Medien : Chef gestürzt – „Le Monde“ in der Krise

Hans-Hagen Bremer

Die Redakteure der führenden französischen Tageszeitung „Le Monde“ haben ihren Patron Jean-Marie Colombani gestürzt. Der Journalist, der seit 1996 als Direktor mit der Funktion des Chefredakteurs, Herausgebers und Verlagschefs an der Spitze des Pariser Blattes steht, hatte sich um eine dritte sechsjährige Amtszeit beworben und dafür auch die „alternativlose“ Empfehlung der Mehrheit des Aufsichtsrats erhalten. Bei der Abstimmung der Redakteursgesellschaft, die ein Vetorecht bei der Wahl des Direktors hat, votierten jedoch nur 48,49 Prozent der 400 Redaktionsmitglieder für ihn. Colombani verfehlte damit die notwendige Mehrheit von mindestens 60 Prozent.

Der 58-Jährige zahlt mit seinem Sturz für eine verlegerische Strategie, die die Zeitung immer abhängiger von externen Geldgebern zu machen drohte und damit Sorgen der Mitarbeiter um die redaktionelle Unabhängigkeit auslöste. Colombani erwarb auf Kredit andere Blätter und baute „Le Monde“ zu einer Verlagsgruppe mit 3300 Mitarbeitern aus. „Allein kann eine Zeitung nicht überleben“, begründete Colombani die Strategie. Doch sie ging nicht auf. In den vergangenen sechs Jahren schrieb „Le Monde“ nur Verluste, zugleich fiel die Auflage von 420 000 auf 350 00 täglich verkaufter Exemplare zurück. Zur Finanzierung der Expansion holte „Le Monde“ externe Investoren wie den EADS-Aktionär und Verleger Arnaud Lagardère (17 Prozent) über Kapitalerhöhungen ins Haus. Weiteres Geld ist nötig. „Damit droht die Kontrolle durch fremde Kapitalgeber“, sagte Jean-Michel Dumay, der Vorsitzende der Redakteursgesellschaft. Heute soll ein Weg aus der Krise gefunden werden.

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