Bundesliga-TV : Fuß. Ball. Quote

08.05.2010 02:00 UhrVon Markus Ehrenberg, Joachim Huber
Aktuell? Im Grunde könnte das ZDF mit seinem „Sportstudio“, Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und der Saison zufrieden sein. Wenn es mal pünktlich starten würde. Foto: ZDF Foto: Rico Rossival
Aktuell? Im Grunde könnte das ZDF mit seinem „Sportstudio“, Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und der Saison zufrieden sein. Wenn es mal pünktlich starten würde. Foto: ZDF - Foto: Rico Rossival

Der neue Bundesliga-Spielplan hat alle Sender glücklicher gemacht – fast alle

Was haben Fußballfans eigentlich vor der Bundesliga-Saison 2003/2004 gemacht, am Samstag, zwischen 18 und 20 Uhr? Seit fast sieben Jahren zeigt die ARD-„Sportschau“ als erster Free-TVSender Bilder vom Spieltag am Samstag. Da ist es wieder, das gefühlte Grundrecht des Fußballfans auf zeitnahe Grundversorgung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Davon wurde auch in der am heutigen Samstag zu Ende gehenden Saison reichlich Gebrauch gemacht. Durchschnittlich 5,3 Millionen Zuschauer sahen zu, wie die Moderatoren Gerhard Delling, Reinhold Beckmann oder Claus Lufen meistens routiniert über Werbeinseln hinweg durch Tore und Stimmen lotsten.

Das ist kein Bestwert, aber immerhin eine Steigerung gegenüber der Vorsaison und bemerkenswert, weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) der großen ARD mit dem neu strukturierten Spieltag ein Ei ins Nest gelegt hatte: das Top-Spiel am Samstagabend, 18 Uhr 30. Auf Sky, immer parallel zur „Sportschau“.

Zusammenfassungen von Erstligaspielen durfte das Erste erst ab 18 Uhr 45 bringen, 15 Minuten später als gewohnt. Dem Pay-TV-Sender Sky wiederum sollte das Live-Spiel um 18 Uhr 30 mehr Zuschauer, sprich Abonnenten zuführen. Genutzt hat dieses Privileg nicht viel. Dabei ist die DFL ihrem immer noch wichtigsten Finanzier so weit wie möglich entgegengekommen. Für Sky, das pro Saison rund 225 Millionen Euro für die Live-Rechte an die Liga überweist, wurde der Spieltag auf fünf Anstoßzeiten zersplittert, eine Partie am Freitagabend, am Samstag fünf Spiele um 15 Uhr 30 und eben eines um 18 Uhr 30, dazu zwei Partien hintereinander am Sonntag. Das bedeutet nicht mehr Fußball, wohl aber mehr Fußball-Programm für Sky und Fans.

Für Sky Deutschland und seinen wichtigsten Aktionär, die News Corp. des amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch, ist die Rechnung nicht aufgegangen. Wieder und wieder musste frisches Geld in den Abo-Sender investiert werden. Markus Tellenbach, Vorsitzender des Sky-Aufsichtsrates, bilanzierte auf der Hauptversammlung des Unternehmens für 2009 „ein angemessenes Ergebnis“. Für 2010 erwartet er erneut einen „deutlichen operativen Verlust“, offenbar in der Bandbreite zwischen 130 und 170 Millionen Euro. Ende des vergangenen Jahres hatte Sky 2,47 Millionen Abonnenten, erst mit 2,8 bis drei Millionen kann der Sender kostendeckend arbeiten. Das Ziel soll 2011 erreicht werden, hat Sky-Chef Brian Sullivan als Losung ausgegeben. Die Bundesliga jedenfalls muss Murdoch dankbar sein für den unbeirrbaren Glauben an ein profitables Pay-TVGeschäft in Deutschland. Sollte Murdoch aufgeben, weiß keiner, wer die über 200 Millionen Euro in die DFL-Kasse bringen soll. T-Home, mit rund 100 000 „Liga total“-Kunden neuer Pay-TV-Konkurrent zu Sky, will es bestimmt nicht.

Die TV-Gelder sind ein wesentlicher Faktor in jeder Vereinsbilanz. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert betonte in einem dpa-Interview, „etwa ein Drittel der Einnahmen“ kämen „aus dem Fernsehen, ein Drittel aus Sponsoring und eines aus den Zuschauereinnahmen“. Aus seiner Sicht hat sich der neue Spielplan bewährt. „Es gab zwingende wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die zu diesen Anstoßzeiten geführt haben. Und natürlich war klar, dass wir damit auch manchen Clubs einiges zumuten.“ Allerdings sei der Spielplan „kein Experimentierbaukasten, den wir alle zwei Jahre ändern wollen“.

Das freut auch die Dritten Programme. Der Sonntagabend wurde durch die diversen erweiterten Formate wie „Sportplatz“ (RBB) oder „Sportclub“ (NDR) mit Exklusivbildern der Sonntagspartien und Marktanteilen um die sieben Prozent aufgewertet, trotz der Konkurrenz von „Anne Will“ im Ersten. Ein weiterer Gewinner ist das ZDF-„Sportstudio“, zumindest den Zahlen nach. Katrin Müller-Hohenstein & Co. konnten ihre Zuschauerzahl endlich mal wieder steigern: von 2,15 Millionen in der Vorsaison auf 2,39 Millionen. Vielleicht hatte man sich da ein bisschen mehr versprochen. Immerhin bringt das ZDF als erster Free-TV-Sender Bilder vom Top-Spiel der Woche am Samstagabend. Nicht immer geht das Zweite mit diesem Exklusivrecht zuschauerfreundlich um. Fußballfans mussten sich bei manch verspätetem „Sportstudio“ bis weit nach 23 Uhr gedulden.

Das wird auch heute bei Meister- und Nichtabstiegsfeiern so sein. Vorm „Sportstudio“ gibt’s Carmen Nebel zum Muttertag. Live. Garantiert mit Überlänge.

„Sportschau“, ARD, 18 Uhr. Heute laufen die Zusammenfassungen der Spiele nicht erst ab 18 Uhr 45. „Sportstudio“, ZDF, 23 Uhr.

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