Medien : Chiles Licht und Nerudas Andenken

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Ein sozialistischer, ein kommunistischer Dichter von Weltrang? Und Diplomat, Staatsmann war er außerdem, ein Gast am Hofe Stalins. Am 12. Juli wäre Pablo Neruda, der chilenische Dichter, hundert Jahre alt geworden. Bis eben war klar, wie man sich so einem nähert: der Dichter wird entdichtet. Der Ideologe bleibt übrig. Nichts davon bei Ebbo Demant. Das ist sehr schön. Einerseits. Denn schon wieder ist man unzufrieden. Etwas fehlt in diesem bild(über)mächtigen Neruda-Porträt heute Abend auf Arte. Demant lässt nur Freunde und Weggefährten zu Wort kommen. Volodia Teitelboim, Jewgenij Jewtuschenko oder Mikis Theodorakis. Nur ganz selten ein Wort aus der Distanz.

Vor allem aber will Demant etwas von der poetischen Ur-Kraft Nerudas aufwecken. Ein Film „über“ den Dichter ist ohnehin der falsche Ansatz. Demant möchte einen Film, der mitten durch Neruda hindurchgeht. Der Dichter ist ein Sänger? Der Dokumentarfilmer schon lange. Nicht, dass Demant kein Talent dazu hat. Er ist um die Welt gereist, um alles zu sehen, was Neruda sah. Er will den Dichter aus seinen Landschaften wiedererstehen zu lassen. Chile hat ein Licht, das Fotografen die Herstellung schlechter Bilder fast unmöglich macht. Und der Pazifik hat Wellen, die aus tieferen Gründen zu kommen scheinen. Wer den chilenischen Wald nicht kennt, schreibt Neruda in seiner Autobiografie „Ich bekenne, ich habe gelebt“, der kennt diesen Planeten nicht. Demant nimmt das ganz ernst. Der Dichter schafft Bilder aus Sprache. Demant fängt mit Bildern an und bricht sie nie. Er verschenkt vor lauter Nähe die Chance der Distanz. kd

„Neruda“, Arte, 22 Uhr 30. Am 7. Juli im Ersten, 23 Uhr.

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