Medien : Bunte Bilder, große Tasten

Das Seniorenhandy heißt „Katharina das Große“ und der Einfach-Computer „SimPliCo“. Was der Generation 50plus im Internet angeboten wird

Kurt Sagatz

Dass Katharina die Große einst Zarin von Russland war, wissen vermutlich die meisten. Was allerdings „Katharina das Große“ ist, hingegen kaum jemand. Dabei handelt es sich um ein „neues Senioren-Handy made in Germany“, erfährt man auf der Internet-Seite www.lebensphasen.de. Betreiber WinLife Community behauptet, das Online-Portal sei eine der deutschsprachigen Internet-Gemeinschaften „für die Generation 50plus, Ruheständler, Rentner und Senioren“. Zu einem solchen Angebot gehören offenbar Telefone mit besonders großen und beleuchteten Tasten und Displays unbedingt dazu, wie ein Blick auf die Seite Feierabend.com zeigt. Auch auf deren Homepage prangt ein Bild von einem Telefon mit übergroßem Nummernblock namens „Geemarc CL 400“, das Anrufe mit „extrem hellen Lichtblitzen und optional über ein Vibrationskissen“ signalisiert.

Also doch: Hörverstärker, Lichtsignalanlagen und Pflegeprodukte für Hörgeräte – so sieht die Welt der älteren Mitbürger im Internet aus. Aber der Eindruck trügt. Auf Feierabend.com – „dem Webtreff für die besten Jahre“ – geht es nur am Rande um Hörgeräte und Gehhilfen, sondern auch darum, ob der „smart fortwo“ der „ideale Wagen für die ältere, jung gebliebene Generation“ ist, was in die Reiseapotheke für den nächsten Urlaub gehört und wie man am besten Gleichgesinnte über das Netz findet. Fast 90 000 Mitglieder zählt diese Internet-Gemeinschaft.

Statistisch gesehen ist derzeit weit über die Hälfte der Deutschen im Internet. Rund 55 Prozent der über 14-Jährigen haben hierzulande einen Anschluss ans World Wide Web. So steht es im „(N)Onliner Atlas 2005“, der jedes Jahr vom Forschungsinstitut tns infratest und der Initiative D21 erstellt wird. Der Sonderauswertung „Internetnutzung von Frauen und Männern ab 50 Jahren in Deutschland“ ist zu entnehmen, dass die Generation 50plus inzwischen zu gut einem Drittel (30,5 Prozent) „drin“ ist.

Interessanter jedoch als die absoluten Prozentzahlen ist das Wachstum bei den über 50-jährigen Internet-Nutzern. So ist nicht nur in fast allen Altersgruppen ab 50 Jahren die Internetnutzung weiter gestiegen, sondern in den meisten Fällen sogar stärker als in der Gesamtbevölkerung (plus 2,4 Prozent von 2004 auf 2005). Vor allem die Männer im Alter von 65 bis 69 Jahren verbringen ihre Zeit verstärkt im Internet, in dieser Altersgruppe nahm die Nutzung um acht Prozent zu, während bei den Frauen nur bis zum Alter von 64 Jahren ein Zuwachs (vier Prozent) verzeichnet wurde. Um das Netz für Ältere noch interessanter zu machen, sei es darum nötig, „klaren Nutzen erkennbar zu machen, Kenntnisse im Umgang mit dem Computern und Internet zu vermitteln und öffentliche Zugangsorte zu schaffen“, fordert D21-Vorstandsmitglied Barbara Schwarze und ergänzt: „Wir brauchen ein ausgewogenes Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Internetnutzung und zudem kompetente Beratung und Unterstützung bei der Anschaffung und Nutzung.“

