Medien : „Christiansen“: Lieber Wahl als Franzosen-Nein

Joachim Huber

Die Franzosen haben am Sonntag Nein zur EU-Verfassung gesagt. Wer das Ergebnis live erfahren wollte, war beim ZDF besser aufgehoben als bei der ARD. Das „heute-journal“ coverte um 22 Uhr die Prognose und lieferte erste Einschätzungen und Reaktionen. Im Ersten lief zu dieser Zeit die Talkshow „Sabine Christiansen“. Das Resultat des Referendums in Frankreich wurde eingeblendet, auf die „Tagesthemen“ um 22 Uhr 45 hingewiesen. Studiorunde und Moderatorin diskutierten kurz Frankreich und dann weiter das gesetzte Thema „Jetzt haben wir die Wahl – aber welche?“. ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann verteidigte Themenwahl und Programmierung: „Keiner konnte sagen, wann es eine verlässliche Prognose aus Paris gibt.“ Hätte das Erste vor „Christiansen“ die „Tagesthemen“ oder einen etwaigen „Brennpunkt“ gesetzt, wären Anfang und Ende der Talkshow unwägbar geworden.

Wolfgang Klein, Redaktionsleiter bei „Sabine Christiansen“, betonte, die Redaktion hätte vor einer „Güterabwägung“ gestanden: „Wir hatten das Frankreich-Thema in der Planung und auch bereits erste Gäste eingeladen. Jetzt, wo es in Deutschland auf Neuwahlen zugeht, haben wir uns, auch im Interesse der Zuschauer, für die Innenpolitik entschieden.“ Zudem sei das Ergebnis mitgeteilt und in einer Fragerunde mit den Gästen durchdekliniert worden – „mehr dazu hatte keiner zu sagen“, meinte Klein.

Die angestrebte Neuwahl zum Bundestag jedenfalls hebt die Quoten der Talkshow im Ersten: Am 22. Mai über fünf Millionen, am 29. Mai 4,5 Millionen Zuschauer. Klein kündigte an, dass die „Sommer- und Sendepause von drei Wochen auf eine verkürzt wird“. Für Sabine Christiansen werden es bis zum wahrscheinlichen Wahltermin am 18. September arbeitsreiche Wochen. ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann sagte, dass „Sabine Christiansen für die ARD im Fernsehduell die Fragen stellen wird.“ Von der Tann rechnet mit zwei Duellen Merkel-Schröder und hofft, dass die ARD zusammen mit dem ZDF „das Duell übertragen wird, das möglichst nahe zum Wahltermin liegt.“

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