Bundeswehrsprecher Jörg Langer : "Die Truppe erträgt das"

Wie macht man Medienarbeit für die Bundeswehr im Einsatz in Afghanistan? Sprecher Jörg Langer spricht mit dem Tagesspiegel über die Berichterstattung am Hindukusch.

Soldat mit Schützenpanzer. Bei einem sogenannten Medientag stellt sich die Bundeswehr den Fragen und der Nachfrage der Journalisten aus Deutschland. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Soldat mit Schützenpanzer. Bei einem sogenannten Medientag stellt sich die Bundeswehr den Fragen und der Nachfrage der...Foto: picture-alliance/ dpa

Herr Langer, die Bundeswehr ist seit neun Jahren in Afghanistan: Wie hat sich die Pressearbeit im Einsatzland verändert?

Wir sind offener geworden. Wir kommunizieren sehr viel mehr aktiv, von uns aus, reagieren nicht nur auf Anfragen. Das sehen Sie zum Beispiel im Internet, wo wir auf der Seite www.bundeswehr.de immer, wenn im Einsatzland etwas passiert, zeitnah darüber informieren. Das war früher nicht immer der Fall.

Welche Folgen hat das für die Berichterstattung über die Bundeswehr und ihre Einsätze?

Das ist ganz spannend. Wenn, sagen wir, 2008 ein Soldat leicht verwundet wurde oder sich auch nur leicht verletzte bei einem Verkehrsunfall, wurde das am nächsten Tag in den Medien abgebildet. Heute wird ein solches Vorkommnis im Nachrichtendschungel ganz anders wahrgenommen. Die Ereignisse selbst, Gefechte, Sprengfallen, Feindkontakte, haben an Zahl und Umfang zugenommen - und im gleichen Maße hat sich die Berichterstattung verändert: In der deutschen Medienlandschaft findet sich inzwischen ein deutlich umfangreicheres, vollständigeres und differenzierteres Bild wieder.

Früher lebten Journalisten in Hotels fernab des Geschehens, jetzt im Feldlager mit den Soldaten. Warum?

Das hat natürlich auch etwas mit der Sicherheitslage vor Ort zu tun, die sich nicht nur positiv entwickelt hat. Wir können heute gar nicht mehr verantworten, dass Journalisten etwa in Kundus-Stadt untergebracht sind. Das wäre viel zu gefährlich. Also sind sie jetzt im Lager, und damit sehr viel näher an der Truppe und deren Arbeits- und Lebensalltag.

Was bedeutet es für die Soldaten, wenn Journalisten permanent präsent sind?

Da gibt es eigentlich kaum noch Berührungsängste. Das ist ja auch nichts Ungewöhnliches mehr. Das kennt man so. Das ist ein Dauerzustand, an den man sich gewöhnt hat. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass vor allem viele Soldaten sogar dankbar für das Interesse sind, das ihnen entgegengebracht wird.

Was heißt das für die Operationen der Truppe?

Dass jemand dabei ist, der geschützt werden muss. Bei dem darauf zu achten ist, dass er weder sich noch andere gefährdet. Das erträgt die Truppe aber ganz gut.

Journalisten gehen mit auf Patrouille, begeben sich in die Gefahr von Gefechten. Sind sich sie des Risikos ausreichend bewusst?

Ja. Die meisten Journalisten sind nicht nur einmal da. Sie wissen sehr genau, worauf sie sich einlassen. Da finden sich keine Hasardeure. Mir sind keine Beschwerden von Soldaten bekannt, dass man sich wegen des Verhaltens eines Journalisten gefährdet gefühlt habe.

Gab es schon mal Zwischenfälle mit Journalisten in gefährlichen Situationen?

Es gibt gewisse Spielregeln, an die sich alle zu halten haben. Erstens ist grundsätzlich ein Begleiter dabei, der ein Auge auf die Sicherheit des Journalisten hat und die patrouillierende oder kämpfende Truppe von dieser Aufgabe entlastet. Zweitens weiß jeder Journalist, dass er den Anweisungen des Verantwortlichen zu folgen und zum Beispiel das gepanzerte Fahrzeug nicht zu verlassen hat, wenn die Situation danach ist. Drittens kriegen Journalisten von uns eine Splitterschutzweste, einen Gefechtshelm, eine spezielle Sanitätsausstattung. Also, alles, was man braucht, denn es sind schon Journalisten in gefährlichen Gefechtshandlungen dabei gewesen. Glücklicherweise ist bisher keinem was passiert.

Welche deutschen Medien sind dauerhaft vor Ort?

Grundsätzlich besuchen uns Medienvertreter, und zwar Hörfunk- und TV- genauso wie Printjournalisten aus allen Regionen Deutschlands für meist ein bis, in Ausnahmefällen, maximal drei Wochen. Für einen 45-Minuten-TV-Beitrag braucht man mehr Zeit als zum Beispiel für ein Gespräch mit Soldaten aus der Heimatregion. Wirklich dauerhaft in Afghanistan sind nur wenige deutsche Medien. Darunter fallen zum Beispiel Korrespondenten mit ihren Sitzen in Pakistan, Indien und einem in Kabul.

Wie wird sich die Pressearbeit in Zukunft verändern? Wird es embedded journalism auch bei der Bundeswehr geben?

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir etwas den US-Streitkräften Vergleichbares machen werden, also einen Journalisten mehrere Wochen oder Monate mit der Truppe unterwegs sein lassen. Dagegen spricht insbesondere, dass wir die Soldaten nicht überstrapazieren dürfen.

Das Gespräch führte Michael Schmidt.

Oberstleutnant

Jörg Langer
vom

Einsatzführungskommando in Potsdam ist der Sprecher für die Bundeswehrmission in Afghanistan.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben