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Medien : „Buße ist nicht meine Stärke“

Warum Udo Reiter den Mitteldeutschen Rundfunk vorzeitig verlässt

Ein Bayer im Osten. Udo Reiter steht seit der Gründung des MDR 1991 an der Spitze der ARD-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der 67-jährige Lindauer ist der dienstälteste Intendant im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Foto: dpa
Ein Bayer im Osten. Udo Reiter steht seit der Gründung des MDR 1991 an der Spitze der ARD-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und...Foto: dpa

Herr Reiter, „nach gründlichem Nachdenken“ haben Sie sich entschlossen, vorzeitig als Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks aufhören. Worüber haben Sie gründlich nachgedacht, ja nachdenken müssen?

Ich habe gesehen, dass meine alten Mitstreiter – Jobst Plog, Fritz Pleitgen, Peter Voß, Thomas Gruber, Günter Struve – alle ausgeschieden sind und dass die ersten – Jörg Klamroth, Fritz Raff – sogar schon wegsterben. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich wollte nicht als letzter Dinosaurier die ARD-Landschaft bereichern.

Als Sie 2008 als MDR-Chef bestätigt wurden, haben Sie eine Amtszeit bis 2015 ausgemacht. Und jetzt, im Mai 2011, kündigen Sie plötzlich den Abschied an. Das sieht sich erstaunlich an, finden Sie nicht auch?

Nein, das finde ich nicht. Man kann auch im Alter noch lernfähig sein.

Ist das ein ganz einsamer Beschluss gewesen oder lässt sich auch ein Udo Reiter mal beraten?

Ich habe mich beraten lassen, allerdings nicht auf die Berater gehört, sonst hätte ich noch 20 Jahre bleiben müssen.

Im Zuge der Aufklärung des Kika-Betrugsskandals sind Mitarbeiter wie der MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze und der amtierende Kika-Geschäftsführer Steffen Kottkamp abgemahnt und ermahnt worden. Sie selber, als letztverantwortlicher Intendant, blieben von jeder Sanktion verschont. Jetzt gehen Sie, im Wissen, dass die Aufklärung des Kika-Skandals und Ihr Abgang im Zusammenhang gesehen werden müssen. Ihre Art der Buße?

Buße tun ist nicht meine starke Seite. Ich habe stattdessen lieber die Aufklärung vorangetrieben und die notwendigen organisatorischen und strukturellen Maßnahmen auf den Weg gebracht, die so etwas künftig verhindern werden.

Sie wollen noch in diesem Jahr aufhören, sobald ein Nachfolger bestellt ist. Wenn Sie um Rat gefragt werden, nach welchen Kategorien muss der neue Intendant/die neue Intendantin bestimmt werden? Auf jeden Fall ein Ossi, jemand aus dem MDR, aus Mitteldeutschland, aus der ARD? Was sind Ihre Vorstellungen?

Eine Intendantenwahl ist kein Wunschkonzert. Das Verfahren ist geregelt und es spricht alles dafür, sich an diese Regeln zu halten. Konkret: Der Verwaltungsrat schlägt vor, der Rundfunkrat wählt. Wenn mich jemand um einen Rat fragt, werde ich ihn gerne geben.

Sie sind der Gründungsintendant des MDR. Die Drei-Länder-Anstalt wurde quasi aus dem Nichts zum Erfolg gebracht. Trotzdem, die Zeiten werden für Ihren Nachfolger nicht eben leichter, die Gebührenausfälle wegen Wegzugs oder Befreiung schlagen beim MDR heftig ins Kontor. Sind nach den strahlenden Aufbaujahren jetzt trübe Zeiten zu erwarten?

Die Zeiten werden in der Tat härter. Man wird sich in Zukunft überlegen müssen, welche Zielgruppen man auf welchen Ausstrahlungswegen, mit welchen Angeboten erreichen will. Aufbaujahre haben immer ihren besonderen Charme.

Das Interview führte Joachim Huber.

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