Der Ruf ist angekommen, zumindest bei einigen Firmen. Gerade hat der Computerhersteller Fujitsu Siemens den so genannten „SimPliCo“ vorgestellt. Äußerlich unterscheidet sich der Computer kaum von den üblichen Modellen. Doch im Innern, also bei der Software, haben sich die Entwickler an den Bedürfnissen der älteren Menschen orientiert. Zum Beispiel bei der Benutzeroberfläche, also dem Startbildschirm, den man nach dem Einschalten des PCs sieht. „Er ist in vier farblich markierte Bereiche unterteilt. Jede Farbe steht für eine Anwendungsart: Blau für Büro und Organisation, Rot für Internet und E-Mail, Grün für Hobby und Freizeit und Gelb für Spaß und Spiel“, erklärt PR-Manager Lothar Lechtenberg. Die dafür nötigen Programme sind bereits installiert. Auch die Tastatur ist eine Sonderanfertigung mit etwas größeren Tasten und einigen Funktionstasten, deren Farben dem Startbildschirm entsprechen. Nach dem ersten Einschalten gibt der Besitzer eine Reihe von persönlichen Daten ein. Daraus erstellt der PC dann automatisch den Briefkopf für die Textverarbeitung oder die Einstellungen für den E-Mail-Anschluss. Auch bei den Spielen hat man sich auf die besondere Nutzergruppe eingestellt. Neben dem Windows-Standardspiel Solitär kann man am PC Karten spielen oder puzzeln. Aber: Bei der Konzeption des „SimPliCo“ wurde darauf geachtet, die Nutzer zwar anzuleiten, aber nicht zu bevormunden. So werden zwar eine Reihe von sinnvollen Webseiten vorgeschlagen, es werden jedoch keinerlei Seiten gesperrt. Die ersten Reaktionen sind Lechtenberg zufolge sehr positiv, auch wenn man noch bis Juli warten muss, bis das Gerät in den Handel kommt.

Dass man die finanzkräftige Generation bei der Online-Nutzung nicht allein lassen darf, haben auch die Kreditinstitute erkannt. Die Dresdner Bank bietet seit zwei Jahren Internetkurse für „Einsteiger ab 50“ an. Anfangs als Online-Lernprogramm für Mitarbeiter konzipiert, wurden die Kurse auch den Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bislang hatten ältere Menschen von Bankgeschäften über das Internet einen weiten Bogen gemacht. Nur sieben Prozent der Deutschen, die ihre Geldgeschäfte bequem vom Internet-PC aus erledigen, sind über 60, hat die Postbank ermittelt. Dabei legt das Institut Wert auf die Feststellung, dass bei der Postbank erheblich mehr ältere Kunden die Online-Funktionen nutzen als bei der Konkurrenz und führt das auf die klare und übersichtliche Gestaltung der Homepage zurück. In dem eigens eingerichteten Kundenbeirat 60plus wird zudem darüber nachgedacht, ob nicht ein spezielles Portal für ältere Nutzer nötig sei.

Insgesamt gilt: In punkto Internet ist Deutschlands Generation 50plus gespalten. Während die eine Gruppe zunehmend die Vorteile für das tägliche Leben, für die Vernetzung mit Gleichgesinnten und vor allem für Nutzwertiges erkennt, verweigert sich die andere Gruppe standhaft gegen die technischen Neuerungen. Unter Schirmherrschaft von Bundesministerin Ursula von der Leyen wurde darum im Mai das „Online-Jahr 50plus – Internet verbindet“ ins Leben gerufen. Zwölf Monate lang werden an 220 Standorten der Republik Internetkurse für diese Altersgruppe angeboten. Zusammen mit Partnern wie T-Online, der Bahn, der Postbank oder Symantec finden vierstündige Kurse zu den Bereichen Einkaufen, Finanzen, Gesundheit, Reisen und Sicherheit im Internet statt. Unter der Telefonnummer 0800 330 21 22 oder im Internet unter www.50plus-ans-netz.de erfahren Interessenten, welche Kurse in ihrer Nähe angeboten werden, und können sich gleich dafür anmelden.

Mehr zum Thema unter:

www.50plus-ans-netz.de

www.nonliner-atlas.de

www.feierabend.com

www.lebensphasen.de

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