"Bulle von Tölz" : Schauspielerin Ruth Drexel ist tot

Vor der Kamera war sie die Mutter des "Bullen von Tölz" und Ermittlerin "Agathe", auf der Bühne spielte sie "Mutter Courage" und inszenierte selbst erfolgreich Stücke. Jetzt ist Ruth Drexel tot - und Sat.1 will die Serie aufgeben.

Sonja Pohlmann
Ruth Drexel im Alter von 78 gestorben
Starkes Team. Ruth Drexel und Ottfried Fischer feierten Erfolge mit der "Bulle von Tölz".Foto: ddp

Mit strengem Blick achtete sie stets darauf, was ihr Sohn, der dicke Benno und „Bulle von Tölz“, so trieb. In ihrer Rolle als resolute Pensionswirtin Resi Berghammer hat Ruth Drexel die gleichnamige Sat-1-Serie an der Seite des „Bullen“ Ottfried Fischer mitgeprägt – wie sehr zeigte sich 2007, als Ruth Drexel wegen Krankheit eine längere Pause einlegen musste und die Einschaltquote prompt zurückging. Nun wird die Sat-1-Serie vermutlich ganz abgesetzt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Ruth Drexel bereits am vergangenen Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Der „Bulle von Tölz“ sei ohne Ruth Drexel nur schwer vorstellbar, sagte eine Sprecherin.

Die Serie war nur einer der vielen Erfolge, die Ruth Drexel feierte. Sie spielte die Ermittlerin Agathe Heiland in „Agathe kann’s nicht lassen“, trat im „Tatort“, in „Der Alte“ und in „Monaco Franze“ auf.

Dass Ruth Drexel, geboren 1930 in Vilshofen bei Passau, überhaupt Schauspielerin wurde, ist ihrem Trotz zu verdanken. Kurz nach dem Krieg hatte ihre Mutter, allein mit drei Kindern, keinen Sinn darin gesehen, ihr ein langes Studium zu bezahlen. Ruth Drexel war beleidigt und beschloss, nach ihrer Banklehre etwas zu machen, was alle ärgert. Sie fuhr nach München zur renommierten Schauspielschule Otto Falckenberg, sprach vor – und wurde von der Stelle weg genommen.

Zunächst reüssierte sie auf der Bühne, spielte mit im von Bertolt Brecht gegründeten Berliner Ensemble, dem sie als junge Schauspielerin bei Proben an den Münchner Kammerspielen begegnet war. Seine Stücke reizten sie, 1982 wurde Ruth Drexel beispielsweise als "Mutter Courage" in einer Inszenierung am Münchner Residenztheater gefeiert. Kritiker lobten ihre Resolutheit, "bayerisches Urweib" wurde sie auch genannt.  

Mit 23 Jahren war sie von den Münchner Kammerspielen engagiert worden und blieb hier 18 Jahre. Nach weiteren Engagements, unter anderem in Stuttgart und Düsseldorf, wechselte sie 1981 die Seite: Als erste Frau inszenierte sie am Bayerischen Staatsschauspiel und suchte sich dafür  Nestroys "Talisman" aus. 

1988 übernahm Ruth Drexel dann als Intendantin und Geschäftsführerin das Münchner Volkstheater, wo auch ihr langjähriger Lebensgefährte Hans Brenner (1938 - 1998) zu sehen war. Obwohl das fünf Jahre zuvor gegründete Theater vergleichsweise niedrige Subventionen erhielt, gelang es Ruth Drexel, das Haus im Münchner Kulturleben zu etablieren. "Ihr Volkstheater war durchaus dem Volke nah, aber niemals volkstümelnd", lobte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Bis 2002 blieb Ruth Drexel mit kurzer Unterbrechung an der Spitze des Hauses. Vielfach wurde sie für ihre Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis und 2004 mit dem Deutschen Fernsehpreis für ihre Rolle als Resi.

Dass ihr manche Kritiker das Engagement in den "Niederungen" der TV-Serien übel nahmen, dafür hatte sie kein Verständnis: "Die Einteilung in E und U, in Ernstes und Unterhaltendes, dazu das Gegeneinander-Ausspielen von Theater und Fernsehen ist unsinnig, zerstörerisch. Shakespeare hat auch für alle geschrieben", sagte sie einmal. Ruth Drexel hat für alle gespielt.   



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