Bundestagswahl : Im Doppelpack

2009 soll es zwei TV-Duelle geben. Die privaten Fernsehsender RTL und Sat 1 haben Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier bereits eingeladen. Die öffentlichen Anstalten ARD und ZDF warten die offiziellen Nominierungsparteitage ab. Ob das Fernsehduell eine Spitzenquote an Zuschauern verspricht, bleibt indes offen.

Kurt Sagatz
Kabinett - Merkel Steinmeier
Großes Duell im Fernsehen? Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) sind bereits von RTL und Sat 1 eingeladen worden....Foto: dpa

BerlinWarum warten? Seit Anfang September 2008 steht fest, dass bei der nächsten Bundestagswahl am 27. September 2009 Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier als Spitzenkandidaten von CDU beziehungsweise SPD ins Rennen um die Kanzlerschaft gehen werden, haben sich RTL und Sat 1 gesagt und bereits jetzt die Bundeskanzlerin und den Außenminister zur Teilnahme an den "TV-Duellen 2009" eingeladen.

Anders als 2005 soll es nach dem Wunsch der beiden Sender wieder zwei Duelle geben, eines bei RTL und Sat 1, das andere bei ARD und ZDF. Die Einladungen an Merkel und Steinmeier wurden bereits Ende September ausgesprochen. Eine Rückmeldung der Parteien gab es bislang nicht.

Noch ist Steinmeier nicht der offiziell nominierte Spitzenkandidat

"Der frühe Vogel fängt den Wurm", begründete Sat-1-Nachrichtenmann Peter Limbourg die frühzeitige Einladung. "So früh ist das im Übrigen gar nicht, der Wahlkampf wird langfristig geplant", sagte Limbourg dem Tagesspiegel. "2009 wird ein echtes Super-Wahljahr mit Europawahl, Bundestagswahl, Wahl des Bundespräsidenten und mehreren Landes- und Kommunalwahlen. Da kann man mit dem Planen nicht früh genug anfangen", sagte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel. Limbourg und Kloeppel hatten bereits das erste TV-Duell der Privatsender 2002 bestritten.

Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen hingegen erst dann formell zum TV-Duell einladen, wenn Steinmeier vom SPD-Parteitag offiziell zum Kanzlerkandidaten gewählt worden ist, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dieser Zeitung. "Über die weiteren Schritte werden wir mit den Parteien reden." Erschwert wird die Terminfindung durch die Entscheidungen auf Landesebene. Vier Wochen vor der Bundeswahl finden am 30. August 2009 Landtagswahlen im Saarland sowie in Sachsen und Thüringen statt, erinnerte der ZDF-Chefredakteur.

Menschelnde Kandidaten mit Wählern vor der Kamera

RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel wirbt jedoch nicht nur für ein Doppel-Duell, er kann sich überdies neue Diskussionsformate vorstellen. "Warum sollte man die Kandidaten nicht mit ausgesuchten Wählern zusammenbringen, wie es in den USA bei den Townhall Meetings bereits passiert?"

Darüber sei bereits 2002 und 2005 zwischen Parteien und Medien diskutiert worden, allerdings ohne Ergebnis. Kloeppel bleibt dennoch optimistisch: "Profis wie Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeier wären sicherlich in der Lage, auch mit unvorhersehbaren Fragen umzugehen", sagt der Medienprofi und kann sich für eine solche Sendung auch Zuschauerfragen via Internet vorstellen.

Langeweile oder Spitzenquote?

Dass es für das Publikum bei mehreren Duellen langweilig werden könnte, glaubt niemand: "In Amerika gibt es sogar drei Duelle", erinnert Peter Limbourg und auch für ZDF-Chefredakteur Brender ist Vielfalt ein Argument; er schränkt aber ein: "Für RTL und Sat 1 ist das TV-Duell der Höhepunkt in der Wahlberichterstattung, für uns ist es einer unter vielen". Zudem widerspricht er der Einschätzung, dass bei ARD und ZDF nur die Älteren zuschauen. "Beim Duell 2005 waren bei uns genauso viel Junge wie bei den Privaten", sagte Brender.

Die frühe Einladung findet indes nicht überall Zustimmung. Mit der Meldung versuchten RTL und Sat 1 im Windschatten von Obama und McCain Werbung in eigener Sache zu machen, wird von Seiten der Politik vermutet.

Die beiden TV-Duelle 2002 zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (Union) hatten 30 Millionen Menschen verfolgt. Amtsinhaber Schröder hatte sich auch 2005 für zwei Sendungen ausgesprochen, was von Angela Merkel (CDU) mit dem Verweis auf Terminprobleme abgelehnt wurde. Das einzige Duell zwischen den beiden Kontrahenten kam bei allen vier Sendern zusammen auf 20 Millionen; 9,7 Millionen schauten in der ARD zu, rund sechs Millionen im ZDF, 3,8 Millionen bei RTL und 1,4 Millionen bei Sat 1.

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