Medien : Bündelt G+J Titel in Hamburg?

Wirtschaftsmagazine sollen offenbar umziehen

Sonja Pohlmann D
Schweinsberg
Klaus Schweinsberg. -Foto: promo

Als Klaus Schweinsberg am Dienstag auf die Bühne trat, um den zweiten Tag des Kongresses des Verbandes der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) zu moderieren, bestätigte er die Nachricht, die beim VDZ-Empfang am Abend zuvor die Runde gemacht hatte: Ab Februar wird er seine Ämter als „Capital“-Chefredakteur und Herausgeber von „Impulse“ aufgeben und den Verlag Gruner + Jahr (G+J) verlassen. Nach elf Jahren bei G+J wolle er sich als Journalist neuen Aufgaben widmen, begründete Schweinsberg seine Entscheidung. Wohin er geht, verriet er nicht. Seine Entscheidung sei allerdings schon vor Wochen gefallen und habe nichts mit einer möglichen Neustrukturierung der G+J-Wirtschaftspresse zu tun.

So will G+J offenbar seine vier Wirtschaftstitel in einer Zentralredaktion am Standort in Hamburg bündeln, heißt es aus Branchenkreisen. Zurzeit werden die Titel noch an drei Orten produziert: „Ca pital“ und „Impulse“ in Köln, „Börse Online“ in München und die „Financial Times Deutschland“ (FTD) in Hamburg. Bereits Ende 2003 hatte der Verlag überlegt, den Standort in Köln aufzugeben. Damals entschied man sich aus Kostengründen, beispielsweise wegen niedrigerer Mietpreise in Köln, dagegen. Doch angesichts der Wirtschaftskrise, in der Zeitungen und Magazine sinkende Anzeigenerlöse verzeichnen müssen, scheint der Verlag seine alten Pläne nun umsetzen zu wollen.

Von einer solchen Neustrukturierung und Bündelung der Titel in Hamburg dürfte sich Gruner + Jahr Synergieeffekte versprechen. Würden beispielsweise die Finanzredaktionen der einzelnen Magazine unter einem Dach arbeiten, könnten Nachrichtenagenturen wie der Wirtschaftsdienst Reuters gemeinsam genutzt werden, anstatt diese jeweils für die einzelnen Titel bezahlen zu müssen, heißt es aus dem Verlag. Ein Großteil der 66 Stellen könnte durch einen Umzug von „Capital“ und „Impulse“ wegfallen, berichtete der „Kontakter“ am Montag. Das wollte ein Verlagssprecher am Dienstag jedoch ebenso wenig bestätigen wie die Bündelung der vier Titel in Hamburg.

Dass Gruner + Jahr die Kosten reduzieren will, steht allerdings fest. Kürzlich hatte Vorstandschef Bernd Kundrun angekündigt, das Portfolio des Verlags bereinigen zu wollen. Die seit ihrer Gründung defizitäre „FTD“ musste bereits ihren Umfang reduzieren und wird etwa zehn Stellen einsparen. Auf dem VDZ-Kongress hatte Schweinsberg, dessen Nachfolger noch nicht feststeht, gesagt: „Die Wirtschaftskrise wird langsam zur Medienkrise.“ Sonja Pohlmann

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