Medien : Brücke für Premiere

ARD und ZDF wollen interaktives Digitalfernsehen um jeden Preis

Kurt Sagatz

E-Mails auf dem TV-Bildschirm oder die Teilnahme an Quizshows per Fernbedienung – das alles soll das interaktive Digitalfernsehen dem Zuschauer bieten, lautet eine der vollmundigen Versprechungen auf der diesjährigen Funkausstellung. Vor allem ARD und ZDF versuchen, dem vor zwei Jahren mit der „Mainzer Erklärung“ festgeschriebenen Standard MHP (Multimedia Home Plattform) zum Durchbruch zu verhelfen. WDR-Intendant Fritz Pleitgen kann sich sogar Steuersenkungen oder Subventionen vorstellen, um dem mit Abstand wichtigsten Digitalfernseh-Anbieter, dem Abo-Fernsehen Premiere, die Umstellung der vorhandenen d-Boxen auf den neuen Standard schmackhaft zu machen. „Solche Hilfen könnten genau wie bei DVB-T in Berlin mit der Auflage zur Einführung der neuen Technik verbunden werden“, erläuterte Pleitgen am Montag während einer Ifa-Veranstaltung. Die dabei anklingende Großzügigkeit kommt nicht von ungefähr: Für das interaktive Fernsehen wird ein entsprechender Dekoder benötigt. Würde Premiere seine d-Boxen umstellen, nähme die Zahl der potenziellen MHP-Nutzer auf einen Schlag um 2,8 Millionen zu.

Georg Kofler, Geschäftsführer von Premiere, sieht allerdings große Schwierigkeiten: „Das technische Risiko dafür ist zu hoch.“ Im schlimmsten Fall läuft danach weder das interaktive Fernsehen noch das Pay-TV-Programm. Für den Premiere-Chef gibt es noch einen anderen Grund für sein hartnäckiges Nein: Der Sender stellt derzeit sein Verschlüsselungssystem um, um das Problem der Schwarzseher in den Griff zu bekommen. ZDF-Chef Markus Schächter ließ die technischen Probleme nicht gelten. Die Einführung sei vor allem eine Frage des Wollens. Jürgen Doetz, Vorstand von ProSiebenSat 1 Media, hielt dem entgegen, dass die privaten Programmbetreiber nicht über die gleichen finanziellen Mittel verfügten wie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Man werde prüfen, ob die Sat-1-Testläufe mit MHP während der Ifa in den Regelbetrieb gehen könnten. In jedem Fall seien verbindlichere Abmachungen nötig. „Die Mainzer Erklärung braucht eine Neuauflage“, so Doetz.

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