Medien : Ciao!

Zum Tod der Tagesspiegel-Autorin Mechthild Zschau

Ulrike Simon

Die Leser mochten Mechthild Zschau. Regelmäßig leiteten wir Briefe an sie weiter. Aus ihren Artikeln strahlte die Erfahrung einer sehr gebildeten, intelligenten, zugleich sehr realistischen und meinungsfreudigen Frau, die das Leben genoss. Mechthild Zschau schrieb nicht einfache Programmempfehlungen oder Fernsehkritiken. Sie ordnete ein, erkannte das Besondere, wusste ihre Faszination auf die Leser überspringen zu lassen, sie machte neugierig, schuf Verständnis, kritisierte aber auch, wo etwas zu kritisieren war – elegant, ohne draufzuhauen.

„Gutes Fernsehen kann trösten, auf- und anregen, sorgsam informieren, ja, auch unterhalten. Vor allem aber: Menschen zeigen, wie sie leben und fühlen und miteinander agieren in unserer Welt“, schrieb Mechthild Zschau einmal. Sie liebte das Fernsehen, was man nicht über alle sagen kann, die sich berufsmäßig mit diesem Medium beschäftigen. Sie wusste aber auch, „Fernsehen kann die ganze Welt zeigen, mit all ihren Träumen und Albträumen – aber nie sie ersetzen“.

Mechthild Zschau, Germanistin, gelernte Hörspieldramaturgin, Kultur- und Medienjournalistin für Zeitungen und den Hörfunk, ist am 15. Oktober im Alter von 55 Jahren in Berlin gestorben. Plötzlich und unerwartet. Spätabends hatte sie noch mit einem Freund telefoniert und ihrer Nachbarin per Blinkzeichen durchs Fenster einen Gute-Nacht- Gruß geschickt. Noch vor wenigen Tagen mailte sie, pünktlich wie immer, einen Artikel in die Redaktion. „Sollten wir nicht mal wieder ein Weinchen miteinander trinken?“, schrieb sie unter die Mail. Am Telefon verabredeten wir uns für kommenden Montag zum Abendessen. Mit ihrer rauchigen, tiefen Stimme plauderte sie, wie immer war sie gut gelaunt und lachte. Wie immer meldete sie sich mit „Zschau“ und verabschiedete sie sich mit – „Ciao“.

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