Medien : Cheyenne

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„Guilty Pleasures“ nennen die Amerikaner Leidenschaften, die objektiv betrachtet nur Durchschnitt bedeuten. Clint Walker ist ein solches „Guilty Pleasure“, auch dank Gordon Douglas wunderbarem B-Western „Man nannte ihn Kelly“, der Geschichte eines unabhängigen Waldläufers, der zwischen die Fronten von Rot und Weiß gerät. Walker war, ähnlich wie sein ebenso als „Guilty Pleasure“ verehrter Kollege Chuck Connors („Westlich von Santa Fe“), ganz unvoreingenommen betrachtet ein mäßiger Schauspieler. Die Filmzeitschrift „Steady Cam“ bezeichnete ihn gar einmal als „einen der hölzernsten Nicht-Schauspieler aller Zeiten“. Dafür verfügte der ehemalige Footballstar mit dem Brustkorb eines Grizzly-Bären über etwas, das man auf keiner Schauspielschule und in keinem Actor’s Studio lernen kann.

Walker hatte eine natürliche Leinwand- Präsenz, die bis heute ihresgleichen sucht. Er beherrschte die Leinwand oder den Bildschirm mit schlichter Selbstverständlichkeit. Walker war da, wie ein Baum einfach da ist. Für den TV-Western hat der Riese mehr geleistet, als die Cartwrights von der Ponderosa („Bonanza“) oder „Die Leute von der Shiloh Ranch“. Denn bis Mitte der 50er Jahre waren Serien wie „Hopalong Cassidy“ oder „The Lone Ranger“ vor allem ein Programm für Kids. Walker aber erschloss als Halbblut „Cheyenne“, der mal als Ranchhilfe, dann wieder als Deputy Marshall für Gerechtigkeit sorgte, erstmals auch einem erwachsenen Publikum den weiten Fernseh-Westen.

Und die Stories hatten deutlich mehr Tiefe, Reife, aber auch Gewalt, als das bis dahin üblich war. Im Übrigen glänzte „Cheyenne“ kurioserweise auch mit toller Ausstattung, obwohl jede Folge in gerade einmal fünf Tagen und für die läppische Summe von 75 000 Dollar abgedreht wurde. Denn das ausführende Studio, Warner Bros, griff für bestimmte Großaufnahmen, etwa einen Viehtreck, immer wieder auf Material aus den eigenen Kino-Western zurück. Heute können einige „Cheyenne“-Folgen noch über Amazon bestellt werden. Andreas Kötter

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