Bundesliga-Vermarktung : Der Kick mit Kirch

Drei Milliarden Euro für sechs Jahre: Die Bundesliga lässt sich erneut vom ehemaligen Medienmogul Leo Kirch vermarkten. Bei der Pressekonferenz wird der Name jedoch peinlichst vermieden.

Frank Hellmann[Frankfurt am Main]
Kirch Bundesliga
Eingetütet: Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball (l.) und der Geschäftsführer von KF 15, Dieter Hahn (r.), besiegeln den...Foto: ddp

Es waren kurze Momente, in denen das Lächeln des Siegers über das Gesicht von Christian Seifert huschte. Im fünften Stock der feudalen Zentrale in der Guiollettstraße im Frankfurter Westend hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) schließlich gerade ein Vermarktungsmodell für die Fußball-Bundesliga vorgestellt, das revolutionäre Züge trägt. Seifert kann darauf verweisen, dass ein neuer Zwischenhändler, die Agentur Sirius, für die nächsten sechs Jahre ein Medienumsatz von drei Milliarden Euro garantiert; zu dieser Summe aus der Inlandsvermarktung kommen die Erlöse aus den Auslandsrechten. Das macht insgesamt 545 Millionen Euro im Jahr von 2009 bis 2015. Gegenüber den bisherigen 440 Millionen pro Saison eine opulente Steigerung.

Doch dafür schluckt die DFL auch die Kröte, wieder mit Leo Kirch zusammenzuarbeiten – dem 80-jährigen Medienmogul, der mit der Firma KF 15 ein wundersames Comeback in der Szene feiert. Deren Tochterunternehmen Sirius – und das ist der Clou des von Seifert und Kirch hinter den Kulissen seit Wochen vorbereiteten Deals – werden die beiden kommenden Ausschreibungen für jeweils drei Jahre über die wichtigen Fernsehverträge durchführen. „Wir haben uns für einen Weg entschieden, der strategisches Wachstum, Innovation und Planungssicherheit verbindet. Die Liga wird dazu bei den Medieneinnahmen Rekorderlöse erzielen“, sagte Seifert. Sirius soll zudem zusammen mit dem 49-prozentigen Anteilseigner DFL ein eigenes Bundesliga-Programm erstellen, das dem „entgeltpflichtigen Bereich“, also Kabelnetzbetreibern, Satellitenfernsehen und Pay-TV offeriert wird. Damit soll die Bieterbasis verbreitert werden – künftig können neben Premiere auch Kabel Deutschland, Anbieter von Internetfernsehen oder anderen Plattformen quasi fertige Fußballsendungen mit Ausschnitten, Interviews und Kommentaren kaufen. Dieses Angebot gilt nicht für das Free-TV, also ARD, ZDF oder DSF. Seifert wollte denn auch partout glaubhaft machen, „dass die journalistische Unabhängigkeit gewährt bleibt“. Premiere jedenfalls glaubt nicht daran. Vorstandsmitglied Carsten Schmidt lehnte vorfabriziertes Bundesliga-TV ab.

Was sich DFL und KF 15, die je Saison eine Bankbürgschaft von rund einer halben Milliarde Euro nachweisen müssen, davon erhoffen, einen Makler der Fernsehware Fußball-Bundesliga zu installieren und eine fertige Bundesliga-Sendung zu offerieren, ist eindeutig: mehr Angebote, mehr Erlöse. Dieter Hahn, KF 15-Geschäftsführer und Kirch-Intimus, hat dafür anerkannte Profis ins Boot geholt, darunter den früheren Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic oder Dagmar Brandenstein, ehemalige Chefin der Rechte-Agentur SportA von ARD und ZDF.

Alle haben noch ein bisschen Zeit. Weil der Markt so unübersichtlich und die Strategien auf dem TV- und Internet-Sektor so wankelmütig seien, wird die Ausschreibung für die verschiedenen Verwertungsszenarien nach EU-Recht erst im Frühjahr 2008 erfolgen. Dann erst fällt eine Entscheidung, ob etwa die „Sportschau“ den bisherigen Sendeplatz behält. „Das kann ich auf keinen Fall garantieren“, sagte Seifert, schließlich soll auch auf Premiere ein Szenario zur Vermarktung zugeschnitten werden – eines, in dem im Free-TV die Bundesliga frühestens um 22 Uhr läuft. Gut möglich aber, dass Premiere der Verlierer der neuen Gemengelage sein wird.

„Für den deutschen Fußball ist das ein großer Schritt in die Zukunft“, sagte der neue DFL-Chef Reinhard Rauball. Doch die Bundesliga-Vertreter sind nicht geschlossen von dem neuen Modell überzeugt, das den Vereinsvertretern „in einer historischen Sitzung“, so ein Teilnehmer, abseits der DFL-Residenz im „Frankfurter Hof“ mitten in der Innenstadt vorgestellt und über das anschließend beinahe sechs Stunden lang diskutiert wurde.

Der Name Kirch steht schließlich für die größte Finanzkrise der Bundesliga-Historie – und der Zusammenbruch des Imperiums des Sohnes eines fränkischen Winzers ist erst fünf Jahre her. „Doch für solche emotionale Geschichten ist kein Platz mehr“, beschied Rauball, dessen Argumente zusammen mit Seiferts finanziell begründeten Notwendigkeiten („Deutschland hat den schwierigsten Pay-TV-Markt der Welt und die Grenzen des natürlichen Wachstums sind erreicht“) schließlich die Vorbehalte überstimmten. Schlussendlich wagte es nur der Hamburger SV, als einziger Klub gegen das neue Vermarktungsmodell zu stimmen. Die Hanseaten outeten sich damit als Robin Hood des deutschen Profifußballs.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben