Bundesliga im TV : „Die ,Sportschau‘ ist für uns nicht entscheidend“

Der Bundesliga-TV-Rechte-Poker geht weiter. Sky-Chef Brian Sullivan setzt neue Prioritäten.

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Quoten-Garant. Die Bundesliga-„Sportschau“ mit Matthias Opdenhövel. Foto: WDR
Quoten-Garant. Die Bundesliga-„Sportschau“ mit Matthias Opdenhövel. Foto: WDRFoto: WDR/Fulvio Zanettini/Thomas Leid

Gute Nachricht für Fans der klassischen Samstags-„Sportschau“ in der ARD: Im TV-Poker um die Bundesliga-Rechte deutet sich bei Sky eine strategische Kehrtwende an. Der größte Pay-TV-Anbieter in Deutschland, der alle 306 Saisonspiele der Fußball-Bundesliga live überträgt, will nicht mehr – wie bei den vergangenen Rechteperioden – auf eine größere Exklusivität gegenüber der ARD-„Sportschau“ pochen. „Wir könnten mit einer ,Sportschau’ um 18 Uhr 30 leben. Ich glaube, dass unser Geschäft auch unabhängig davon weiter wachsen wird“, sagte Sky-Vorstandschef Brian Sullivan der „Financial Times Deutschland“.

Mit dieser Aussage rückt die Vergabe der Bundesliga-Rechte für die Zeit nach 2013 in ein neues Licht. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will noch in diesem Jahr mit der Ausschreibung beginnen und hat dabei zwei Szenarien für die Berichterstattung vorgesehen: Eines wie bisher mit einer „Sportschau“ im frei empfangbaren Fernsehen um 18 Uhr 30 und ein zweites Modell mit einer Zusammenfassung vor 20 Uhr im Internet sowie auf mobilen Endgeräten wie Handys. Diese Variante impliziert eine Erstverwertung im klassischen Free TV am Samstagabend erst ab 21 Uhr 45.

„So ein Format ist nicht nur für Internet-Player interessant, sondern auch für klassische Medienunternehmen und für die Zuschauer“, sagte DFL-Chef Christian Seifert jüngst in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Die Rechte der neuen Vertragsperiode ab 2013/2014 seien mehr wert als „die durchschnittlich 412 Millionen Euro pro Jahr, die wir für die Clubs bisher erlösen“.

Das Internetmodell galt bisher auch als Chance für Sky, mehr Fußballfans als Kunden zu gewinnen, weil es die Exklusivität seines Angebots – alle Spiele am Samstagnachmittag live und im deutlichen zeitlichen Abstand zu Free-TV-Berichten – erhöht. Der Pay-TV-Sender will sich aber nun statt auf das Free TV offensichtlich mehr auf Live-Spiele konzentrieren, wo es mit der Telekom/„Liga Total!“ einen Konkurrenten gibt, der alle Spiele über das Internet überträgt. „Die ,Sportschau’ ist für uns nicht der entscheidende Faktor. Ich glaube, man hat früher nicht genug getan, die Übertragung der Live-Spiele attraktiv genug zu machen“, sagte Sullivan. Der Amerikaner hat seit 2010 das Sagen beim Bezahlsender Sky, der trotz eines Anstiegs der Abonnenten – nach eigenen Angaben bisher 200 000 im Jahr 2011 – rote Zahlen schreibt. Sullivan setzt auf neue Abspielkanäle wie iPhone und schloss zudem den Sky-Ausstieg aus der Formel 1 nicht mehr aus.

Sollte die Samstags-„Sportschau“ und ihr Bestand wirklich aus Sullivans Blickfeld geraten, stellen sich die Optionen der DFL für die Bundesliga-Rechte-Periode von 2013 bis 2017 im neuen Licht dar. Bislang erlöste die DFL durch Sky rund 275 der insgesamt 412 Millionen Euro jährlich. Es ist davon auszugehen, dass Sky das zweite Übertragungsszenario – mit der Streichung der klassischen „Sportschau“ um 18 Uhr 30 – deutlich mehr Geld kosten würde. Geld, das Sky offenbar nicht bereit ist auszugeben und das man sich dann auch von der ARD/ „Sportschau“ holen müsste. Bislang zahlte die ARD an die DFL geschätzt 100 Millionen Euro pro Jahr für das Recht auf Free-TV-Berichte ab 18 Uhr 30.

Wie man nun in Clubkreisen hört, dürften DFL und Vereine nicht unglücklich darüber sein, wenn sich ein Einnahmen-Plus mit der Fortführung der Zusammenarbeit mit bewährten Partnern wie Sky und ARD in Einklang bringen ließe. Den Fußballfan wird das freuen. Markus Ehrenberg

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