Medien : Bundesliga im Fernsehen: Der Fan hat gesiegt

Joachim Huber

Ob es gleich eine "Fernseh-Revolution" ist, wie der Sport-Informationsdienst schreibt? Jedenfalls steht der Berichterstattung über den Bundesliga-Fußball ein Einschnitt bevor - Folge einer reformierten Spielplan-Gestaltung. "Ziel ist die Konzentration auf zwei Spieltage", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. An den Sonnabenden soll es künftig sieben Bundesliga-Partien um 15 Uhr 30 Uhr geben. Die beiden restlichen Spiele würden, wie schon jetzt, am Sonntag um 17 Uhr 30 ausgetragen.

Schon ab der kommenden Saison wäre damit die Zersplitterung eines Spieltages auf Freitag (eine Begegnung), Samstag (fünf Spiele nachmittags, eins abends) und Sonntag (zwei Partien) beendet. Die Marathon-Spieltage haben viele Fans verärgert und einer Protest-Initiative namens "15:30" mächtigen Rückenwind verschafft. Sie will eine Konzentration des Spieltages möglichst auf den Sonnabend. Dieser Unmut scheint die Liga GmbH und den DFB-Präsidenten so beeindruckt zu haben, dass sie sich gegen eine Änderung nicht mehr sperren.

Die Kirch-Gruppe, die über die Fernsehrechte zur Bundesliga verfügt, arbeitet an der Reform mit. "Uns ist an der Fan- und Zuschauer-Akzeptanz unserer Fußball-Berichterstattung sehr gelegen", sagte ein Kirch-Sprecher. Freilich unter zwei Bedingungen: "ran", die Bundesliga-Sendung bei Sat 1, muss auf einen werbeträchtigen Sendeplatz am Sonnabend verschoben werden können. Der wäre mit 20 Uhr 15 gegeben. Sat 1-Sprecherin Kristina Faßler äußerte sich zustimmend zu dem Modell einer Fußball-Show für die ganze Fernsehfamilie: "Wenn es dazu kommt, wäre es eine spannende und interessante Sache, Fußball zur Primetime zu zeigen. 20 Uhr 15 ist ein attraktiver Sendeplatz." Bisher berichtete "ran", wie im Vertrag vorgesehen, "zeitnah", das heißt unmittelbar nach dem Abpfiff im Stadion. "20 Uhr 15 ist in meinen Augen noch zeitnah", korrigierte Mayer-Vorfelder seine bisherige Haltung.

Für die Fans des Fernseh-Fußballs würde die "ran"-Verschiebung bedeuten, dass die Bilder im frei empfangbaren Fernsehen erst nach der ARD-"Tagesschau" gesendet werden. Für die "Sportschau" im Ersten um 17 Uhr 30 besitzt die ARD keine Rechte. Von der Neuerung durchgeschüttelt würden das ZDF und sein "Aktuelles Sport-Studio". Die Sendung macht bislang das einzige Sonnabend-Spiel um 20 Uhr 15 zur Grundlage seiner Bundesliga-Berichte.

Der Pay-TV-Sender Premiere World zeigt sich unbeeindruckt: "Wir warten die Spielplangestaltung ab. Entscheidend ist, dass die Zuschauer bei uns alle Spiele live sehen können", sagte Katrin Gogl, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Dem defizitären Abonnement-Sender mit seinen rund 2,5 Millionen Kunden würde eine Verschiebung der Free-TV-Berichte auf einen späteren Sendeplatz nutzen. Neben Live-Übertragungen von den Spielen am Samstag ist bei Premiere World schon gegen 17 Uhr 30 eine Zusammenfassung zu sehen.

Wie sehr Liga GmbH und Kirch-Gruppe an einem Abgleich ihrer Interessen arbeiten, zeigt auch die angestrebte Lösung für Sonntag. Dieser Tag bleibt als Spiel- und Fernsehtag mit zwei Begegnungen erhalten, aus zwei Gründen: Mannschaften, die am Donnerstag Uefa-Cup spielen, sollen ausreichend Regenerationszeit haben, zum anderen benötigt die Kirch-Gruppe Sonntags-Spiele für ihre Fernsehsender und die schwierige Refinanzierung der Fernsehrechte, die pro Saison 750 Millionen Mark verschlingen.

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