Castingshow für Start-ups : Den Löwen vorgeworfen

Casting-Show einmal anders: Die neue Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" will junge Start-up-Unternehmen fördern.

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Sie wollen mehr. Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer (von links) finanzieren mit ihrem Geld junge Start-up-Unternehmen.
Sie wollen mehr. Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer (von links) finanzieren mit...Foto: Vox

Man nehme eine Horde erfolgshungriger Jungunternehmer, fünf millionenschwere Investoren und ein Fernsehstudio: Fertig ist die neue Show, die dem Sender Vox sechs Dienstagabende lang Erfolgsquoten sichern soll. Dabei präsentieren Start-up-Firmen in der „Höhle“ (Studio) den fünf „Löwen“ (Investoren) neue Geschäftsideen. Und genau in die sollen die Löwen anschließend bitte investieren. Weltbewegende Innovationen wollen finanziert sein: zum Beispiel Fingernagel-Lackierhilfen oder wasserfeste Geldbörsen.

In den USA und in Großbritannien ist das Format ein Zuschauer-Garant

Das klingt mäßig spannend, ist in den USA und in Großbritannien aber ein Zuschauer-Hit. Dort laufen ähnliche Formate unter Titeln wie „Shark Tank“ und „Dragons’ Den“ – teilweise bereits in der elften Auflage. Die durch die Shows geförderten und beworbenen Produkte verkaufen sich im Nu millionenfach. Ganz egal, ob Sport-Armbanduhr oder Barbecue-Soße jamaikanischen Ursprungs. Das könnte auch hierzulande funktionieren, dachten sich wohl alle Beteiligten. Weil „Haifischbecken“ und „Drachengrube“ aber schon an die englischsprachigen Versionen vergeben waren, wurde für Vox die Löwenhöhle eingerichtet. Die nimmt sich mit dunklem Parkett, tiefen Sesseln und Beistelltischchen sehr elegant aus. Für millionenschwere Finanzmagnate und solche, die es werden wollen, gerade gut genug.

Geld, Erfolg, Macht: Was die Löwen bereits haben, wollen auch die Jungunternehmer. Wie Marvin Metzke, 27, und David Hagenkötter, 26, aus Berlin. Beide haben in Maastricht studiert, ihr Unternehmen „CrispyWallet“ dort noch vor dem Masterabschluss gegründet. Die Geschäftsidee: Handytaschen und Portemonnaies aus Recycling-Material. Wasserdicht, reißfest und schick. Hergestellt in Handarbeit, umweltfreundlich produziert. Das ist wichtig heutzutage, immerhin soll das grüne Gewissen der Kunden in spe angesprochen werden. Und natürlich das der Investoren.

Unter den Investoren ist auch Reise-Tycoon Vural Öger

Metzke und Hagenkötter hätten sich bei Vox um einen Platz in der Sendung bewerben können. Haben sie aber nicht. „Wir waren recht aktiv auf diversen Social-Media-Plattformen“, sagt Metzke. „Vox ist auf uns zugekommen. Wir passten wohl gut in die Show, weil wir etwas Handfestes herstellen.“ Die beiden Jungunternehmer sagten zu, auch wenn die „Höhle der Löwen“ nicht ihre einzige Option gewesen wäre, an Geld zu kommen. Eine niederländische Bank hatte schon ganz zu Beginn in CrispyWallet investiert. „Die hätten das auch ein zweites Mal getan“, sagt Metzke. „Aber eine Bank ist kein Unternehmer. Die Löwen schon, sie verstehen uns einfach besser.“

Die Verständnisvollen, das sind Vural Öger, Jochen Schweizer, Judith Williams, Frank Thelen und Lencke Wischhusen. Öger gehört ein Reiseimperium, das sich auf die Türkei spezialisiert hat. Williams kommt vom Teleshopping, der ehemalige Stuntman Schweizer verdankt sein Geld einer Event-Geschenk-Plattform. Thelen gilt als Frühinvestor in der App- und IT-Branche, Wischhusen ist Vorsitzende der „Jungen Unternehmer“. Durchaus keine unbekannten Namen also, auch wenn die Zuschauer wohl nicht sofort mit allen etwas anfangen können. Casting- und Reality-TV hin oder her, ein Investor ist nun mal kein Dieter Bohlen. Der Rampensau-Status fehlt allen fünfen.

Den jungen Unternehmern wie Metzke und Hagenkötter dürfte das egal sein. Sie sehen die Investoren zum ersten Mal beim Pitch, also wenn sie ihre Idee präsentieren. Die benötigte Summe wird genannt, im Gegenzug bekommen die Investoren Geschäftsanteile geboten. Ob sich die Parteien einig werden, darauf nimmt Vox angeblich keinen Einfluss. Wenn kein Investor Potenzial sieht, geht die Kamera für das Start-up aus. Kommt es zu Vertragsverhandlungen, wird auch nicht gefilmt. „Das kann man nicht alles senden“, so Metzke, das sei zu langatmig für das Publikum. Doch sogar Journalisten bekamen von Vox bisher nur wenig zu sehen: Statt einer ganzen Folge gab es einen einzigen Pitch als Appetithäppchen – plus ein paar Sendungsschnipsel. Denen zufolge können sich sie Zuschauer auf halbfertige Produkte und überzogene Investment-Vorstellungen einstellen. Inklusive Geldbörsen und Nagel-Lackierhilfe.

„Die Höhle der Löwen“, Vox, dienstags, 20 Uhr 15

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