Medien : Brieffreundschaft

„Welt“-Chef Weimer wehrt sich gegen Vorwürfe der „FAZ“

Ulrike Simon

Wolfram Weimer hat ein Problem. Der Chefredakteur der „Welt“ fühlt sich der Aufschneiderei bezichtigt. Der Vorwurf: Er soll das Gerücht in Umlauf gebracht haben, er habe bei der „FAZ“ einen Termin, weil sie ihn als Chefredakteur engagieren wolle. Vielleicht aus Eitelkeit, um seinen Marktwert zu demonstrieren, vielleicht um seine Position bei Springer zu festigen. Schon seit einiger Zeit soll es Spannungen zwischen Weimer und seinem Chef Mathias Döpfner geben. Zum Beispiel, weil sich Weimer einmal für Wahlempfehlungen, in seinem Fall für die FDP, aussprach. Oder weil Weimer einmal sagte, nach einem Regierungswechsel gebe es auch bei Zeitungen immer einen Wechsel beim politischen Fachpersonal. Weimers Personalführung soll nicht immer auf Döpfners Zustimmung stoßen.

Was dann am Montag der „Platow Brief“ meldete, wirkte unglaublich. Die „FAZ“ soll ihr Herausgebergremium absetzen und einen Chefredakteur installieren; Weimer würde zum 1. Januar 2003 antreten; und die „FAZ-Sonntagszeitung“ solle eingestellt und im Verbund mit der „Welt am Sonntag“ fortgesetzt werden. In Zeiten, in denen alle möglichen Verlage bei anderen einsteigen wollen und gleichzeitig potenzielle Übernahmekandidaten sind, erscheint vieles möglich. Kein Wunder, dass bei der „FAZ“ Unruhe aufkommt, wenn im „Manager Magazin“ steht: „Richtig ist, dass der Sanierer (Wolfgang Bernhardt, d. Red.) aus der FAZ-Gruppe ein richtiges Unternehmen machen will, mit Führungs- und Steuerungssystemen (…), zum Beispiel einem Chefredakteur. (…) Auch das Herausgeberstatut könnte fallen.“

Hat nun gar nicht Weimer, sondern ein „FAZ“-Herausgeber das „Platow“-Gerücht aufgebracht, um den Aufsichtsrat zu genau dem zu bringen, was er am Montag tat, nämlich klarzustellen: „Das Herausgeberstatut und die ,FAS’ stehen nicht zur Diskussion“?

Weimer ist unter Druck geraten. Am Montag schrieb Bernhardt an Weimer: „Nach der heutigen Nachricht des ,Platow Brief’, dessen Hintergründe und Quellen ich nur vermuten kann, halte ich es für angezeigt, den Termin (…) abzusagen, um allen unsinnigen Spekulationen den Boden zu entziehen.“ Am Dienstag schrieb Weimer zurück: „Die aus der .FAZ’ kolportierte Darstellung, ich hätte den ,Platow Brief’ mit perfiden Berichten aus Ihrem Haus gefüttert, ist absurd und rufschädigend. (…) Die Entmachtungsphantasien einiger Herausgeber und ihre Furcht vor Sanierern entlarven sich selbst. (…) Wie schwierig Ihre Aufgabe in Frankfurt wird, kann ich erst jetzt richtig ermessen“. Der Brief endet „Mit gedämpft freundlichen Grüßen“. Springer sah sich nicht zu einem Bekenntnis zu Chefredakteur Weimer veranlasst. Glücklich über diese rege Korrespondenz ist man jedenfalls nicht.

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