Medien : Bundeswehr-TV in der Bredouille

Eigentlich soll „bwtv“ eine „Brücke zur Heimat“ sein. Vor sechs Jahren wurde der eigene Fernsehkanal der Bundeswehr gegründet, um die Soldaten während ihrer Auslandseinsätze zu unterhalten und zu informieren. Täglich zeigt „bwtv“ Neuigkeiten aus Politik, Dokumentationen, militärische Lehrfilme, Sport und Filme, die den harten Alltag der Soldaten in Afghanistan und auf dem Balkan „bereichern“ sollen – aber anscheinend interessiert sich kaum ein Soldat für „bwtv“. Die Einschaltquote ist niedrig, die Produktionskosten sind hoch. Deshalb wird jetzt bei der Bundeswehr über die Existenzberechtigung des Kanals diskutiert.

Sechs Millionen Euro bringt die Bundeswehr für „bwtv“ auf. Womöglich zu viel für ein Programm, das Soldaten als „öde“ bezeichnen sollen. Fast zwei Drittel der Soldaten haben „bwtv“ noch nie gesehen, sagte gestern Fregattenkapitän Uwe Tautges, Koordinator der zentralen Truppeninformation im Verteidigungsministerium.

Der Sender wird nun auf seine Wirtschaftlichkeit hin untersucht. Bis Jahresende erwartet das Verteidigungsministerium in Berlin die Ergebnisse. Außerdem werde geprüft, ob und inwieweit private Anbieter die TV-Aufgaben für die Soldaten nicht ebenso gut oder besser und wirtschaftlicher übernehmen könnten, sagte Tautges.

Die Fernsehmacher der Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr in Sankt Augustin bei Bonn verteidigen ihren Sender. Wenn man bedenke, dass die Soldaten auch andere Fernsehprogramme wie ARD und ZDF verfolgen, sei die Quote „durchaus befriedigend“, sagte Oberst Thomas Beier, Leiter der Informations- und Medienzentrale und für „bwtv“ verantwortlich.

Die Soldaten würden hoffen, dass der Sender bestehen bleibt. So würde die Truppe im Einsatz soziale, kulturelle und politische Themen „anmahnen“. Aber „bwtv“ bemühe sich auch, die Soldaten Sportereignissen vom Einsatzalltag abzulenken. So werde es von den Olympischen Spielen in China ausführliche Sendungen geben. ddp/sop

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben