Bundesliga im Fernsehen : Liga live gegen „Sportschau“

Für die TV-Verwertung wird der Spielplan der Fußball-Bundesliga umgekrempelt.

Frank Hellmann[frankfurt]

Deutschlands Fußballfans und Erstligavereine müssen sich auf eine neue Anstoßzeit in der Bundesliga einstellen. Samstagabend, 18 Uhr 30 – das wird ab der Saison 2009/2010 der Fixtermin für das Topspiel sein. Wie erwartet stellte die Führung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nach der Vorstandssitzung am Freitag diese Änderung im Spielplan vor. Die Live-Übertragung ab 18 Uhr 30 stünde in direkter Konkurrenz zu der Zusammenfassung der Samstagspiele im frei empfangbaren Fernsehen. Ein gewagter Schritt. „Dieses Spiel wird auf eine hohe Akzeptanz treffen und eine bestimmte Zielgruppe bedienen“, hält der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert, dagegen. Welcher der registrierten 39 Bieter bei der Rechte-Ausschreibung auch den Zuschlag bekommt – dieser Sender, ob ARD, Sat1, RTL oder Premiere, ob Free- oder Pay-TV, darf die Schlagerpartie selbst bestimmen. Mit einer Einschränkung: Eine Mannschaft darf nur sechsmal und mit maximal drei Heimspielen beteiligt sein. Damit soll verhindert werden, dass diese Spiele in überwältigender Zahl der FC Bayern München bestreitet.

Der weitere Rahmen des sogenannten Regelspieltags enthält Altbewährtes: Eine Erstliga-Partie am Freitagabend (20 Uhr 30), fünf am Samstagnachmittag (15 Uhr 30). Am Sonntag wird künftig einmal um 15 Uhr 30 und einmal um 17 Uhr 30 gespielt. Bedenken, damit würde der Profibetrieb den Amateurbereich kannibalisieren, zerstreute Seifert: „Dort finden nur noch 36 Prozent der Spiele am Sonntag statt.“ Außerdem habe er das Modell von DFB-Präsident Theo Zwanziger einvernehmlich abnehmen lassen. Der eloquente Strippenzieher der DFL räumte ein, dass der künftige Regelspieltag für „die stärkste zweite Liga der Welt gewöhnungsbedürftig ist“. Der Unterbau spielt künftig dreimal am Freitag (18 Uhr), zweimal am Samstag (13 Uhr), dreimal am Sonntag (13 Uhr 30) und weiterhin einmal am Montag (20 Uhr 15).

Ingesamt werden 37 Rechtepakete ausgeschrieben. Die interessierten Sender haben bis zum 21. November Zeit, ihre millionenschweren Gebote zu hinterlegen. Die DFL-Führung wird dann vielleicht bis Weihnachten, wohl eher im Januar nächsten Jahres, bekannt geben, wer den Zuschlag erhält. Wegen der Planungssicherheit besteht die Möglichkeit, den Vertrag über vier statt bislang drei Jahre auszudehnen. Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball möchte aus dem TV-Markt „das holen, was drin ist“. Oberstes Ziel bleiben – wie bisher – 409 Millionen Euro jährlich. Von den einst 500 Millionen, die der Deal mit Leo Kirchs Vermarktungsagentur Sirius garantiert hätte, ist längst keine Rede mehr – und daran ist die Knebelung durchs Kartellamt genauso schuld wie die weltweite Finanzkrise und die Schieflage beim Partner Premiere, der bislang immerhin 205 Millionen zum TV-Kuchen beisteuert.

Spannend wird das Wettbieten um die vom Kartellamt verlangte Ausstrahlung der Samstagspiele im Free-TV zwischen 18 Uhr 30 und 20 Uhr. Die ARD, die für ihre Bundesliga-„Sportschau“ bislang 97 Millionen Euro zahlt, gilt als erster Anwärter, doch die Liga-Oberen würden gerne einem Konkurrenten den Zuschlag erteilen, weil ihnen die Verbrüderung zwischen öffentlich-rechtlichen Anstalten und Wettbewerbsbehörde ein Gräuel war. So ließ denn auch Seifert eine feine Spitze gegen die Öffentlich-Rechtlichen ab: „Ich erwarte von der ARD, dass sie objektiv und fair mit dem Sachverhalt umgeht. Polemisch pointierte Sichtweisen helfen da nicht.“ Als Lockmittel befinden sich im Samstags-Rechtepaket noch die zwei Spiele der zweiten Liga, zudem wird jenes 18-Uhr-30-Topspiel in den Uefa-Cup-Wochen bis zu fünfmal von Samstag- auf Sonntagabend verschoben. Nach Länderspielen am Mittwoch entfällt zudem das Freitagspiel – und so finden sechsmal jährlich auch wieder sechs Samstagspiele statt.

Wer kann oder will nun der „Sportschau“ Konkurrenz machen? Wohl nur der Privatsender Sat 1, an dem der australische Medienmogul Rupert Murdoch beteiligt ist. Der Sender hat sich bereits ab 2009 die Rechte an der Champions League und dem Uefa-Cup gesichert und könnte wieder zur bedeutendsten Free-TV-Abspielform aufsteigen. Das will der bisherige Rechteinhaber verhindern. „Wir sind sehr konkret daran interessiert, die ,Sportschau’ mit der Bundesliga bei uns zu behalten“, sagt der ARD-Vorsitzende Fritz Raff, „aber wenn da die großen Player kommen, gibt es für den gebührenfinanzierten Rundfunk auch Grenzen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar