Bundesliga-Rechte : Das Milliarden-Spiel

Der Kampf um Fußball im Fernsehen ist spannend. Wer zeigt was? Es ist unwahrscheinlich, dass das Kartellamt den Bundesliga-Rechteverkauf wie geplant erlaubt.

Markus Ehrenberg,Joachim Huber

Alle reden über die Fußball-EM – dabei muss das mit dem Fußball im Fernsehen auch hinterher weitergehen. Die große Frage: Auf welchen Kanälen, zu welchen Zeiten, zu welchen Preisen läuft künftig die Bundesliga? Hinter den Kulissen wird derzeit mit heißer Nadel am größten Mediendeal der vergangenen Jahre gestrickt. Das Kartellamt muss darüber entscheiden, ob der Vertrag zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Sirius, der Agentur des Medienunternehmers Leo Kirch, mit dem Wettbewerb vereinbar ist. Die DFL und Kirch hatten im Oktober 2007 angekündigt, die Bundesligarechte gemeinsam vermarkten zu wollen. Kirch sagte den Vereinen dabei ab 2009 Garantieeinnahmen aus den Fernsehrechten für die nächsten sechs Jahre von drei Milliarden Euro zu. Nun warten die 36 Profivereine der ersten und zweiten Liga, öffentlich-rechtliche und private Sender, der Ligaverband und diverse Kabelbetreiber gespannt auf eine richtungsweisende Entscheidung der Bonner Wettbewerbshüter.

Umstrittenster Bestandteil des Vertrages zwischen Kirch und der DFL: Die beiden Parteien wollen Bezahlsendern wie Premiere nur noch fertig produzierte Spielübertragungen verkaufen, um damit auch andere Pay-TV-Interessenten – zum Beispiel Kabelanbieter – auf den Markt zu locken und so höhere Erlöse zu erzielen. Insider glauben inzwischen, dass das Kartellamt diese Art Joint Venture nicht zulassen wird. Premiere-Chef Michael Börnicke hat mehrfach betont, dass man keine vorproduzierten Bilder des geplanten Bundesliga-Kanals von DFL und Sirius abnehmen werde. Man spricht von einem wettbewerbswidrigen Kartell.

In der Branche kursieren außerdem erste Musterrechnungen, die das Vertragsmodell zwischen Kirch und der DFL grundsätzlich infrage stellen. Woher soll das viele Geld kommen? Zum Vergleich: In der abgelaufenen Saison erzielte die DFL Medieneinnahmen in Höhe von 446,7 Millionen Euro. Wie der „Kicker“ berichtete, will Kirch für die Saison 2009/2010 als Mindesterlös 460 Millionen Euro und für das letzte Jahr der Vertragsdauer (2014/2015) 550 Millionen Euro garantieren. Das ist gewagt. Branchenkenner glauben, dass Kirch über den Verkauf aller Medienrechte kaum mehr als die 500 Millionen Euro erlösen könne, die er der DFL durchschnittlich pro Saison garantiert hat. Erst oberhalb der Garantiesumme fängt das Geschäft für die Kirch-Truppe an. Von jedem Euro plus sollen 90 Cent in dessen Kasse gehen, 10 Cent an die DFL. Für den – unwahrscheinlichen – Fall, dass durch den Rechteverkauf über 690 Millionen Euro pro Saison erzielt werden, ändert sich der Verteilungsschlüssel zugunsten der DFL: Dann gehen Gewinne zu 51 Prozent an Sirius, zu 49 Prozent an die Liga. Der anvisierte Verkauf von Rechten an entgeltpflichtige Kabelnetzbetreiber, Telekommunikationsunternehmen und Internetplattformen jenseits von Premiere inklusive der Anlieferung der Bilder qua Bundesliga-Kanal scheint, so sagen es Eingeweihte, der Schlüssel zum Erfolg. Angenommen, die gemeinsame Produktionstochter von Kirch und DFL stellt das Bundesliga-TV für 40 Millionen Euro her, dann könnte es als Paket aus Rechten und Bildern für 80 Millionen vermarktet werden – und Kirch macht seinen Schnitt dabei.

Ein schönes Geschäft, sofern das Kartellamt die Produktion konfektionierter Bundesliga-Ware gestattet. Stellungnahmen seitens des Kartellamts und der DFL gibt es nicht. Eine Entscheidung wird für den Juli erwartet. Wendet sich das Kartellamt gegen fertig produzierte Spielübertragungen, wird eine Klage von der Kirch-Seite erwartet. Bleibt eine Intervention des Kartellamts aus, dann wird wohl Premiere vor Gericht gehen. Wie sehr im Streitfalle das Binnenverhältnis Kirch/DFL belastet wird, weiß keiner. Beide Seiten haben das Recht zum Vertragsausstieg. Noch halten die Vereine die Füße still. Ans große Geld wollen alle.

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