Medien : Charme mal zwei

Kerstin Decker

. Wir geben ja zu, sie für eine Frau ohne Eigenschaften gehalten zu haben. Ulla Kock am Brink. Nomen est omen? Und bei dem Namen Jörg Thadeusz dachten wir eher an gar nichts. Außerdem: Braucht dieses Land wirklich noch eine Talkshow? Aber die RBB-Premiere von „Leute am Donnerstag“ war ein Erfolg. Leichte Konversation, geistvoll, niemals schal. Genau das, was man von einer gelungenen Abendunterhaltung erwarten darf. Talkshows sind die Nachfolger der Tischgesellschaften vortelevisionärer Zeiten. Nichts fürs Tiefgründeln, nichts für Schicksalshaderer.

Dabei hatten die Gastgeber bis auf Günther Jauch und die tschechische Sängerin Marta Jandova lauter einst oder jetzt Gedemütigte eingeladen: Cornelia Schmalz-Jacobson, die nun doch nicht Bundespräsidentin wird, die beiden Fußballtrainer Meyer (Hertha) und Geyer (Cottbus), die nach der Wende schon allein deshalb keinen Fuß mehr an den Ball bekamen, weil sie aus dem Osten waren. Dazu den Kabarettisten Bernd Stelter, den Ulla Kock am Brink des akuten Spießertums verdächtigte, weil er in einem Reihenhaus wohnte und noch immer im Urlaub zum Camping nach Holland fährt. Nun gut, Stelter kämpfte ein bisschen („Spießer sind die, die Reihenhäuser und Holland spießig finden"), alle anderen zeigten eine schöne Gelassenheit. Sie wussten: Erniedrigte und Beleidigte sind eine Zumutung für ihre Mitmenschen. Sollen doch die anderen Bundespräsident werden! Ulla Kock am Brink und Jörg Thadeusz waren gute Gastgeber. Und plötzlich merkte man, was bei Kock am Brinks Viel-Geld-Shows nie auffiel: Die Frau hat Charme. Der Mann auch.

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