Bundesliga-TV : "Es ist einfach dreist“

Grätsche vom Kartellamt: Das Privatfernsehen sieht sich beim Bundesliga-TV schwer benachteiligt. Verbandspräsident Jürgen Doetz sprach mit dem Tagesspiegel.

Das Bundeskartellamt hat gesprochen: Ja zur Zentralvermarktung der Bundesliga, wenn es zugleich am Samstag eine zeitnahe Zusammenfassung der Spiele im Free-TV gibt. Wie bewertet die Privatfunk-Lobby diese Entscheidung?

Bevor das Kartellamt seine Meinung veröffentlichte, gab es für den VPRT keinen Anlass, sich in der Diskussion über die verschiedenen Ausschreibungsszenarien der DFL zu Wort zu melden. Das war und ist auch heute nicht unser Thema als Verband aller privaten Sender. Jetzt aber hat diese Diskussion eine medienpolitische Dimension bekommen, indem das Kartellamt massiv in den Wettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk mit für uns ausschließlich negativen Bewertungen und Konsequenzen eingreift – und dagegen müssen wir uns wehren.

Was haben die privaten Rundfunkveranstalter en détail an der Empfehlung des Kartellamtes auszusetzen?

Im Detail? Bitte! Es ist zunächst in hohem Maße zynisch, wenn das Kartellamt für die Highlight-Berichterstattung im Free-TV samstags vor 20 Uhr zunächst einen Bieterwettbewerb zwischen ARD und privaten Sendern postuliert. Dann aber heißt es in dem sogenannten Hintergrundpapier des Kartellamtes – ich zitiere: „Dass sich dabei Vorteile der ARD aus ihren besonderen Finanzierungsquellen ergeben können, mag dahinstehen“. Mag dahinstehen? Wo leben wir denn, wenn die Gralshüter des Wettbewerbs feststellen, es möge dahinstehen, wenn es keinen Wettbewerb geben kann? Und es ist einfach dreist und eine Missachtung des privaten Rundfunks, wenn dann das Kartellamt die „Entscheidung des Gesetzgebers für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ als Ursache dieser Vorteile benennt und lapidar feststellt: „Diese Entscheidung ist vom Bundeskartellamt zu respektieren.“ Das duale Rundfunksystem der Neuzeit ist beim Bundeskartellamt ganz offenkundig nur sehr rudimentär verankert, da ist selbst das Bundesverfassungsgericht schon erheblich weiter.

Heißt: Das Kartellamt schwingt sich selbst zum Programmdirektor auf?

Eine Highlight-Berichterstattung am Sonntag als Alternative zum Samstag stünde, so das Kartellamt, „im Konflikt mit den Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer bzw. der Programmgestaltung der Sender“. Deshalb also der Samstag. Sagt das Kartellamt. Hallo ? Gemeint sein kann damit ja nur ein Sender – die ARD, aus deren Feder das ja wohl auch stammt – pardon: stammen könnte. Die Privaten hingegen scheuen kein Risiko, was Sehgewohnheiten betrifft, und ihre Programmplanung geht das Kartellamt nun einmal gar nichts an.

Die DFL und Vermarkter Sirius reden von einer „Lex Sportschau“, der private Pay-TV-Sender Premiere dagegen freut sich still und heimlich über weniger Konkurrenz. Die privaten Rundfunkveranstalter haben keine gemeinsame Linie, oder?

Natürlich stehen sie untereinander im Wettbewerb um die Zuschauer, und das beginnt eben beim Bieterwettbewerb für attraktive Inhalte. Wenn dieser Wettbewerb und wenn neue private Geschäftsmodelle mit dem Geld der Gebührenzahler blockiert werden sollen, dann haben wir allerdings eine sehr klare, kräftig unterstrichene gemeinsame Linie!

Was hindert RTL oder Sat 1 eigentlich daran, sich die Rechte an der Highlight-Berichterstattung zu sichern? Sie werden wie immer sagen, es scheitert am Geld, was aber bedeutet, dass auch der VPRT nur die Entscheidung des Kartellamts akzeptiert, die den Privatsendern in die Karten spielt.

Richtig ist, dass die Position des Kartellamtes nur der ARD zuspielt. Wir würden jede Entscheidung des Kartellamtes akzeptieren, die einen fairen, chancengerechten Wettbewerb zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern ermöglichen würde.

Was befürchten die Privatsender tatsächlich, wenn das Kartellamt bei seiner Linie bleibt?

Seit Monaten führen wir in Brüssel und mit den Ländern eine engagierte Diskussion über den Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als gebührenfinanziertem Wettbewerber im dualen System. Dabei geht es um Themen wie die digitale Expansion von ARD und ZDF. Gerade in diesen Tagen geht es um entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft – und da kommt plötzlich das Kartellamt daher und grätscht in diese Diskussion hinein – das hat uns gerade noch gefehlt! Und da sich das Kartellamt so engagiert als oberster Anwalt der fußballinteressierten Verbraucher positioniert, sollte man mit Verlaub die Gebührenzahler nicht vergessen, denn das sind wir alle, ob Fußballfan oder nicht! Und dass mit dem Geld der Gebührenzahler verantwortungsvoll umgegangen wird, dafür tragen die Länder die Verantwortung, nicht das Bundeskartellamt.

Seinem Charakter nach muss der VPRT gegen das Kartellamt klagen. Wird der Verband das tun?

Ist das jetzt schon eine Charakterfrage? Aber im Ernst: Klagen können Sie nur gegen eine justitiable Entscheidung – nicht gegen eine dringliche Empfehlung, wie es so schön heißt. Kommt es also zu einer förmlichen Untersagung des DFL-Vermarktungsmodells, werden wir und die betroffenen privaten Sender sicher Ihrer Annahme entsprechend wohlwollend prüfen. In die aktuelle Diskussion über den Programmauftrag von ARD und ZDF werden wir das sicher in Brüssel und bei den Ländern erneut problematisieren. Konkret: Gibt es eine Pflicht zur Grundversorgung mit Fußball für die gebührenfinanzierten Anstalten? Von meinem „Nein“ können Sie dabei schon einmal ausgehen.

Ist Leo Kirch mit einer seiner Firmen Mitglied im VPRT?

Nein.

Sie kennen Kirch, haben über den Konzern Pro Sieben Sat 1 jahrelang für ihn gearbeitet. Was meinen Sie, Herr Doetz, wird Leo Kirch aus dem DFL-Vertrag aussteigen?

Ich kenne keinen Unternehmer, der an einem Vertrag festhält, dem offenkundig die Grundlagen entzogen werden sollen – es sei denn, man will es juristisch durchkämpfen.

Und, wird Kirch kämpfen?

Dazu kann ich nichts sagen. Ich spreche für die privaten TV-Sender. Und die werden weiter für ihre Möglichkeiten im Markt engagiert kämpfen.

Das Interview führte Joachim Huber.

Jürgen Doetz ist Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien e.V.

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