Medien : Bundesliga-Berichterstattung: Über den Kampf zum Spiel

Herr Oppers[in acht Tagen startet die Fußba]

Der Ton wird schärfer, die Aufgeregtheiten nehmen zu: Wie wird die ARD über die Fußball-Bundesliga berichten, die am 28. Juli in ihre neue Saison startet? Vor allem um zwei Fragen wird gestritten. Die ARD möchte von der Sportrechteagentur ISPR der Kirch-Gruppe, die die TV-Rechte besitzt, eingeräumt bekommen, dass die "Tagesschau" am Samstag um 20 Uhr in Ausschnitten berichten kann. Ebenfalls ungeklärt ist der Punkt, in welchem Umfang der ARD-Hörfunk in der Radiokonferenz die Samstags-Partien live reportieren darf. Fast schon nebensächlich scheint da die Forderung der Kameraleute von PlazaMedia nach mehr Honorar. PlazaMedia liefert die Bilder für die Fußballsendungen der Kirch-Sender.

Herr Oppers, in acht Tagen startet die Fußball-Bundesliga. Wie will die ARD in Radio, Fernsehen und Internet darüber berichten?

Wie es das Publikum von uns erwartet und gewohnt ist, spannend und umfangreich! Im Radio freuen wir uns auf die Kult-Schaltkonferenz, jetzt mit sieben Spielen. Im Fernsehen wird die "Tagesschau" ab 20 Uhr über das wichtigste Spiel des Tages berichten. Das Internet liefert programmbegleitende Informationen.

Welche Priorität steckt in dieser Wunschliste, worauf kann die ARD auf keinen Fall verzichten, wo sehen Sie Spielraum?

Was heißt hier Wunschliste? Dieses Angebot sind wir unserem Publikum schuldig! Völlig unakzeptabel ist eine Verschlechterung der Berichterstattung in der Hauptnachrichtensendung des deutschen Fernsehens. Das Wichtigste vom Tage gehört in die "Tagesschau", also auch das Top-Spiel der Bundesliga. Wenn Hertha gegen München spielt, kann sich die Tagesschau nicht verbieten lassen, darüber zu berichten.

Der Senderverbund droht der Kirch-Gruppe als Rechteinhaber mit der verfassungsrechtlich garantierten Kurzberichterstattung im ersten Programm. Wirklich eine handfeste Drohung oder nur die größte Drohkulisse aller Fußball-Zeiten?

Wir haben die Kurzberichterstattung vorsorglich angemeldet. Noch laufen die Verhandlungen mit ISPR. Die Kirch-Gruppe hat es in der Hand, ob sie sich an den bestehenden Vertrag mit der ARD hält oder nicht. "Pacta sunt servanda", hat schon Franz-Josef Strauß gefordert, das muss doch auch für Herrn Kirch gelten. Deshalb sind wir optimistisch, doch noch ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.

Nun ist die Kurzberichterstattung noch nie angewendet worden, es gibt bisher keinerlei praktische Erfahrungen. Wie kommen denn die ARD-Mitarbeiter in die Fußball-Stadien hinein - unter Polizeischutz?

Wenn es trotz unserer Verhandlungsbereitschaft zu keiner Einigung kommt, ist die ARD willens und in der Lage, das Recht auf Kurzberichterstattung durchzufechten.

Stichwort Radio-Konferenz am Samstag. Sie betonen, 40 Live-Minuten seien bisherige Praxis. Also würde sich bei einer Vereinbarung mit der Deutschen Fußball-Liga nichts ändern. Das Inforadio von ORB und SFB beginn seine Live-Berichte jedoch schon um 15 Uhr 30 und geht weit über 40 Minuten hinaus. Die ARD scheint willig, vor den Lizenzgebern einzuknicken. Wo bleibt der Wille zum Zweikampf?

Die ARD gewinnt durch geschlossenes Mannschaftsspiel. Niemand knickt ein. Im Gegenteil: Wenn es zu einem Richtwert von 40 Minuten für die Hörfunk-Berichterstattung kommen würde, wären zum Teil sogar Verbesserungen für die ARD erreicht. Zum Beispiel könnte seit langem wieder live aus der ersten Halbzeit reportiert werden. Die Mehrheit der ARD-Sender sendet ohnehin selten mehr als 40 Minuten live. Für manche würde die Umstellung auf diesen Richtwert schmerzlich, aber zu verkraften sein. Noch sind die Gespräche mit der Deutschen Fußball-Liga aber nicht abgeschlossen. Vielleicht gelingt es im Einzelfall, Sonderregelungen zu erreichen.

Wer über Bundesliga-Radio verhandelt, der erkennt doch an, dass es verhandelbare Rechte gibt - oder?

Wir verhandeln keineswegs über Radiorechte. Mit der Liga sprechen wir über die Spielregeln der Hörfunk-Berichterstattung in der nächsten Saison. Von Geld ist nicht die Rede, und die Rechte liegen bei unseren Reportern wie Manni Breuckmann und Günther Koch.

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