Bundesliga-Übertragung : Fans im Glück

Das Kartellamt fordert: Samstagsspiele der Fußball-Bundesliga müssen im Free-TV weiterhin vor 20 Uhr laufen. Wer ist Gewinner und wer ist Verlierer dieser Entscheidung. Und was wird aus Kirchs Neuer Firma?

Markus Ehrenberg,Joachim Huber
Bundesliga
Bis zum späten Abend soll im Free TV nicht auf die Bundesliga gewartet werden. -Foto: dpa

Ein bemerkenswerter Tag für Freunde der ARD-„Sportschau“: Das Bundeskartellamt ist auf ihrer Seite, wenn die Samstagspartien eines Bundesliga-Spieltages vor 20 Uhr im öffentlich-rechtlichen Free-TV zusammengefasst werden. Die Bonner Behörde lehnt das TV-Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für die Liga ab, wie Amtschef Bernhard Heitzer am Donnerstag bekannt gab. Die DFL als Zusammschluss aller Profiklubs wollte Pay-TV-Sendern wie Premiere mehr Exklusivität einräumen und damit höhere Preise erzielen. Würden die Partien nicht wie bisher in Höhepunkten vor 20 Uhr in der „Sportschau“ gesendet, gäbe es für Fans mehr Anreize, einen Bezahlsender zu abonnieren, so das Denkmodell.

Das Kartellamt, so Heitzer, wolle hingegen verhindern, dass den Zuschauern „die Auswahl zwischen zwei Angeboten genommen werden sollte, um dem alleinigen Pay-TV-Anbieter am Samstagnachmittag die Ausnutzung seiner Monopolstellung zu ermöglichen“. Der Zuschauer solle vor „Ausbeutung“ geschützt, ein Wettbewerb der Sender garantiert sein. Die Behörde betonte, dass die Zentralvermarktung der Bundesligarechte grundsätzlich zulässig sei, wenn der Verbraucher angemessen beteiligt wird, die Highlight-Berichterstattung große Teile eines Spieltages umfasst, zeitnah erfolge und weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich ist. „Ich möchte nachdrücklich darauf hinweisen, dass hierfür sowohl öffentlich-rechtliche Sendeanstalten als auch private Fernsehsender in Betracht kommen“, sagte Heitzer.

Nach seiner Einschätzung wären auf der Grundlage des DFL-Plans die Preise für Pay-TV-Kunden gestiegen, wie in der britischen Premier League, wo die Höhepunkte ab 22 Uhr 20 frei in der BBC gezeigt würden. Fans mit Interesse an zeitnaher Berichterstattung müssten dort monatlich umgerechnet 80 Euro zahlen und bekämen nicht alle Spiele zu sehen. Nach Darstellung der Behörde führt das DFL-Modell dazu, dass das wichtigste Spiel des Tages erst nach 23 Uhr gezeigt würde. Der Behördenchef konterte die Sorge der DFL, das Amt gefährde die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Klubs: „Dies kann keine Rechtfertigung für Monopolgewinne auf Kosten der Verbraucher sein.“ Mit finanzstarken Vereinen wie dem FC Chelsea könne die Bundesliga ohnehin nicht mithalten, „weder mit noch ohne Zentralvermarktung“. Zum Vorwurf, das Kartellamt stelle sich schützend vor die Interessen der ARD, meinte Heitzer, diese Vorteile resultierten aus der Entscheidung des Gesetzgebers für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunks „und nicht aus der Anwendung des Kartellrechts“. Kritisch beurteilte die Behörde auch den Plan, dass Pay-TV-Sender vorgefertigte Spielberichte ohne Bearbeitungsmöglichkeit übernehmen sollten. Auf diese Weise würde eine „weitere Marktstufe“ monopolisiert. Hier sei aber eine Lösung möglich. Die Behörde erwartet, dass die Liga auch die neue Ausschreibung dem Kartellamt vorlegen werde.

GEWINNER: DIE ARD

Dieser Ausschreibung dürfte die ARD mit großer Gelassenheit entgegensehen. WDR-Intendantin Monika Piel bezeichnete die Entscheidung der Wettbewerbshüter, die samstags eine zeitnahe Zusammenfassung im Free TV haben möchten, als „Glückstag für alle Fußballfans“. Man könnte es auch so sagen: Die „Sportschau“ bekommt via Kartellbehörde quasi Bestandsgarantie. Eine rein werbefinanzierte Free-TV-Zusammenfassung vor 20 Uhr werden sich die privaten Sender RTL oder Sat1 trotz der Aussage von Kartellamt-Chef Heitzer nicht leisten wollen oder können. Mit Werbung allein ist so eine Sportsendung nicht zu finanzieren. ARD und ZDF haben jährlich rund sieben Milliarden Euro Gebührengelder zur Verfügung, rund 110 Millionen davon hat sich die ARD zuletzt die Bundesliga-Rechte pro Saison kosten lassen. Viel mehr sollte es auch ab Saison 2009/2010 mit der neuen Ausschreibung nicht werden, schon gar nicht so viel, wie sich die Vereine, die DFL und ihr Partner, die Vermarktungsfirma Sirius von Leo Kirch, versprochen haben.

VERLIERER: DIE FUSSBALL-LIGA

Im Herbst 2007 hatte die DFL Sirius mit der Ausschreibung der Bundesliga-Rechte von 2009 bis 2015 beauftragt. Kirch wollte der Liga für diesen Zeitraum Gesamterlöse in Höhe von drei Milliarden Euro sichern. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Saison wurden 405 Millionen Euro aus der Inlandsvermarktung erwirtschaftet. Kirch garantiert für die Saison 2009/2010 bereits 460 Millionen Euro, die sich bis 2014/2015 auf 550 Millionen steigern sollen. Diese Summe könnte aber nur erzielt werden, wenn mehr Geld aus einer exklusiveren Verwertung im Bezahlfernsehen erlöst wird. Durch die Vorgabe des Kartellamts zur frühen Free-TV-Ausstrahlung ist dies kaum noch möglich. Die DFL muss sich nun schnell etwas Neues einfallen lassen, wie sie die Wünsche des Kartellamts erfüllt und trotzdem mehr Erlöse aus dem Verkauf der Bundesliga-Rechte erzielt. Für Freitag mittag wurde nach einer Vorstandssitzung eine Pressekonferenz in Frankfurt angekündigt.

WAS WIRD AUS KIRCHS NEUER FIRMA?

Insider bezweifeln, dass Sirius dabei noch eine größere Rolle spielen wird, zudem die von Sirius/DFL ins Auge gefassten vorgefertigten Spielberichte obsolet zu sein scheinen. Sehr zur Freude von Premiere übrigens, auch wenn sich der für seine eigene Sportredaktion gerühmte Pay-TV-Sender gestern zurückhaltend zeigte: „Wir warten auf die Ausschreibung“, sagte Sprecher Torsten Fricke. Die Erklärung von Sportvorstand Carsten Schmidt, dass Premiere auf alle Szenarien vorbereitet sei und sowohl „für das derzeitig existierende Verwertungsmodell als auch für alternative Pakete“ bieten werde, gelte unverändert. Die Vorgaben des Kartellamts wollte Sirius-Sprecher Hartmut Schultz gestern nicht kommentieren: „Wir müssen uns das erst mal anschauen“. Das große Comeback des Leo Kirch scheint mit der Entscheidung des Kartellamts jedenfalls verschoben, wenn nicht gar aufgehoben. Den gemeinen Fußballfan und „Sportschau“-Gucker wird das freuen.

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