"Bürger für eine reklamefreie Stadt“ : Dänen sagen "Werbung, nein Danke!“

Eine ganze Stadt ohne Reklame: In Kopenhagen ist ein Aktionsbündnis aktiv, dass sich gegen Werbung an jeder Ecke verwehrt. aus Protest haben sie 250 Werbeplakate mit Riesen-Aufkleber überklebt.

André Anwar

In Kopenhagen haben Mitglieder des Anti-Reklamebündnisses „Bürger für eine reklamefreie Stadt“ in einer Nacht- und Nebelaktion 250 Werbeplakate in der Innenstadt mit überdimensionalen Aufklebern überklebt. „Ingen reklamer tak“ (bitte keine Reklame) steht auf den Selbstklebern, darunter ist ein Briefkastenschlitz gezeichnet, ähnlich wie bei den Briefkastenaufklebern im deutlich kleineren Format. Der Organisation ist die inflationäre Ausbreitung von Werbung in Kopenhagen ein Dorn im Auge. Die Bürger der dänischen Hauptstadt hätten etwa bei einem gewöhnlichen Spaziergang einfach keine Möglichkeit, der Außenwerbung zu entkommen, so das Bündnis.

„Daheim kann man bezüglich Briefkastenreklame ‚Werbung, nein danke!’ sagen – indem man einen Aufkleber mit diesen Worten an den Briefkasten klebt. Um an dieses Recht zu erinnern, haben wir überall in der Stadt ähnliche Aufkleber an Werbeplakate geklebt“, erklärt Erik vom Aktionsbündnis, der anonym bleiben möchte. In Dänemark sind für die Beschädigung von Außenwerbung gehörige Geldstrafen fällig.

Ohne die Bürger nach ihrer Meinung zu fragen, hätte die Stadtverwaltung einfach Außenflächen in der Stadt an Werbekunden verkauft. Für fünf Jahre. 43 Millionen Kronen (rund 5,8 Millionen Euro) spülte das in die Kassen der Stadt.

Das dänische Aktionsbündnis hält seine Aktionen nicht für kriminell, sie seien lediglich leichter ziviler Ungehorsam. Ohne diesen könne man schließlich nicht wirksam auf das Problem aufmerksam machen. Die Kommune Kopenhagen solle sich ein Beispiel an der brasilianischen Großstadt São Paulo nehmen. Dort habe der Bürgermeister Außenreklame teilweise schon verboten, so Erik.

Die Werbebranche verurteilt die Aktion des Bündnisses: Es sei ein wesentlicher Bestandteil des freien Marktes, dass Unternehmen bei der herrschenden Konkurrenzsituation über ihre Produkte informieren könnten. Auch neuere Anbieter hätten gegenüber den etablierten keine Chance, wenn sie Verbraucher nicht einmal über ihre Existenz unterrichten könnten.

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