Castingshow : Frau, Single, Elend

Sat 1 schickt drei Promis auf Männerfang. Auf den -Werbeplakaten heißt es: "Die nehmen nicht jeden." Aber Nick, Maya Dingsbums und die Setlur nehmen alles, was ihnen das Fernsehen anbietet. Auch das Elend.

Joachim Huber
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Warten auf den Prinzen. Désirée Nick (links), Sabrina Setlur (Mitte) und Maya Prinzessin von Hohenzollern. -Foto: Sat 1

Sat 1 startet heute die Doku-Soap „Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann“. Die drei Traumfrauen sind Désirée Nick (52), Maja Prinzessin von Hohenzollern (37) und Sabrina Setlur (35). Sat 1 behauptet, die drei „führen ein Leben, von dem viele Frauen träumen: mit spannenden Jobs, schicken Partys und prominenten Freunden“. Schon wahr, Désirée Nick arbeitet hart als „schräge Nick“ für ihr und das Auskommen ihres Sohnes, was macht aber Maya Dingsbums, außer sich um ihre fünf Hunden, vier Katzen, sieben Katzenbabys und drei Kaninchen zu kümmern? Sabrina Setlur hat, das darf man aus der Sender-Biografie schließen, zuletzt vor zehn Jahren massenhaft Tonträger verkauft.

Spannende Jobs, schicke Partys, prominente Freunde? Muss da nicht jeden Tag wenigstens ein toller, paarungswilliger Typ vorbeimarschieren? Bei Sat 1 die verwöhnte, anspruchsvolle, attraktive Erfolgsfrau geben – das kann in aller Welt doch keiner glauben. Letzte Überweisung Fernsehsender, letzte Ausfahrt Fernsehstudio, das ist die ganze grausame Wahrheit. Erst die Gage, dann der Mann. Auf den Sat-1-Werbeplakaten heißt es: „Die nehmen nicht jeden.“ Aber Nick, Maya Dingsbums und die Setlur nehmen alles, was ihnen das Fernsehen anbietet. Auch das Elend.

Als Giulia Siegel für Pro 7 „in love“ war, sanken erst die Erwartungen unter Null, dann folgten die Quoten. Das Quietscheentchen hat das so ausgestattete und damit fragwürdige Frau-sucht-Mann-Format endgültig ruiniert, was Sat 1 nicht mitbekommen hat oder nicht begreifen wollte. Sender wie diese engagieren Frauen, die das Fernseh-Engagement als Durchlauferhitzer einer festgefahrenen Karriere, eines festsitzenden Lebens begreifen können. Wo „Mr. Right“ nicht vorbeischaut, weil schon Hans und Franz ins Grübeln kommen.

Die ehrlichere Alternative zu den „Promi-Singles“ wäre für Maja Dingsbums und Sabrina Setlur das „Dschungelcamp“, das die lebensharte Désirée Nick mit Bravour absolviert hat. Aber „Dschungelcamp“ fällt in diesem Jahr aus, RTL muss sparen. Also „Giulia in Love“ und „Promi-Singles“.

Frauen lassen sich vorführen, ausstellen, verkuppeln. Männer scheinen da zurückhaltender. Sie sitzen in Jurys, die Frauen beurteilen, sie graben Detlef D! Soost die „Popstars“-Spur unverdrossen tiefer und tiefer, sie sind auf immer der nicht-lustige Elton, egal, sie sind näher bei sich selbst als diese Fernsehfrauen, die unglaubwürdigst auf den Fluchtpunkt Mann starren. Oder die Kerle sind gemeiner: Sie haben die verantwortlichen Sender-Positionen besetzt und schicken die Frauen in diese hohlen Fernsehgassen. Joachim Huber

„Die Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann“, 20 Uhr 15, Sat 1

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