe, das hat wesentlich auch damit zu tun, dass der Job im Hauptstadtstudio viel mit dem Machen von Journalismus, der Job eines ZDF-Chefredakteurs viel mit dem Managen von Journalismus gemein hat. Kommt umgekehrt Bettina Schausten von Mainz nach Berlin, trifft sie auf alte Bekannte. Schausten war von 1997 bis 1999 Leiterin und Moderatorin des „Morgenmagazins“. Über die Zukunft von Nikolaus Brender ist bislang nichts bekannt geworden.

Am Freitag kündigte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) an, dass die SPD-geführten Länder das ZDF mit einer Reform der Gremien unabhängiger vom Staat machen wollen. Dazu werde er der Rundfunkkommission eine Änderung des ZDF-Staatsvertrages vorschlagen. So sollten die Regeln für die Ernennung des Chefredakteurs geändert werden. Der Posten wird derzeit vom Intendanten mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit im Verwaltungsrat besetzt.     Laut Beck soll das Gremium die Ernennung des Chefredakteurs künftig nur mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit ablehnen können. Wäre diese Regel bereits bei Brender angewendet worden, wäre er im Amt geblieben.

Roland Koch erwiderte über seinen Sprecher: „Selbstverständlich hat Ministerpräsident Beck die Möglichkeit, seine Vorschläge der Rundfunkkommission der Länder, der er selbst vorsteht, vorzulegen.“ Bislang seien die Vorschläge allerdings „eine doch sehr vordergründig auf tagespolitische Wirkung angelegte Reaktion“, erklärte der hessische Regierungssprecher Dirk Metz. Joachim Huber

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