Medien : Bundesliga: Live für alle?

Pay-TV-Sender Arena will seine erste Konferenz parallel bei Sat1 übertragen

Markus Ehrenberg

Nach dem Fußball ist vor dem Fußball. Die WM ist zu Ende, in 31 Tagen beginnt die Bundesliga. Fragt sich bloß: Wo überall läuft die Liga im Fernsehen? Das Einzige, was feststeht: Die Free-TV-Erstversorgung über die ganze Saison findet samstags weiter in der ARD-„Sportschau“ statt, ab 18 Uhr 30. Live werden die Spiele vom neuen Bezahlfernsehanbieter Arena übertragen. Um dessen Angebot besser zu promoten, sieht es jetzt nach einem zuschauerfreundlichen Überraschungscoup aus. Am ersten Samstagsspieltag soll die Arena-Konferenzschaltung parallel im frei empfangbaren Fernsehen bei Sat1 gezeigt werden.

„Es ist eine Option, die wir derzeit prüfen“, bestätigt Arena-Sprecherin Susanne Jahrreiss gegenüber dem Tagesspiegel. Neben Sat1 könnten – als Übernahme von Arena und deren Kommentatoren – auch Pro 7 und Kabel 1 zum Zuge kommen, die jeweils ein Spiel live zeigen, das alles möglicherweise sogar noch an weiteren Spieltagen. Zurzeit werden, so Jahrreiss, Gespräche zwischen Arena, der ARD und der Deutschen Fußball Liga (DFL) geführt. Es geht um die Zustimmung der ARD. Das Erste muss fürchten, dass Nachmittagsübertragungen im Free-TV der „Sportschau“ am frühen Abend Millionen Zuschauer abnehmen werden.

Ob das Erste bei diesem Szenario wirklich mitspielen wird, ist noch unklar. „Wir kennen die Anfrage und prüfen sie sorgfältig“, sagte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf der dpa. Mehr wollte die ARD am Montag nicht preisgeben. Ein Spieltag mit einer etwas weniger wichtigen „Sportschau“ wäre wohl zu verkraften. Schließlich profitieren Fernsehen, Liga und Vereine davon, dass Arena aus den Startlöchern kommt und dauerhaft im medialen Wettbewerb bleibt. 210 Millionen Euro für die Pay-TV-Rechte an den nächsten drei Spielzeiten hat die DFL von dem neuen Sender erhalten.

Den Zuschauern werden diese Überlegungen egal sein. Null Euro am ersten Spieltag statt 14,90 Euro für das komplette Abopaket bei Arena – das ist eine gute Meldung für Millionen Fußballfans, die sich nicht durchringen konnten, eine Arena-Box zu bestellen. Wie auch. Der mögliche Deal mit der ProSiebenSat1-Gruppe zeigt, in welche Bedrängnis Arena gekommen ist. Es gibt immer noch ein Problem mit den Verbreitungswegen. Wenige Wochen vor dem Start der Bundesliga am 11. August ist die Antwort auf die Frage, wie die Livebilder aus den Stadien zum Fan kommen, nicht einfach zu beantworten. Während der WM liefen im Fernsehen viele Werbetrailer für das neue Pay-TV, aber wohl dem, der sich im Internet unter www.arena.tv zwischen all dem Fachchinesisch, Empfangswegen, Receiver-Angeboten, Kabel- und Satellitenangeboten für sein Arena-Paket zu entscheiden vermag.

Das Hauptproblem: Arena, eine 100-prozentige Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media, konnte sich noch nicht mit den wichtigsten konkurrierenden Kabelnetzbetreibern einigen. Arena braucht diese Einigung für die Verbreitung in deren Netzen. Immerhin deutet sich eine Einigung mit Kabel Baden-Württemberg an, das zusammen mit Kabel Deutschland (KDG), Deutschlands größtem Kabelkonzern, 58 Prozent des Marktes abdeckt. Trotzdem kann Arena die Ausstrahlung außerhalb der eigenen Gebiete Hessen und Nordrhein-Westfalen und womöglich auch bald Baden-Württemberg bislang nur über Satellit garantieren – und zwingt damit willige Kunden, die bisher über Kabel fernsehen, zum Satellitenempfang.

Die DFL hat daher den Druck auf die KDG erhöht, damit es noch zu einer Einigung vor dem 11. August kommt. „Wenn ich Kunde der KDG wäre und könnte die Bundesliga nicht live über Arena sehen, würde ich kündigen“, sagte DFL-Präsident Werner Hackmann dem „Handelsblatt“.

Viele Fragen der Fußballfans also, viel Verhandlungsarbeit noch für Arena. Nach außen gibt man sich optimistisch. Die Kundengewinnung läge über Plan, heißt es, ohne dass Zahlen genannt werden. Vielleicht bringt Arena ein Bundesliga-Samstag im Free-TV, quasi zum Anschmecken, ja wirklich neue Abonnenten. Sollte die Zusammenarbeit mit ProSiebenSat1 am ersten Bundesliga-Spieltag zustande kommen, wird es auf jeden Fall ein Wiedersehen geben. Die bei Arena neu verpflichtete Reporterriege um Oliver Welke und Werner Hansch sammelte Bundesliga-Erfahrungen bei „ran“, Sat1-Fußball.

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