Casting : Malaysia sucht den Super-Imam Fromme. Fernsehshow lockt Millionenpublikum.

Julia Yeow/Christiane Oelrich

Leichen waschen und Gebete rezitieren, das ist nicht gerade der Fernsehstoff, aus dem Quotenhits zu sein scheinen. Im muslimischen Malaysia lockt aber genau das seit Wochen Millionen Menschen vor die Bildschirme, vor allem junge Frauen. Sie schmachten Männer an, die in der Show als moderne Muslime mit Führungsqualitäten punkten müssen. Jede Woche ist einer ausgeschieden. Der Sieger bekommt einen Studienplatz in Saudi-Arabien, ein Auto, einen Laptop und dürfte bald als Prediger Karriere machen.  „Die Teilnehmer sind jung, sehen gut aus, und die meisten sind nicht verheiratet“, sagt Yati, eine junge Frau aus Kuala Lumpur, die noch keine Folge verpasst hat. „Sie kommen als Traummann für jedes gläubige Mädchen infrage.“

Zehn Bewerber zwischen 18 und 27 sind im Mai bei „Imam Muda“ (Junger Imam) angetreten, um ihre Religiosität und ihr Wissen über islamische Riten und Praktiken testen zu lassen. Ein Prediger und ein Student, ein Geschäftsmann und ein Bauer waren dabei. Sie traten in schicken Anzügen auf und sprengten das Bild, das viele junge Muslime von Imamen haben: alte, weise Männer mit Rauschebart, die mit erhobenem Zeigefinger altmodische Ansichten vertreten. Die jungen Männer müssen sich zu Umweltthemen und junger Liebe äußern – Dinge, die junge Muslime relevant finden.

Im Finale am heutigen Freitag stehen Muhammad Asyraf Mohamad Ridzuan (26), der mit seinen zarten Gesichtszügen fast noch als Abiturient durchgehen würde, und Hizbur Rahman Omar Zuhdi (27) mit einem Hauch von gepflegtem Kinnbärtchen. Der einzige Juror der „Imam Muda“-Show ist Hasan Mahmud, der frühere Vorsteher der nationalen Moschee in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Malaysia versucht seit Jahren, sich als progressives islamisches Land zu etablieren. Rund 60 Prozent der 28 Millionen Einwohner sind Muslime. Die großen Minderheiten von Christen, Buddhisten und Hindus haben allerdings manchmal Probleme mit dem Label „islamisches Land“. Sie klagen über Diskriminierung, etwa beim Bau von Kirchen oder Tempeln.    Julia Yeow/Christiane Oelrich (dpa)

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