Medien : "Celebrity Deathmatch": Wie war ich, Doris?

Annika Ulrich,Joachim Huber

Am Ende muss einer von beiden sterben, da macht MTV auch für Spitzenpolitiker keine Ausnahme. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer sind die Prominentesten unter den Prominenten, die heute abend als Knetfiguren in den Wrestlingring steigen. "Celebrity Deathmatch", auf Deutsch etwa "Prominenten-Todeskampf", heißt die Animations-Satire, die in den USA in den vergangenen vier Jahren Kult-Status erreicht hat und seit einem Jahr auch im deutschen MTV-Programm gesendet wird. Jetzt gehen sich erstmals Knetgummi-Klons deutscher Stars an die Gurgel. Würgen, kratzen, beißen, spucken - je hinterhältiger der Angriff, desto besser sind die Siegeschancen, wenn um 23 Uhr der Ring freigegeben wird. Sängerin Sabrina Setlur misst sich im Schlammcatchen mit Komikerin Anke Engelke, Kai Pflaume traktiert Thomas Gottschalk mit Tritten unter die Gürtellinie, der Fußballer Mario Basler reißt dem Handballer Stefan Kretzschmar den Ring aus der Nase. Alle elf Kämpfe werden hintereinanderweg gesendet, jedes einzelne Match dauert zwei Minuten und zeigt knapp 3000 martialische Verrenkungen, die in einem Stuttgarter Filmstudio nach einer gezeichneten Vorlage geknetet und mit einer Digitalkamera aufgenommen wurden. 24 Mal pro Sekunde müssen die 30 Zentimeter hohen Knetfiguren ihre Kampfposition verändern, damit die Bewegung flüssig wirkt. "Es ist die aufwändigste und teuerste Produktion, die wir je auf dem Schirm hatten", sagt Elmar Giglinger, Programmchef von MTV Deutschland.

Ein Jahr im Voraus musste die Redaktion in München entscheiden, welche Promipaare in den Ring steigen. "Es sind Stars, die wir ausnahmslos sympathisch finden, die gut ins MTV-Programm passen und von denen wir sicher sein konnten, dass sie auch nach der einjährigen Produktionszeit noch wichtig sind." Die Kämpfe sollen satirisch überspitzt sein, aber "es soll keine Tiefschläge geben", sagt Giglinger. Schwer vorstellbar, wenn man das amerikanische Original kennt. Auch dort kann es nur einen Sieger geben, und die Todesart, die dem Verlierer zugedacht wird, ist oft grässlich. Da fliegen Körperteile durch den Ring, in einer Folge wird ein Eimer mit Trinkwasser mit Hilfe einer toten Ratte verseucht, so dass sich die Innereien des Gegners auflösen. Bisher habe es keine Proteste der betroffenen Stars gegeben, sagt Giglinger, im Gegenteil: "Die meisten fühlen sich geehrt. Anke Engelke hat schon angefragt, ob sie ihre Puppe haben darf." Vorausgesetzt, von der ist nach dem Gemetzel noch etwas übrig. Das erfährt Engelke erst heute, wenn die Videokassette in ihrem Briefkasten liegt.

Deutschland ist das erste Land, das eine eigene Fassung von "Celebrity Deathmatch" bekommt. Das skurrile amerikanische Moderatorenpaar Nick und Johnny wurde ersetzt durch den eher farblosen Einzelreporter Harry Huber, der nach langen Überlegungen doch nicht Günter Netzer nachempfunden ist. Damit die Kämpfe realitätsnah sind, kämpft jedes Kontrahentenpaar mit den Waffen seiner Branche. "Bei Schröder und Fischer werden nicht nur Steine und Zigarren, sondern auch Kampfbomber fliegen", kündigt Giglinger an.Das Bundeskanzleramt habe sich bereits bei ihm gemeldet, sei aber nach dem Gespräch nicht mehr besorgt, sondern vielmehr "gespannt" gewesen.

Die Sensibilität kommt nicht von ungefähr. Vor zwei Jahren hatte eine Kanzler-Gummipuppe im Erotik-Magazin "peep" auf RTL 2 einen entblößten Riesenbusen mit Lustklemmen zur Schau gestellt, einen Dildo ausgepackt und Sex mit einer "Kellnerinnen"-Puppe gemacht. Danach erörterte die Schröder-Puppe mit Moderatorin Nadja Abdel Farraq sexuelle Praktiken von Politikern. Schröder hatte sich gegen die "Überschreitung der Geschmacksgrenzen" gewehrt, mit juristischen Konsequenzen gedroht. Der Sender und die Moderatorin, die vor der Ausstrahlung noch von einer "tollen Idee mit typisch englischem Humor" geredet hatte, entschuldigten sich daraufhin. Der gepiercte Kanzler kam nie wieder auf den Bildschirm.

Für ein bisschen Aufregung hatte auch "Hurra Deutschland" gesorgt, eine Gummipuppen-Reihe, die 1991 auf Sendung ging und nach 36 Folgen von der ARD nicht verlängert wurde. Einige "Hurra"-Puppen haben vor kurzem im Magazin "Fakt" ihre Wiederauferstehung gefeiert. Von "Wolke 7" kommentieren die allesamt verstorbenen Spitzenpolitiker Franz Josef Strauß, Willy Brandt und Erich Honecker die aktuelle deutsche Politik.

MTV will mit der deutschen Version von "Celebrity Deathmatch" den Vorsatz einlösen, mehr zu sein als ein reiner Musiksender. In mindestens einer Sendestunde am Tag sollen auch andere Inhalte vorkommen. Die Todeskämpfe werden nach der Premiere als Wiederholungen ins Programm eingestreut. Wenn sie bei der jungen Zielgruppe so gut ankommen wie erwartet, steht laut Giglinger "einer weiteren Generierung des Hypes nichts im Wege." Wilde Pläne habe er bereits im Kopf: "Zum Beispiel ein ganzes Deathmatch-Fußballspiel, elf gegen elf."

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