Castingshows : Wege zum Rühmchen

Popstars und Modepuppen: Der Castingshow-Boom hält an. 60.000 Jugendliche singen, tanzen, modeln auf allen TV-Kanälen und Millionen schauen zu.

Markus Ehrenberg,Joachim Huber
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Topmodels. Castingshows werden bei Teilnehmern und Publikum immer beliebeter. -Foto: ddp

Das sieht nach „Drama, Drama“ aus. Wer soll denn jetzt den vermeintlichen Models das perfekte Stöckeln und das Handtäschchen-Schwenken beibringen? Bruce Darnell konnte das. In den ersten beiden Staffeln von „Germany’s next Topmodel“ (GNT) hat der Choreograph mit den Kandidatinnen gelitten und gearbeitet. Aber der 50-jährige Amerikaner hat sich – geradezu shocking – für das ARD-Werberahmenprogramm engagieren lassen, für eine Coaching-Show mit dem Arbeitstitel „Bruce“. Start ist der 12. Februar im Ersten, nur neun Tage, bevor die dritte Staffel von „Germany’s next Topmodel“ mit 100 Kandidatinnen am 21. Februar bei ProSieben startet.

Bruce Darnell stöckelt fremd, dafür kommt der französelnde Casting-Direktor Rolf Scheider in die Jury, in der Model-Domina Heidi Klum und Agent Peyman Amin weiterhin sitzen werden. Um die Abwesenheit von „Baby“-Bruce zu kompensieren, hat sich ProSieben noch einen Joker einfallen lassen. In jeder Folge soll künftig ein Gast-Juror mitentscheiden, wer weiß, ob sich da nicht ein zweiter Darnell herausmendelt. Die Juroren bekommen einen Haufen Arbeit, denn für die dritte Staffel von „GNT“ haben sich 18 200 junge Frauen beworben. Das ist Rekord, am Anfang waren es 11 637, bei der zweiten Ausgabe 16 420 Bewerberinnen.

Heidi Klum will an ihrem Konzept festhalten und den jungen Frauen einen realistischen Einblick in die Model-Welt geben: „Der Wettbewerb wird intensiver.“ Noch mehr Glamour, Tränen, Emotionen. Was Klum vorweisen kann, abseits allen Inszenierungs-Tralalas, sind die beiden bisherigen Gewinnerinnen: Lena Gercke aus Cloppenburg und Barbara Meier aus Regensburg sind laut Klum gut im Geschäft. Sie laufen für Modezeitschriften und drehen Werbespots. „Lena und Barbara haben es geschafft“, sagte die 34-Jährige Klum: „Sie haben sich ihren Traum erfüllt.“ Zugleich haben sie weder abgehoben noch sind sie abgestürzt. Beide wohnen noch bei ihren Eltern, sagten sie am Dienstagabend in Hamburg. Die 19-jährige Gercke wohnt bei Mutter und Vater in Cloppenburg, die 21-jährige Meier bei Regensburg. „Man muss auf dem Teppich bleiben“, sagte Gercke. Meier: „Ich bin so viel unterwegs, da lohnt es sich gar nicht, eine eigene Wohnung zu beziehen.“ Lena Gercke hat nach eigener Aussage ihr Abitur im Mai geschafft und wird in einen Werbefeldzug für einen Lakritz-Produzenten einsteigen. Barbara Meier ist für drei Kampagnen eingespannt worden: für eine Süßigkeit, für Bekleidung und ein Haarpflegemittel. Die Mathematikstudentin will weiter an der Universität bleiben, aber möglichst wenige Veranstaltungen besuchen. Sie könne keinen Schritt mehr tun, ohne erkannt zu werden. Mit ihrem Studium will sie auch Vorurteilen entgegentreten, „alle Models seien dumm“.

Der Castingshow-Boom soll also weiter vorangetrieben werden, auf allen Kanälen. Das ZDF plant für 2008 ein Musical-Casting mit Thomas Gottschalk. Am 23. Januar startet RTL die fünfte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Auf Mallorca, Ibiza, Köln, München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Berlin sollen sich laut RTL bereits 28 290 Teilnehmer mit Gesangsproben bei der Jury um Dieter Bohlen vorgestellt haben. Rechnet man die Möchtegernmodels dazu, standen oder stehen derzeit fast 47 000 Talente in der Warteschleife. Weitere 11 000 Kandidaten hatten sich für die sechste Staffel von „Popstars“ beworben. Der Heidi-Klum-Sender ProSieben präsentiert nach sechs Monaten heute Abend das dreistündige Finale. Allerdings sind die Quoten hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ohne die tränenreichen Entscheidungsshows und den echten Job in Aussicht wie beim „Topmodel“ fehlt offenbar etwas der Pepp. Die „Popstars“ verloren über eine halbe Million Zuschauer in der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Zuletzt waren es rund 1,6 Millionen Zuschauer, der Marktanteil sank im Vergleich zur fünften Staffel um rund acht Prozent auf 14,5 Prozent. Über eine Fortsetzung der „Popstars“ mache man sich jetzt noch keine Gedanken, so eine ProSieben-Sprecherin. Immerhin: Die letzten „Popstars“, die Girlgroup „Monrose“, haben es zu einigem Ruhm gebracht. Ähnliches erhofft man sich von der heute gewählten Band „Room 2012“, deren Tour noch dieses Jahr beginnen soll. Fünf Jungens und zwei Mädchen stehen zur Auswahl. Nur ein paar kommen durch. Auch ein kleines Drama, Drama.

„Popstars on Stage - Finale“,

ProSieben, 20 Uhr 15

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